Sechster Arbeitstag geschafft :-)

Haben vorgestern nicht weiter an der Straßenmusiker-Karriere gearbeitet, wird sicher erst nach unserem Kiwi-Job. Wir sind wie jeden Abend noch im Supermarkt gewesen, da hier ja auch sonntags alles ganz normal geöffnet hat. Als wir bis vor Kurzem noch keine Arbeit hatten, haben wir deswegen echte Schwierigkeiten gehabt, Wochentage zuzuordnen – ob hier Mittwoch oder Samstag ist, bekommt man da kaum mehr mit. Nach BurgerKing ging es wieder auf den Schlafparkplatz. Und obwohl kein Kind vor unsere Scheiben gehämmert hat und Süßes oder Saures wollte, haben wir nicht gut geschlafen… Wahrscheinlich zu viel Vorfreude auf die Kiwis :-/

Der Montagmorgen war windig-kühl, sodass wir in einem erst neu entdeckten, windgeschützten Parkhaus gefrühstückt haben. Wir, ich mit großem Bedauern, Wolfi mit freudigem Vergnügen, haben feststellen müssen, dass mein mit frischen Früchten am Vorabend zubereiteter Frühstücksjoghurt über Nacht zu einer ekelhaften Suppe mutiert ist… Uhuuuu, traurig war das! :-(

Auf der Plantage war aufgrund von Chef-Abwesenheit Klaus der Kommandant und zuerst stand Fruit-Thinning an: Also wieder von einem Block Pflanzen alle störenden Baby-Kiwis entfernen. Danach startete eine weitere Triebwickelaktion auf dem größten Kiwi-Feld, auf welchem ich vor Kurzem noch Kronprinzen hüten musste. Wolfi wurde jedoch von Phil, einem schon älteren und langjährigen Mitarbeiter, ausgeborgt. Dieses Mal gab es für ihn die Spezialaufgabe, welche mit Arbeitshandschuhen begann. Phil und Wolfi fuhren mit einem Traktor plus Hänger davon. Während des Wickelns erhaschte ich halbstündig einen Blick auf das hin und her fahrende Gespann. Fuhren sie von A nach B saß Wolfi auf dem leeren Hänger, fuhren sie zurück, saß er neben Phil, der Hänger voller Holzmassen. In der Pause erfuhr ich Genaueres: Wolfi musste mit Phil die ausgebaggerten 30-jährigen Wurzeln der Kiwibäume eines kompletten Feldes aufladen, wegfahren und abladen. Von oben bis unten war er voller Dreck, Staub, Matsch und Schrammen! Er sah echt abgekämpft aus und ich fragte mich nur, wie er und die Drecksachen so später ins Auto sollten und wie man das je wieder sauber bekommt?! Zwei weitere Stunden vergingen, in denen ich wickelte und Wolfi und wir uns regelmäßig aus der Ferne zuwinkten, wenn er mit dem Traktor vorbeikam. In der letzten Pause berichtet er mir, dass Phil nebenbei angeboten hatte, unseren leeren Wasserkanister aufzufüllen! Sehr nett von ihm, denn Wasser zu kaufen ist hier ziemlich teuer! Phil schien schwer in Ordnung zu sein. Er ist ein erfahrener Mensch, der nicht viel redet, viel weiß, ordentlich mit anpackt und ab und an freundlich lacht. Wolfi schätzte, dass er und Phil insgesamt bestimmt drei oder vier Tonnen Holz und Wurzeln transportiert hatten. Echte Knochenarbeit! Wenn man da bedenkt, dass er vorgestern binnen fünf Minuten Gitarre einen Vierteltageslohn eingetrieben hat… Hm!

Als endlich der lang ersehnte Feierabend anbrach, stiegen wir ins Auto und fuhren an unseren Schlafplatz. Dort duschte Wolfi an der kalten Toilettenhausdusche mitsamt Arbeitsklamotten den groben Dreck von sich. Sah sehr komisch aus und das fanden auch die vorbei laufenden Leute. Anschließend duschte er sich in Badehose mit Shampoo bis er zwar halb erforen, aber richtig sauber war.

Wir hingen die Klamotten zum Trocknen in Sträucher und fuhren zum Parkhaus um uns Nudeln zu kochen. Danach wieder Supermarkt und BugerKing. Gespannt, ob bei Rückkehr auf dem Schlafplatz noch alle Klamotten hingen, fuhren wir zurück. Alles da, aber klitschnass, also mussten sie draußen übernachten und wir drinnen.

Heute früh war es wirklich kühl und verregnet, feucht innen wie außen und absolut keine Motivation aufzustehen. Wir wünschten uns nichts sehnlicher als einen Wolkenbruch, bei dem Arbeit ausfiel und wir hätten weiter liegenbleiben können. Aber wir quälten uns raus, Klamotten, noch nasser als zuvor, rein und ab ins Parkhaus zum Frühstück. Da klingelte das Handy: Tatsächlich gab es aufgrund des Regens einen verzögerten Arbeitsstart und wir mussten erst 10.00 Uhr antanzen. Hätte Jens’ SMS nicht 45min früher kommen können?! :-/ Nun ja, wo wir schon mal wach waren, fuhren wir ein paar Wege um nach einer Kaffeekochmöglichkeit im Auto Ausschau zu halten, denn jeden Morgen den Kocher aufzubauen bloß um eine Tasse Wasser aufzukochen, raubte zu viel Zeit und Gas. Außerdem suchen wir nach einer Lösung unsere Abgeschnittenheit vom Rest der Welt zu beseitigen. Denn seit zwei Wochen funktioniert unser Autoradio nicht mehr, sodass wir weder Musik noch irgendwelche Neuigkeiten aus Neuseeland geschweige denn Deutschland und dem Rest der Welt erfahren! Wir sind vollkommen uninformiert, da auch Internet zu begrenzt ist, um Nachrichten zu lesen. Wenn es also wichtige Neuigkeiten gibt, schreibt uns ruhig mal per Mail, damit wir nicht vollkommen verblöden! Wolfi nutzte unsere morgendliche Freizeit sogar noch um eine kleine Ablage fürs Auto zu sägen und ich schrieb. Dann ging es auf.

