Echtes Neuseeland für einen Nachmittag

Auch nach dem zweiten Trockengang blieb trotz gereinigtem Filter und kleinerer Ladung unsere Wäsche ziemlich feucht. Ärgerlich, denn sechs Dollar (mehr als halber Stundenlohn) umsonst. Also feuchte Sachen ab in ‘nen Korb und wir ins Bett. Während Wolfi am nächsten Morgen noch grunzte, war ich schon seit sieben Uhr auf und habe der guten Wäschespinne aufgetragen, ihr Letztes zu unserer Wäschetrocknung beizutragen. Danach wartete ich bei Kaffee und Laptop auf den Wolf. Wir nahmen ein spätes Frühstück ein, machten uns fertig und räumten Joy mal ein wenig auf und um… verbummelten dabei längst die 10.00 Uhr CheckOut-Zeit des Parks und verließen, nachdem die Rezeptionsfrau uns freundlich darauf hinwies, erst gegen Mittag den Holidaypark.

Wir fuhren erneut einige Wege wegen eines Auto-Wasserkochers für meinen morgendlichen Kaffee, auf den aber Wolfi viel heißer war als ich! Mir ist das, ehrlich gesagt gar nicht so wichtig! Teuer ist das Teil und ein warmes Tässchen braucht bestimmt zehn Minuten mit laufendem Motor. Dann verzichte ich lieber auf den Kaffee, wenn es mal regnet oder sehr schnell gehen muss. Haben statt des Wasserkochers aber noch ein paar andere Kleinigkeiten besorgt, bissl im Internet gesurft und uns irgendwann entschlossen, endlich mal wieder was Schönes anzuschauen. Also ging es auf nach Havelock North, einem kleinen Städtchen, das nahe Napier und Hastings liegt und hinter welchem sich der Hügel Te Mata gen Himmel hebt. Auf dem Weg passierten wir viele, viele schöne Weingüter und Obstplantagen. Schon eine tolle Gegend hier an der Hawke’s Bay mit dem angeblich besten, gleich bleibend milden Wetter Neuseelands! Steil ging es den Berg hinauf. Kurz vorm letzten Gipfel-Parkplatz ließ mich Wolfi aus dem Auto, weil ich ein Stück entlang des Peak Trails laufen wollte. Nun kam auch seit Langem unsere Kamera endlich mal wieder richtig zum Einsatz! :-) Beeindruckende Ausblicke boten sich: Direkt neben dem Pfad entlang der Bergkante ging es tiefste Abhänge hinab, Weideflächen mit tausenden Kühen und Schafen hunderte Meter unter mir. Ein Fluss schlängelte sich durch die Landschaft, auf dessen anderer Seite weitere Weingüter zu sehen waren. Und noch weiter in Richtung Horizont sogar herrlich türkisblaues Meer und Napier. Wandte man den Blick zur rechten Seite, sah man Unmengen der für Neuseeland so typischen grünen Weidehügel, auf denen sich durch Wolken und Sonne schönste Licht-Schatten-Wechsel ergaben. Hui, das war echt mal wieder toll! Andere Anblicke als Napier Citys BurgerKing-Supermarkt-Viertel oder Kiwipflanzen so weit das Auge reicht! Ja, das war gut! :-) Auch Wolfi lehnte bereits oben auf dem Parkplatz an Joy und genoss die Aussicht über die endlosen Weiten. Da sein Campingstuhl eine Reparatur nötig hatte, nähte er diesen hier, ich wanderte noch ein wenig umher. So hoch und ganz windstill, hatten wir auch noch nicht! Da langsam unsere Mägen knurrten und wir seit dem Frühstück nichts mehr zu uns genommen hatten, fuhren wir ein wenig tiefer auf einen Parkplatz, umgeben von Bäumen, falls doch noch ein Wind aufzöge, aber mit ebenfalls herrlichem Ausblick. Dort bauten wir unsere Ess-Koch-Ecke auf und bereiteten uns Nudeln. Gutes Abendbrot war das an diesem hübschen Platz! Doch da so langsam der Abend anbrach, machten wir uns zurück auf den Weg nach Napierhause :-) Fünf Minuten vor Ladenschluss bekam ich hier im Warehouse (gibt’s Alles!!!!!!!) nun doch noch Gummistiefel, da meine Boots noch immer nicht trocken waren! Nun soll es an der Arbeit aber wenigstens einmal aus Eimern schütten! :-D

