Auf ins lange Wochenende :-)

Eine weitere ganze Arbeitswoche ist nun geschafft und wir sind mal wieder so froh wie nie, dass das Arbeitsende sehr nahe rückt! Am Donnerstag begann ich mit den neuen Kiwi-Männern in einem anderen Block und nichts war so wie bei den Männern zuvor. Da standen Exemplare in verschiedensten Alters- und Reifestufen, sodass ich nicht zuordnen konnte, was abzuschneiden war was nicht… Von wegen so wie bei den vorherigen auch! Ich war verwirrt, ein Kronprinz fiel zum Opfer und irgendwann kam Jens, sah, dass es doch komplizierter war als gedacht und ich sollte nach der Pause wieder zurück an die vorigen Männer in den Spezialreihen des alten Blocks. Jens erklärte mir die Sonderheiten der ersten zwei Spezialreihen, die bei der Beschneidung zu beachten waren. Nach deren Bearbeitung und der Mittagspause erklärte mir Jens nun die großen, bedeutenden Unterschiede der drei letzten Spezialreihen gleichzeitig, wechselte von dieser zu jener Seite, etwas diffus, leicht hektisch… Ich erkannte aus seinen Worten leider weder Unterschiede zwischen den Reihen noch verstand ich, nach welchen Kriterien hier ausgewählt werden sollte, denn scheinbar beschloss auch er das an unseren gemeinsamen Exemplarpflanzen so ganz aus dem Bauch heraus und konnte es absolut nicht schlüssig begründen. Sagte er in dem einen Moment noch, dass dieser eine Zweig dringend erhalten bleiben sollte, zückte er nach kurzem Minenwechsel plötzlich die Schere und schnitt den selben kurzer Hand ab! So. na prima! Und nun war ich dran! Nie habe ich mich so sinnlos bei irgendeiner Kiwi-Arbeit gefühlt wie hier! Ich konnte absolut nicht einschätzen, was ich tun sollte und tat irgendwann kaum mehr etwas, lief nur unschlüssig hin und her, Jens’ Zeitlimit im Nacken! Als er irgendwann tatsächlich auftauchte, wollte er zum Glück nicht nachschauen, sondern von mir nur hören, wann ich es für nötig hielte, wieder danach zu schauen bzw. gar die Veredelungen zu erneuern… Hilfe, wer war hier der Plantagen-Leiter?! Wir zogen davon zur nächsten Aufgabe für mich! Ich war froh, schlimmer konnte es ja nicht kommen und eh nur noch eine Stunde! Hmmm… die nächste Aufgabe war Männer-Triebe wickeln in einem kleinen Block älterer Pflanzen, der einfach nur zugewuchert wirkte. Auch hier konnte ich eigentlich nicht viel bezwecken, lief in der brütenden Sonne die Reihen entlang und freute mich wie lange nicht über den Feierabend! Wolfi erging es ähnlich, auch er hatte langsam keine Lust mehr. Es machte sich bemerkbar, dass das Arbeitsende nahte, die Motivation sank. Nachdem er die Kiwi-Auslese-Arbeit beendet hatte, durfte er wieder seine Strickspann-Arbeit fortsetzen und tat das den ganzen Tag lang. Nach der Arbeit gönnten wir uns statt schnöder Dusche mal das Ocean Spa! Ein anderes, luxuriöseres Spa-Bad direkt an Napiers Promenade neben unserem alten Schlafparkplatz, aus dessen heißen Salzwasser-Außenpools man die Meerblick genießen konnte während die Abendsonne ihre letzten Strahlen auf uns sandte. Lange saßen wir in den blubbernden Wässern, weichten richtig ein, sodass sogar ein wenig des festsitzenden Arbeitsdrecks von unseren Fingern wich. Plötzlich kam Alex, einer der beiden Jungs, die Wolfi bei der Kiwi-Auslese unterstützt hatten, in unseren Pool. Wir redeten über die Arbeit, die so einigen Gesprächsstoff bot… ;-) Und wir überdauerten selbst Alex Spa-Besuch, blubberten weiter bis in die Dämmerung. Nach einem kurzen Einkauf machten wir uns auf die Suche nach dem gemeinsamen Parkplatz von Jana und Markus sowie Alex und Begleitern. Entlang Napiers Promenade gab es soooo viele Parkplätze mit Meerblick, doch irgendwann fanden wir sie in einem Ründchen zwischen ihren Autos sitzend. Auch hier gingen die Unterhaltungen größtenteils wieder über die so interessante Arbeit und gegen halb Zwölf (wie wir zum allgemeinen Erschrecken feststellten) verließen wir die Gruppe. Wolfi fuhr uns in Richtung McDonalds auf ein Spät-Eis, ich telefonierte mit Thomas und wir suchten uns müde einen der vielen Meerparkplätze, dessen Toilettenhaus sogar nachts auf war. Hätten wir mal vor zwei Wochen entdecken sollen statt jetzt zum Ende!