Arbeit war okay, das Wetter dann wirklich noch richtig sonnig und wir haben sogar freiwillig ein Stündchen dran gehängt, um die verlorene Arbeitszeit und natürlich unseren Lohn etwas aufzuholen. Ich habe den ganzen Tag Leiterchen auf und ab Triebe gewickelt, Wolfi musste fehlende Schnüre aufspannen. Während man die unabwechslungsreiche Arbeit so vor sich hin macht, denkt man an viele Dinge oder auch mal einfach an Nix. Musik übers Handy ist da eine gute Sache, doch darf man sich nicht vom Chef erwischen lassen ;-) Manchmal reicht es uns schon mit den Kiwi-Pflanzen. Wenn man kaum mehr die Kraft hat, zum zweihundertsten Mal am Tag auf die Leiter zu steigen, einen weiteren Trieb bis in drei Meter Höhe zu wickeln und wieder die Stufen hinab zu springen…, da wollen die Beine zeitweise einfach nicht mehr, man wird langsamer und müde, die Reihen werden länger und die Arbeit scheint aussichtslos. Endlich ruft jemand zur Pause und für einige Zeit geht es danach wieder besser und irgendwie kommt man doch zusammen mit den anderen Arbeitern durch diese riesigen Felder und tausenden Triebe. Schon beeindruckend und ermüdend zugleich! Es ist eine sehr gute Erfahrung, eine eintönige Art von Arbeit, bei der man aber direkt sieht, was man leistet und das im Grünen. Höchstwahrscheinlich werden wir so etwas in der Art wohl später nie wieder machen, also genießen wir unseren Job auch irgendwie! Zumal es heute ab Mittag eh sehr gut ging. Ich war schneller als die beiden anderen Wickel-Jungs und hätte noch ewig weiter wickeln können. Auch Wolfi hat dieses Mal eine sehr angenehme Arbeit abbekommen mit den Schnüren, obwohl er es trotzdem schaffte, sich in den Daumen zu schneiden :-/ Unseren befüllten Wasserkanister haben wir auch dankend empfangen und es gab sogar für alle eine leckere Torte zum Mittag. Für morgen hat Jens zwei neue Backpacker als Jobber angekündigt, darunter eine Deutsche. Und wie es der Zufall will, sind das tatsächlich zwei Leute, die Wolfi gestern Abend noch kurz auf unserem Schlafparkplatz kennen gelernt hat, denn die haben Jens scheinbar bei ihrer Vorstellung gleich nach uns gefragt! Lustig, wird’s wohl ein Wiedersehen sowie hoffentlich gute Zusammenarbeit geben :-)

Um Sechs war für uns Feierabend. Da ich duschen musste, fuhren wir zum Schwimmbad. Die nette Frau am Einlass guckte mich verblüfft an als ich den geringen Preis für die Dusche zahlen wollte, fragte mich ganz entsetzt, wo ich denn hauste, dass ich bloß eine Dusche wollte, und ich erklärte ihr unser Backpackerleben. Sie gab mir ihren Geheimtipp für die beste Dusche im Bad und schickte mich kostenlos durch! Toll, sehr, sehr nett! :-)

Nun gab es gerade Abendbrot: ich Supermarkt-Salat, Wolfi Pizza. Vielleicht folgt zum Nachtisch noch was Kleines, ehe es ins Bettchen geht.

Ahja, einen interessanten Nachtrag haben wir auch noch: Die beiden Franzosen berichteten uns, dass auch sie versucht hatten in Hastings über PickNZ Arbeit zu finden. Die Dame wäre so nett gewesen und hat die beiden als „Ausnahme“ auf Platz Zwei und Drei der hunderte Positionen langen Warteliste gesetzt :-D Haha, von wegen wir waren ja so nett! Das ist scheinbar bloß eine freundliche Masche von denen! Naja, wie dem auch sei, bei uns hat es immerhin geklappt! Haben aber nicht schlecht gestaunt und uns kaputt gelacht als wir feststellten, dass es uns allen so ging mit dieser freundlichen Dame und ihrer Ausnahme!

Da wir mal wieder Zugriff auf eine bessere Internetverbindung hatten, könnt ihr im Artikel vom kurzen Wochenende eine zwar nur kleine, aber neue Fotogalerie anschauen! Haben auch selbst gestern zum ersten Mal entdeckt, dass man auf unserer Seite rechts eine kleine Mini-Galerie mit Zufallsbilder sehen kann! Wow, cool! Eine schöne Seite haben wir da :-)

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Eine Antwort auf Sechster Arbeitstag geschafft :-)

  1. Gisela,Alexander und Helmut sagt:

    Alles Gute in NZ,
    Ich habe eure Seite gelesen da bekommt man Fernweh
    Alles Gute und weiterhin viel Spaß wünscht Familie Wolf aus Schlotheim

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