Alltagsleben in Napier

Während der letzten zwei Tage ist nicht allzu Viel passiert:

Vorgestern Abend sind wir spät vom BurgerKing zurück auf unseren Schlafparkplatz, auf welchem auch wieder das weiße Auto der beiden zukünftigen Mit-Jobber stand. Lustig! Wir werden zusammen arbeiten und wohnen schon nebeneinander :-)

Am Mittwochmorgen haben wir die beiden kurz begrüßt und nach unserem Parkhaus-Frühstück auf der Plantage gleich wiedergesehen. Unsere Autonachbarn wurden von Klaus eingeführt, während ich das Wickeln und Wolfi das Strickspannen fortsetzte. Wolfi entwickelte eine Technik, mit welcher künftig viele, viele hunderte Meter Strick pro Feld gespart werden können! Nun machen es alle so :-) Julie, so ist der Name der Deutschen, wickelte zusammen mit mir ihre erste Reihe Triebe, nebenher unterhielten wir uns. Danach trennten sich unsere Reihen. Auch Alex, der Aucklander, mit dem Julie zusammen reiste, war bereits am Wickeln, wurde aber bald von Klaus zum Strickspannen abgezogen. Die Pausen waren mit den beiden noch ein wenig schöner als zuvor. Wir hatten viel zu erzählen und zu lachen. Am Nachmittag bekam ich gestern von Boss Jens wieder eine Spezialaufgabe: Alle männlichen Pflanzen, also nicht nur meine Kronprinzen-Träger, des kompletten großen Feldes sollten nun von mir allein beschnitten werden. Sehr sorgfältig muss dabei die Wahl der verbleibenden Triebe getroffen werden und während mir Jens all seine Kriterien und Sonderfälle erklärte und demonstrierte, wurde mir bewusst, dass dies um Einiges schwieriger wurde als die Kronprinzen-Aktion! Und langwieriger… Nach einer gemeinsamen Reihe stürzte ich mich ausgerüstet mit einer Gartenschere, weiterem Werkzeug sowie einem sehr mulmigen Gefühl auf die Beschneidung der armen Männer. Bei Kronprinzträgern war der Kronprinz natürlich weiterhin das Wichtigste, das erhalten werden musste, aber von den restlichen vier bis acht Trieben mussten so viele radikal fallen bis nur noch zwei Triebe je Mann standen. Hierbei galt es, die eher schwächsten Zweige stehen zu lassen, da der Mann nur zur Bestäubung dient, keine Früchte trägt und deswegen nur so wenig Platz wie möglich einnehmen sollte. Die fruchtbringenden Frauen sollen sich stattdessen weit ausbreiten können. Zu dicke, Knospen treibende, verletzte und zu krumme Triebe sowie jegliches überflüssige Holz wurden weggeschnitten. Beide noch stehenden Triebe mussten nun außerhalb der Drähte gelegt sowie sehr ordentlich hoch gewickelt werden. Insgesamt dürften es ca. 350 Pflanzen sein, die ich so bearbeiten sollte. Ich schaffte am selben Nachmittag nur noch eine halbe von etwa achtundzwanzig Reihen. Jens, der noch einmal vorbei schaute, war aber relativ zufrieden. Ehrlich gesagt, ist ziemlich viel daran Bauchsache und wahrscheinlich ist es gut, dass er die vorher stehenden Triebe nicht alle gesehen hat, denn sicher hätte er bei 50% ganz andere Triebe ausgewählt. Er schaut sich jedes der tausend Pflänzchen ganz genau – an als wären es seine Kinder!

Nach Feierabend fuhren wir in die Stadt, wieder in unseren Supermarkt, jedoch fiel BurgerKing aus, da Alex uns ein Bier seiner Lieblingssorte auf dem Schlafparkplatz versprochen hatte. Wir parkten Joy also direkt neben dem Auto der beiden, in welchem sie tatsächlich seit vier Tagen schliefen! Ein ganz normal großes Auto! Boah, und in Joy ist’s schon etwas eng! Da es windstill war, saßen wir alle zwischen unseren Autos draußen, testeten die Biersorten, quatschten über die Arbeit und alles Mögliche. War lustig. Um Zehn zog sich jeder in sein Autobett zurück.

