Kiwi-Früchte, -Vögel, -Menschen – Kiwis überall

Zwei Tage Arbeit liegen schon wieder hinter uns… Die Zeit vergeht wie im Flug! Gestern früh regnete es leicht, sodass ich wegen Infektionsgefahr der Pflanzen nicht schneiden durfte. Da, wo Wolfi mit Körbchen vorm Bauch bereits eifrig auslas, sollte auch ich zusammen mit Jana (der neuen Deutschen) und Vaine (Maori-Mann) nun bis eine Stunde nach Regenschluss (Infektionsgefahr gebannt) Kiwis aussortieren. Jens zog uns also ebenfalls die schicken Sammelkörbe über und lernte uns an: zu flache Kiwis, zu kleine in einer Gruppe von durchschnittlich größeren Kiwis, Missgeburten-Kiwis, Double- sowie Triple-Kiwis, Nasenkiwis, Bananen-Kiwis, gespaltene Kiwis und auch Kiwis mit schwarzem Fleck (was auch immer das sei) müssen raus! Und das Ganze auf Zeit, mit richtiger Schritt-Blick-Technik und natürlich über Kopf. Wir begannen und Jana dachte, da sie nun mal endlich nicht allein auf weitem Felde arbeitete, könnten wir entspannt nebenher plaudern… Ich antwortete auf ihre Fragen in kurzen Brocken, da ich nicht wusste, ob das Jens so gefiele… Nein – es gefiel ihm auch wirklich nicht, denn er ermahnte uns sogleich, uns auf den neuen Job zu konzentrieren. Schweigend sammelten wir weiter, verfolgt und beobachtet und kontrolliert von Jens, der nachdem wir einige Meter vorwärts gekommen waren, die Korbinhalte jedes einzelnen ganz genau unter die Lupe nahm und erst danach durfte der Korb entleert werden. Zum Glück waren tatsächlich alle abgerupften Kiwis Ausschuss und keine guten dabei. Er war zufrieden und jeder bekam seine eigene Bahn. Ich kam mir vor wie Alice im Wunderland, tippelte nach oben schauend hin und her, zupfte hier und da, sah bald vor lauter Kiwis nicht mehr, ob Kiwi A noch platt war oder schon eher normal, ob Kiwi B relativ zu klein für seine Gruppe war, übertrat die Mittelliniengrenze zur nächsten Reihe, weil man ja nur nach oben schaut, wurde von Jens zurück gerufen und wieder zurück geschickt, weil ich zu viele hatte hängen lassen. Und zu langsam war ich außerdem! Währenddessen raste Wolfi hin und her, zog an mir schon seine zweite Bahn vorbei. Ne, die Kiwi-Auslese-Gene lagen eindeutig bei Wolfi! Jens ging mir nach, las noch Hände voll heraus, die ich vergessen hatte, und bat mich um mehr Geschwindigkeit. Ich wünschte mir nur, dass er endlich jemanden anders begutachtete, doch er blieb noch eine Weile neben, hinter und vor mir. Als er weg war und ich die kommende Korbkontrolle fürchtete, überlegte ich kurz schon, einfach ein paar aus der letzten Korbentleerung in meinen Korb zu werfen, damit es mehr wirkt… Naja, Jens kam wieder, aber schaute zum Glück nicht mehr so genau. Wir unterhielten uns stattdessen, er lobte Wolfi, der diese Aufgabe sehr gut und in Wahnsinnstempo erfüllte und analysierte, wo bei mir der Fehler lag… Große Schritte, Scannen… Eine Reihe in 30min! Naja, kurz nach der Zehn-Uhr-Pause war irgendwann meine erste Reihe fertig, der Regen längst weg und ich durfte endlich zurück zu den Kiwi-Männern! Hätte nicht gedacht, dass ich mir das mal wünschen würde!