Nach einer sehr kurzen Nacht ging es wieder an die Arbeit, auf in eine neue Runde und hoffentlich besser als der wirre, letzte Tag. Zudem war ein großer Tag für die Plantage: Der Kiwi-Begutachter kam!!! Jens redete schon seit Tagen davon und würde uns auch erst nach dessen Urteil sagen können, wie lange er noch Arbeit für uns hätte! Hui, na da! Uns war mittlerweile alles recht, bald zu Ende war es auf jeden Fall! Es wurde schon am Morgen so unerträglich heiß wie noch nie, man merkte, dass der Sommer Einzug hielt! Wolfi setzte die Stricke fort und tat das auch den ganzen Tag so langsam und unbeobachtet vor sich hin, ich begann eine neue, alte Aufgabe: Wickeln der Triebe des Blocks, den wir schon vor zwei Wochen gewickelt hatten. Die Pflanzen waren gewachsen, also neu von vorn! Und genau neben meiner Reihe standen Jens, Klaus und der nett wirkende, alte Kiwi-Begutachter-Mann, fachsimpelten über eine Pflanze und als sie mich wickeln sahen, kamen sie herüber. Der Experte schmunzelte und sagte, ich würde diesen Trieb so wunderbar und gleichmäßig winden, wie nur möglich, jedoch wäre das genauso überhaupt nicht gut für die Pflanze! Jens und Klaus, die bei ihren Methoden sowieso täglich die Meinung änderten, erschraken, der Mann bat mich, meine Leiter nutzen zu dürfen, nahm den Trieb und stupste ihn ganz leicht einmal um den Strick! Fertig! So wenig es geht berühren, denn jede Manipulation hemmt den Wuchs, einfach einmal ganz locker darum! Er schmunzelte wieder über die erstaunten Blicke und stieg von der Leiter. Wozu hatten wir zwei Wochen lang versucht, die Triebe noch so gerade und eng auf diese Stricke zu winden, danach sogar noch einmal nachzustraffen?! Binnen Minuten änderte sich das gesamte Schema! Tausende Pflanzen wurden von einer auf die andere Sekunde plötzlich komplett anders behandelt und nachdem Klaus im Eiltempo die Nachricht an die anderen Wickler verbreitete, rasten wir alle so schnell wie noch nie ganz locker wickelnd durch den Block, hielten für unfassbar, wie das hier ablief… Da wir unbeobachtet waren und die Arbeit viel leichter ging, blieb nebenbei sogar Zeit für lange, sehr lustige Plaudereien mit Markus. Wir wickelten einfach dieselben Reihen gegenüber, was uns sonst nicht gern erlaubt wurde, aber heute war mal wieder alles egal. Uns schien eigentlich nur logisch, dass diese neue Wickelung den Pflanzen viel besser tat als die bisherige! Nur in ihre Richtung stupsen, nicht zwingen! Und wie viel Arbeit war da umsonst geschehen? Aber so ist das, wenn ein Unternehmen noch im Aufbau war! Jeder lernt täglich neu dazu und die Fähigkeit, auf die Pflanzen zu hören muss erst erworben werden! Deutsche Korrektheit und Gründlichkeit war hier nicht immer angebracht! :-) Doch Jens war entgegen unserer Erwartungen insgesamt scheinbar zufrieden mit dem Urteil des netten, alten Kiwi-Experten, auch wenn es den Tagesablauf ordentlich durcheinander warf, da die neuen Anregungen erst in Plänen eingearbeitet werden mussten. In der Mittagspause präsentierten wir unter der Geschichte, dass Wolfi so geschädigt von der Auslese sei, dass er selbst im Supermarkt nicht aufhören konnte, Früchte auszusortieren, Jens Kiwis seiner Qualitätsmarke ausm Pak’nSave, die so platt und hässlich waren, wie wir es noch nie gesehen hatten! Er freute sich darüber und verfiel sofort in Erklärungen… Wir bekamen nun eine Füllaufgabe, mussten das Unkraut an den Wurzeln sämtlicher tausender Kiwi-Pflanzen herausreißen: Erst das umliegende Gras/Distel-Gewächs zur Seite drücken, dann die Hasenschutzhülle anheben, sämtliche Triebe an der Wurzel ausreißen und die Hülle wieder überstreifen. Das in der brütenden Hitze und Handschuhe gab es leider auch keine! Nach einer Reihe brannten die Arme von irgendwelchen Gräsern, von Pflanze zu Pflanze wurden wir oberflächlicher, scharrten irgendwann fast alles nur noch mit den Füßen grob beiseite und waren gegen halb Fünf mehr oder weniger durch alle Reihen hindurch – erledigt, dreckig, verschwitzt, leicht sonnenverbrannt trotz Creme und so unmotiviert wie nie! Dazu trug auch bei, dass wir den gesamten Tag lang niemanden unserer Vorgesetzten mal wirklich erblickt hatten. Es war seit zwei Tagen ziemlich unkoordiniert und planlos und das gefiel uns weniger als eine klare Arbeit, die regelmäßig kontrolliert wurde, sodass man Ansporn hatte. Wir riefen Jens an, welcher aufgrund der Neuplanung aber nun keine Arbeit mehr für uns hatte, und wir wurden verfrüht halb Fünf in den Feierabend entlassen. Zum Glück! Auch Samstag würde frei sein – endlich mal langes Wochenende und am Montag sollten wir noch einmal kommen. War uns alles recht, jetzt war frei!