Heute Morgen gab es Frühstück direkt auf dem Parkplatz, da noch immer kein Windchen wehte. Die beiden fuhren vor uns davon, um ihren allmorgendlichen Kaffee zu besorgen. Wiedersehen gab es kurz darauf an der Arbeit, wo jeder seinem Job vom Vortag nachging. Wolfi verbesserte die Strickspann-Technik vorerst heimlich noch weiter und wird nun bald Zeitrekorde aufstellen! Ich kroch von Mann zu Mann, brach zwei Mal einen ausgewählten Trieb ab und es plagten mich Schuldgefühle. Nachdem ich es Jens beichtete, schimpfte der aber gar nicht. Es würden sich eventuell noch Triebe nachbilden :-) In den Pausen scherzten wir mit Alex und Julie schon wie am Vortag über die Arbeit, unsere mitgebrachte Verpflegung, die klar erkennbar bei allen von uns aus Supermarkt-Angeboten bestand, und cremten uns gegen die Sonne ein. Da Phil uns angeboten hatte, den Kanister erneut aufzufüllen, stellten wir ihm den leeren heute gleich auf die Ladefläche seines Autos und tada… morgen werden wir wieder gutes Trinkwasser haben :-) Sehr freundlich von dem wenig redenden Kiwi(-Menschen)! Insgesamt kam ich heute nur dreieinhalb Reihen vorwärts und es war sehr anstrengend, aber der Blick für die Trieb-Selektion verbessert sich immerhin mit der Zeit, der Mut zum Schnitt wächst, lange dauert die Arbeit trotzdem… Sicher würde ich damit noch drei Tage beschäftigt sein. Jens kalkulierte uns nun sicher mindestens zwei Wochen als Arbeiter ein – haben die Probezeit scheinbar bestanden ;-) Hab heute mal schnell zwischendurch für euch heimlich ein wenig umher fotografiert, damit ihr euch besser vostellen könnt, wie das aussieht, woran wir arbeiten! Schaut die Galerie an, viel Spaß!

Die Dusche im Schwimmbad bekamen Wolfi und ich heute schon wieder umsonst! Haben uns einfach durchhuschen lassen – toll! Danach ging es wieder ab ins Pak’nSave – ja, auch der Supermarkt hat langsam die Erwähnung seines Namens verdient! Wir kauften uns Abendbrot und Pausenverpflegung – natürlich fast nur Angebote. Heute wurden unsere Mägen befüllt mit einem Wabbelweißbrot-Laib, Vienna-Art Schinken Käse. Dazu gab es Käsebrocken von Käse Colby, einer von Wolfis favorisierten Käsen. Es folgte BurgerKing. Alex und Julie sind für eine Nacht in einem Hostel, sodass wir sie nachher nicht sehen werden.

Gibt gerade nicht viel Abwechslung: Arbeit, Einkaufen, Schlafen und wieder von vorn, aber die Tage gehen sehr schnell um, schon ist fast wieder Wochenende!

Wir danken euch allen für die inzwischen so vielen, vielen schönen Kommentare! Freuen uns jedes Mal wahnsinnig, wenn wieder ein neuer Kommentar-Eingang angezeigt wird und lesen dann ganz gespannt, wer es war und was geschrieben wird :-)

Liebe Grüße aus Napiers BurgerKing, auch von den kleinen Maori-Kindern, die in Schlafanzügen hier im BurgerKing herumspringen und gerade lachend ihre Nasen an einer Scheibe neben mir platt drücken um zu gucken, was ich hier am Laptop mache :-D

Und heute haben wir noch was Tolles im BurgerKing entdeckt – für eine kleine Reise durch Neuseeland hier klicken: Neuseeland-Reise im Zeitraffer (von Süden nach Norden, Wer entdeckt die Kiwiplantage?)

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2 Antworten auf Alltagsleben in Napier

  1. Renate sagt:

    Liebe Tini, lieber Wolfi! Ihr habt nun bewiesen, dass Ihr unter harten Bedingungen arbeiten könnt. Sicher gibt es auch andere Jobs. Macht Euch das Leben etwas bequemer. Ruiniert in der Kälte nicht Eure Gesundheit! Die ganze Südinsel mit ihren fantastischen Landschaften wartet noch auf Euch. Nie im Leben habt Ihr jemals wieder so viel Urlaub!
    Ich verfolge täglich mit einiger Neugier Eure Reise. Alles Liebe und Gute! Renate und family.

    • Wolfi sagt:

      So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Ich glaube Tini übertreibt ein bisschen. Heute haben wir unsere Lohnzettel erhalten. Jetzt ist Tini ganz wild darauf länger als geplant zu arbeiten :D

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