So verging der Arbeitstag, nach welchem wir sogleich zum Duschen ins Aqua-Center fuhren. Wolfi lernte dort einen kleinen Neuseeländer-Jungen kennen, der interessiert fragte, ob es so wie in Neuseeland den Kiwi denn auch in Deutschland so ein tolles Tier gäbe! Wolfi überlegte schwer und antwortete ihm, dass vielleicht der Adler so ein Tier wäre, weil er auf der Münze und Flagge ist. Doch der Junge gab sich nicht zufrieden, da der Adler auch in anderen Teilen der Welt umherflog! Nein, Wolfi musste ihn enttäuschen: So ein Tier, dass es nur in Deutschland gibt, fiel ihm nicht ein… Euch vielleicht? (Kommentare erwünscht ;-) ) Schwierige, aber gute Frage von dem kleinen Jungen, der dann mittlerweile sein T-Shirt ins Klowasser tauchte und damit umher warf, sodass Wolfi ihn warnen musste, ihn damit ja nicht zu bespritzen! :-)

Danach folgte Pak’nSave und ohne BurgerKing fuhren wir noch etwas umher, entschieden uns für einen ganz neuen Parkplatz, auf der oberen, freien Etage unseres Frühstücksparkhauses mit Ausblick über Napiers Palmen. Cool, und es kam tatsächlich niemand, der uns wegscheuchen wollte! Wir spielten ein wenig Gitarre und gingen etwas früher als sonst auf einem Parkhausdach ins Autobett :-)

Stahlblauer Himmel und eine warme Sonne erwarteten uns am Morgen, außerdem waren die Toiletten des Parkhauses bereits geöffnet! Toller Platz.

Nach dem Frühstück an die Arbeit und jeder setzte seine Aufgabe fort. War ein heißer Tag, wieder kein Klaus da, sodass weiterhin Jens sich um uns kümmerte. Wolfi bekam zwei neue deutsche Jungs als Gehilfen bei seiner Kiwi-Auslese-Arbeit, die er über den Tag mit betreuen musste. Den einen schockierte Wolfi, indem er ihm mitteilte, dass er sein so freudig entdecktes Vogelnest nun samt Inhalt herauswerfen musste… Am liebsten hätte Wolfi zu ihm nix gesagt, doch wäre danach Jens gekommen und hätte das belassene Nest entdeckt, wäre ja aufgeflogen, dass Wolfi die Anordnung nicht weitergeleitet hätte… Der Junge trat die unschöne Aufgabe an seinen Kumpel ab und meinte, nun bei jeder Kiwi an arme Vögelchen denken zu müssen. Ja, so ist das! Die beiden Jungs hatten außerdem gedacht, sie würden kein Essen brauchen… Irgendwann nahmen sie gierig unseren angebotenen Bananenkuchen ausgehungert an. Morgen haben die sicher ein dickes Fresspaket mit, wenn sie denn wieder auftauchen. War scheinbar ziemlich harte Arbeit für die beiden. ;-)