Da wir uns so gut mit Markus und Jana verstanden und es echt alles sehr, sehr, sehr witzig mit den beiden war, fuhren wir direkt nach der Arbeit (und ungewaschen) zusammen mit ihnen und Alex ins Kneipenviertel an Napiers Hafen. Wir saßen bei Sonnenschein auf der Terrasse vom „Thirsty Whale“, genossen mit Ausblick über den Hafen bei Bier (einheimisches Tui, nach einem schönen, einheimischen Vogel mit weißem Kehlenbausch benannt), Cider, Hefeweizen. War sehr schön, haben so etwas seit Auckland nicht mehr gemacht, glaub ich!

Als der Sonnenuntergang nahte fuhr jeder seines Weges, wir kauften schnell ein, aßen Kleinigkeiten. Bevor Wolfi die Kaltdusche des Toilettenhauses nutzte sind wir kurz ans Meer gegangen, da uns schon vom Parkplatz aus die besonders hohen Riesenwellen auffielen! Wolfi ging weiter vor, ich fotografierte von hinten, sah schon die Welle nahen, die nach ihrem Brechen immer mehr Wasser und Schaum so weit nach vorne spülte wie keine Welle zuvor. Wolfi begann erst langsam nach hinten zu tippeln, weiter den Blick gen Meer, wurde als das Wasser immer drohender kam, schneller, tippelte hektischer, wurde immer schiefer dabei, ich schaffte es nicht, den Video-Knopf so schnell zu drücken, sah es aber schon kommen, und er fiel rückwärts in den Kiessand, das Wasser holte ihn ein! Ich hab mich fast tot gelacht über den Anblick seines Tippelns und wie er dann doch in der Suppe saß! Sehr lustig!

Gegegn 22.00 Uhr fuhren wir noch an einen anderen kleinen Meerparkplatz, an welchem Jana und Markus schon wartend auf einem Treibholz im Dunkeln unter tausenden Sternen saßen. Wir setzten uns dazu, beobachteten beeindruckt die Monsterwellen direkt vor uns und glaubten zu gern, dass das Baden hier lebensgefährlich sein konnte! Das waren unglaubliche Wassermassen, die hier vor uns brachen, wie viel Energie steckte darin?! Auch schauten wir die Sterne an, bekamen erklärt wo Orion sich herumtrieb. Wolfi spielte ein wenig Gitarre und spät gegen 01.00 Uhr gingen wir neben den beiden ins Bett.

Heute morgen wurden wir bereit 07.00 Uhr von heißer Sonne geweckt! War so warm, dass wir trotz Unausgeschlafenheit nicht mehr schlafen konnten. Wochenende :-) Und als ich aus dem Bettchen kroch, hatte Wolfi sogar schon unser Frühstückchen vorbereitet, alles gedeckt und Stühle aufgestellt! Gemütlich aßen wir in der Sonne, während auch Markus und Jana aus ihrem Auto gekrabbelt kamen. Eben waren wir alle gemeinsam kurz in der Info, haben uns über ein paar Unternehmungen heute und morgen informiert… Wir werden sehen ;-)

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