Freitag Feiertag

Der Morgen des Freitags war der wärmste bisher. Das Aufstehen fiel ganz leicht, da die Sonne uns bereits durchs Heckfenster schien. Auch Frühstück war wieder ohne Parkhaus möglich. Frühstücken seit einigen Tagen sowieso in einer vereinfachten Variante, bei der wir beide auf unseren Autositzen sitzen. Wolfi hat die Essensbox neben sich draußen stehen, ich die Geschirrbox und jeder muss daraus reichen, was benötigt wird. Ich habe noch den Kocher für mein Kaffeewasser. Gespült wird mit Babytüchern, da wir kaum Geschirr benötigen :-) Schnell und einfach!

Die Arbeit war okay, jedoch gaben Julie und Alex nach kurzer Zeit auf, da Julie irgendwelche Augenprobleme hatte. Wir waren wieder zwei weniger auf dem Feld, ich momentan das einzige Mädchen. Das tolle Wetter vom Morgen schlug um in ordentlichen Regen. Mit leucht-oranger Regenjacke ging es trotzdem weiter. Gegen Mittag sollte ich nun mit bei Wolfi Stricke spannen, weil mein Pflanzenbeschnitt im Regen zu Infektionen führen könnte. Wolfi lernte mich professionell an, ich versuchte mich ungeschickt an drei Stricken und schon kam Jens um mich für eine andere Aufgabe, die gerade bei Regen gut sei, abzuholen. Er war nicht allein: Phil wartete mit Traktor und Hänger und wir sprangen auf, fuhren über das 19 Hektar große Gelände und holten noch den Maori-Mann namens Vaine von seinem Arbeitsplatz ab. War eine feine Rundfahrt, wäre der Regen bloß nicht gewesen. Zurück auf dem großen Kiwi-Feld begann die Aufgabe. Jens brachte Vaine und mir das Düngen bei und erst jetzt begriff ich, wozu wir auf dem Hänger saßen, zusammen mit diesem Riesen-500kg-Sack voller blauer Kügelchen. Während Phil uns langsam durch die 57 Pflanzenreihen fuhr, sollten wir jeder zu einer Seite den Dünger streuen. Fürs Streuen gab es natürlich eine ganz besondere Technik, die Jens so lange mit uns probte, bis jedes Körnchen landete, wo es sollte. Er hat immer genaue Ansprüche! Nur die Frauen durften überhaupt gedüngt werden, aber ja nicht direkt auf den Stamm! Breit streuend vor und hinter jeden Frauen-Stamm musste der Dünger vom fahrenden Hänger geworfen werden. Pro Frauenpflanze also je zwei Hände Dünger. Cool, los ging die Fahrt und der Wurf-Rhythmus spielte sich ziemlich schnell ein. Noch immer Regen, aber ansonsten ganz nette Sache! Doch als wir erst ein Drittel hinter uns hatten und schon 25min am Stück im Sekundentakt warfen, während alles bis auf die Unterwäsche durchweicht war und selbst der Dünger klebte, war es schon nicht mehr sooooo cool. Als wir Wolfi passierten, mussten wir beide sehr lachen und er rief, dass doch noch gar kein Karneval sei! Ein bisschen was hatte es tatsächlich davon, wie Vaine und ich in den Leuchtjacken auf dem Hänger saßen und andauernd blaue „Konfetti“ schmissen. Nach sieben Kilometern in eineinhalb Stunden sowie sage und schreibe 2000 Dünger-Würfen hatten wir es geschafft – ein schwerer Arm und eine komplette Durchweichung als Resultat! Meine Schuhe enttäuschten mich schon seit einigen Stunden, denn trotz der teuren Super-Marke war der linke Schuh so durchlässig, dass darin das Wasser stand! Es quitschte mit jedem Schritt! Prima :-/

Eine dreiviertel Stunde lang ging ich nun noch weiter der Männer-Beschneidung nach und erreichte fast das Ende von Reihe Acht. Naja… Ich schnitt an der vorletzten Pflanze, staunte über den schönen, edlen, weichen, prächtigen Kronprinzen, wollte noch ein letztes Stückchen Holz aus kosmetischen Gründen abschneiden und nein: Bruce sank zu Boden! Oh Gott, ich hatte den ersten Kronprinzen niedergehen lassen! Ich zitterte fast, wollte ihn erst panisch im hohen Klee verstecken, entschied mich aber für Ehrlichkeit, markierte die Pflanze und legte den armen Kronprinzen an seinem Stiel vor den Stamm. Das konnte doch nicht wahr sein! Und hätte ich nur auf die Uhr gesehen, hätte ich eigentlich schon seit zwei Minuten Feierabend gehabt und das wäre nie passiert! Mist, wirklich! Was würde Jens nur sagen?!? Und es war wirklich einer der edelsten Kronprinzen der Reihe! Ich trauerte kurz um ihn, ging zurück zur Hütte, suchte Jens, fand ihn nicht und wartete im Auto auf Wolfi. Der kam verspätet, da seine Regenpause nachgearbeitet werden musste, und er wusste, wo Jens war. Also fuhren wir an das Feld, schon kam uns Jens entgegen. Traurig erklärte ich ihm, was geschehen war und so ein bisschen verzog er nun auch das Gesicht, lächelte aber kurz darauf und erklärte ganz nett, dass ich die Pflanze gleich am nächsten Morgen gut markieren sollte und er würde es sich auf die Merktafel schreiben. Noch vor Dezember wird dann eine neue Veredelung an ihr vorgenommen. Sehr erleichtert war ich und wir fuhren nach „Hause“: Pak’nSave und so. Dort trafen wir zufällig Alex und Julie, die uns aus feuerroten, tränenden Augen kaum richtig anschauen konnte. Sie fuhren gleich weiter auf unseren Schlafparkplatz, wir gingen einkaufen.

Wolfi hat soeben in einem Spa-Bad direkt neben unserem Parkplatz eine bezahlte Dusche genommen. Ich saß im Auto und schrieb bis jetzt. Wolfi ist zurück, es ist 21.00 Uhr, dunkel draußen und überall vor uns an der Promenade und am Strand sind Menschen, versammelt um Lagerfeuer, die Promenade entlang spazierend oder Feuerwerk startend. Denn heute ist hier ein Feiertag… Guys Irgendwas (leider weiß ich das nicht genau, werd es herausbekommen). Ist auch nix Großes, aber ein Anlass für viel Feuerwerk am Abend. Und das schauen wir nun an, sind hinter das Auto von Julie und Alex gefahren und haben kurz vorher beim Anfahren meine zum Trocknen aufgestellten Schuhe überfahren! Geschieht denen recht, wenn sie so undicht sind :-( Und bis morgen trocken sind die auch niemals! Arbeiten morgen wieder einen halben Tag.

So, jetzt werden wir mal zu den beiden hinüber gehen und noch bissl Feuerwerk anschauen. Übrigens sind immer mehr Backpacker unterwegs, natürlich sehr viele Deutsche. Gestern haben wir auf unserem Schlafparkplatz bei vierzehn Vans aufgehört zu zählen! Sind also nicht allein und verlassen hier in den dunklen Nächten ;-)

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