Ich beendete endlich meine Männerbeschneidung im großen 5ha-Kiwi-Block (ganze Plantage inklusive Äpfel: 19ha!). Habe die letzten Reihen versucht, mit Links zu schneiden, da sich mein Ellennerv durch die überlasteten Schneide-Muskeln schon seit gestern etwas beengt fühlt… bei 500 Pflanzen jeweils sechs Schnitte mit der kleinen Gartenschere teils in dickes, festes Holz :-/ Naja, fast vorbei, es folgten bloß noch die äußeren Spezialreihen… Dachte ich bis Jens kam. Er zeigte mir, wie ich die Spezialreihen zu schneiden hatte und danach sollte ich dann dasselbe im kleineren Hausblock tun! Was?! Also noch mehr Männer ab morgen und Arm ausruhen heute Abend! Ich nutzte die Gelegenheit und fragte Jens sogleich ein wenig über die Veredelungssache aus, er erzählte etwas wirr von heißen Frauen- und reudigen Männerpflanzen… Zum Glück sah er nicht, wie ich hinter seinem Rücken lachen musste. Aber nun wurde mir erst einmal klar, was ich hier genau wozu tat und wie das alles ins große Bild der Kiwi-Frucht-Plantage passte… Schon sehr interessant und hat tatsächlich auch so Einiges mit Medizin gemeinsam… Bloß schade, dass hier nur Gold-Kiwis angebaut werden, denn heute aß ich noch einmal eine zum Frühstück und sie schmeckte einfach nicht so gut… Ich berichtete Jens, dass mir die grünen Kiwis eigentlich viel besser schmeckten, da sie saurer sind. Er meinte daraufhin, ich müsste mal eine frische, goldene Kiwi essen, da die momentan zum Verkauf angebotenen schon fast zu lang gelagert wären. Erntezeit ist schließlich März… Nicht nur wir, sondern auch schon mehrere von euch, hatten gefragt, wie es denn dann sein kann, dass es Zuhause gerade neuseeländische Kiwis zu kaufen gäbe… Tja, ist echt komisch und auch hier so, obwohl die Ernte noch lang hin ist! Wahrscheinlich machen die Packhäuser das mit speziellen Lagerungen möglich! Frisch vom Feld sind die Kiwis zumindest nicht! Außerdem erklärte Jens, dass die Asiaten süße Früchte, ganz ohne Säure, sehr bevorzugen, hingegen Deutsche und auch Engländer lieber säuerlich mögen und dass der Export viel strengeren Formkriterien unterliegt. Und es ist auch tatsächlich so, dass die Kiwis hier im Supermarkt doch anders aussehen als Zuhause. Hier sind schon einige flachere dabei! Also zu euch kommt nur das Beste und hier in Neuseeland bleibt das, was euch nicht schön genug ist ;-) Interessant, interessant… Das muss schließlich auch alles mit bedacht werden, wenn man so eine Plantage leitet. Welche Sorten wohin exportieren, wie dafür auslesen… Cool, steckt viel Plan und Management dahinter! Außerdem muss alles sehr gut erklärt bis an jeden kleinen Arbeiter weitergegeben werden, da der ja letztlich die Pflanzen und Früchte in den Händen hat. Wie eine Kette, bei der das schwächste Glied, egal an welcher Stelle, sich irgendwann bemerkbar machen wird… Ui, und angeblich ist in der Bay of Plenty eine Kiwi-Krankheit ausgebrochen… Doch genug nun zu den Kiwis! Vom waschechten Kiwi-Mann Phil bekamen wir wieder neues Wasser und nachdem uns Jana und Markus Starthilfe gegeben hatten (Wolfi lässt sehr gern die Lichter an :-) ), fuhren wir in den Feierabend davon gen BurgerKing zum Tippen und so! Huiiiii… zweite Lohnabrechnung und einige schöne Mails! :-) Toll!

Dieser Beitrag wurde unter Eastland veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Kiwi-Früchte, -Vögel, -Menschen – Kiwis überall

  1. Susanne sagt:

    Hallo ihr lieben Kiwispezialisten!
    Wenn Ihr dann irgendwann wieder nach Hause kommt, werden wir wohl die Hälfte des Gartens für männliche und weibliche Kiwipflanzen reservieren müssen. Ein typisch deutsches Tier ist mir nicht bekannt.Wie wär es mit dem “Keinohrhasen”?
    Naja ist nicht so ein super Einfall. Ich schlage meinen deutschen Langhaarzwergdackel vor. Der ist einmalig und schließlich laut Meinung der lieben Nachbarn verhaltensgestört. Wer hat sonst schon so ein Tier???
    Nun löst euch bald mal von der Kiwiplantage und erkundet das weitere Land!
    LGMAMA

  2. Renate sagt:

    Hi ! Wir kennen ein Tier , das gibt es nur hier – Broiler ! :-) )
    Gibts nicht mal im Westen! So – mehr fällt uns nicht ein.
    Habt ihr die Arbeit beendet?
    Liebe Grüße! Eure Tante

  3. Birgit sagt:

    Ich weiß es,ich weiß es ! Ich meine “Euer” Tier. Da hättet Ihr aber auch darauf kommen müssen.Ihr seid doch selber das beste Beispiel.
    Das A R B E I T S T I E R !!!!!!!!!!!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>