Wir skypten anschließend endlich mal wieder mit Mama, gaaaaaanz lange! Jetzt sind wir und sie über alles aktuell informiert. War fein! :-)

Danach ging es, wie immer, in Pak’nSave: Verpflegung für den kommenden Arbeitstag. Und dann zurück auf unseren Schlafparkplatz, auf dem auch wieder Julie und Alex standen. Die werden wir einfach nicht los! ;-) Haben kurz gequatscht, erfahren, dass die mindestens fünfzehn anderen Vans auf diesem Parkplatz fast alle deutschen Travellern gehörten, von denen aber keiner bisher Arbeit hatte. Sie schlafen hier alle Nacht für Nacht und warten auf einen Job, teils schon seit über einem Monat! Wow, haben wir es gut mit unseren Kiwis und dass wir da so schnell rangekommen sind und dabei bleiben! Da die Toiletten des Parkplatzes gerade out of order sind, machte es sich langsam bemerkbar, dass hier etwa dreißig Menschen irgendwo anderweitig ihre Bedürfnisse erledigen müssen… :-/ Das erste, was ich am heutigen Montagmorgen zu sehen bekam, war der nette Toilettenhaus-Reinigungsmann. Er wartete scheinbar darauf, dass unsere Frühaufstehenszeit anbrach, denn als er mich im Bett wackeln sah, zeigte er auf die Toiletten und zuckte mit den Schultern. Nachdem wir aus Joy gekrabbelt waren, kam er kurz zu uns, sagte wir müssten leider andere Toiletten suchen, denn er könne auch nichts machen und fuhr weiter. Lustig, dieser Mann ist fast täglich der erste Mensch, den wir erblicken! Gut, dass es den gibt! :-) Vielleicht suchen wir uns trotzdem für die Zeit der Toilettenschließung zur Abwechslung mal einen anderen, nicht so deutsch-überfüllten Parkplatz…

Der erste Arbeitstag unserer vielleicht letzten Woche auf der Kiwi-Plantage war okay. Klaus war nicht da, die beiden neuen Mitjobber tauchten wieder auf. Ich habe den ganzen Tag mit der Männerpflanzen-Beschneidung verbracht, bin am Ende des Tages immerhin bei Reihe 17 von 28 angekommen! Ende in Sicht, zumal die hinteren Reihen immer kürzer werden. :-) Wolfi beendete seine Strickspann-Arbeit heute vorerst, da er in Windeseile an alle markierten Punkte die letzten Schnüre des großen Kiwi-Blocks eingezogen hat. Er bekam kurz vor Mittag seine neue Fruit-Thinning-Mission und musste bis zum Ende des Tages zusammen mit dem Maori-Mädchen sämtliche, nicht der Norm-Form entsprechenden Kiwi-Babys abpflücken. Es ging hierbei vor allem wieder um Menge und Zeit und Jens beobachtete sehr genau! Alle Kiwis wurden dieses Mal nicht auf den Boden, sondern in einen Sammelkorb abgeworfen, dessen Inhalt dann von Jens begutachtet und mengenmäßig abgeschätzt wurde. War ja auch wichtig, dass wirklich nur die Kiwis abkommen, die auf dem Markt keine Chance hätten! Trotzdem irgendwie schade um die armen Dinger… Würden doch, auch wenn sie schmaler sind als die Durchschnitts-Kiwi, später genauso lecker schmecken! Naja! Jens war zumindest sehr zufrieden mit Wolfis Arbeit und wir verließen nach Fünf die Plantage. Geregnet hat es nicht, Gummistiefel waren gewöhnungsbedürftig, man schwitzt schnell darin, aber besser als im Regenfall in einem See zu stehen!

Wir entschlossen uns, heute dreckig zu bleiben und fuhren gleich zum Internet. Sowohl die Fährenüberfahrt von Nord- auf Südinsel als auch ein Hostel auf der Südinsel über die Weihnachtstage haben wir nun gebucht. :-) Bald geht die richtige Reise weiter! Unsere Fähre wird am 12.12.2010 um 08.00 Uhr den Wellington-Hafen verlassen um dreieinhalb Stunden später in Picton auf der Südinsel anzulegen. Für Joy und uns kostet der Spaß stolze 204 Dollar, aber die haben wir ja nun locker ;-) Und mit etwas Glück haben wir sogar die Fähre gebucht, auf der man ins Kino gehen kann… Mal schauen! Schon von Reisebeginn an hatten wir mit Jelle ausgemacht, zusammen Weihnachten zu verbringen, falls wir es alle drei so lange in Neuseeland aushalten! Wir sind bisher gut dabei auszuhalten, also haben wir uns nun in ihr Hostel für die Festtage eingebucht! Richtiges Bett im Doppelzimmer und schön sei es da in der Gegend um Nelson, meint Jelle zumindest! Sie hält sich dort ja bereits wegen ihrer am Mittwoch beginnenden Arbeit auf. Wär doch traurig, wenn Wolfi und ich Weihnachten irgendwo zu zweit und ganz planlos auf einem Parkplatz im Nirgendwo verbringen müssten… So wird es hoffentlich ganz nett und wir freuen uns sehr, wenn wir diese Tage dann tatsächlich mit Jelle verbringen können! Denn daran hatte, zumindest ich, anfangs immer noch größte Zweifel… Cool! :-)

Ja, und bis 12.12. haben wir nun also noch Zeit, den unteren Nordinsel-Zipfel ein wenig abzufahren sowie Hana (unsere erste Neuseeländerin „aus“ Schlotheim) in Wellington zu besuchen, die über unsere ungefähre Ankunft schon Bescheid weiß! Wir freuen uns auf sie und ihre Familie und die Schokoladen-Proben :-D

Nun sitzen wir im BurgerKing, laden alle Akkus, mal ist Wolfi draußen, spielt im Auto Gitarre und gleich werde ich zum Einkaufen gehen, während er die Stellung hier drinnen hält. BurgerKing-Toilette eignete sich mal wieder prima für eine kleine Frischmachung. Und als wir den Parkplatz vorhin befahren haben, waren auch mal plötzlich wieder Julie und Alex direkt hinter uns. Sie sind uns auf den Parkplatz vorm BurgerKing gefolgt und haben berichtet, dass sie ab morgen auf einem Weingut hier arbeiten werden – gefunden über einen Privatmann aus einem Hostel! Manchmal wohl besser, direkt nachzufragen statt sich an eine Agentur zu wenden, die ausnahmsweise jeden auf Platz Zwei und Drei hochrutscht… ;-) Unsere Autonachbarn haben sich für eine Woche in das Hostel gegenüber unseres gemeinsamen Schlafparkplatzes eingebucht und uns eingeladen, abends mal auf ein Monopoly vorbeizuschauen und Geräte zu laden. Werden wir tun, wird uns bestimmt gar nicht allzu schwer fallen, mal das BurgerKing dagegen einzutauschen. :-D

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Eine Antwort auf Echtes Neuseeland für einen Nachmittag

  1. Birgit sagt:

    Ganz ganz lieben Dank für die tolle Karte.Habe mich daraufhin gleich bei Wikipedia weitergebildet.Das ist meine bisher weigereistete (?)Karte ! Sie war sehr lange unterwegs-da merkt man erst einmal,wo ihr steckt ! Euer Job hört sich manchmal ganz schön anstrengend an,aber es gibt auch genügend Entschädigungen dafür,gelle !!!!! Alles Gute weiterhin.Aber ihr macht das schon !!!

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