Testicles, Trödel, Tölpel und auf in die letzte Runde Arbeit

Nach einem Internetcafe-Besuch, der aufgrund unseres ersten neuseeländischen Knöllchens über immerhin nur zwölf Dollar (zwei Dollar Discount, wenn wir schnell bezahlen kommen) doch etwas teurer als geplant wurde, fuhren wir gegen Mittag des sonnigen Samstags mit Markus und Jana zum Hafen Napiers, wo das Maori Wild Food Festival statt fand. Lange schon hatten Wolfi und ich geplant, dieses eintägige Fest zu besuchen, und sowohl die Franzosen als auch unsere neuen, deutschen Mitjobber waren sofort begeistert. Pro Person zahlten wir 15 Dollar und los ging der Spaß! Schon von Beginn gab es überall typisches Maori-Essen zu probieren: verschiedene, teils sehr süße Kartoffeln mit Algen (schmeckt wie Spinat, nur meeriger :-) ), anderen undefinierbaren Dips verkosteten wir, schauten nebenbei einem Tätowierer über die Schultern, schlenderten weiter in ein großes Zelt voller Essensstände und stürzten uns gierig auf alles, was es irgendwo zu verkosten gab! Wolfi hielt sich zurück, aß nur das, was eindeutig identifizierbar war, ich ließ nichts bis auf die Muscheln aus! Harmlos waren noch die verschiedenen Brotsorten mit interessanten Aufstrichen! Doch beim Fleisch wurde es interessant – ekelhaft sahen die Platten mit den Fleischhappen schon meist aus! Mutig steckten wir alles in den Mund! Gut, dass wir meist erst hinterher erfuhren, was es war oder die englischen Begriffe beim ersten Mal zumindest nicht verstanden. Neben normalem Steakfleisch von Lamm, Rind und was auch immer zerkauten und schluckten wir Halseingeweide, Herzklappen sowie… unfassbar… Hoden von verschiedenen Tieren!!! Oh, niemals hätte ich gedacht, jemals im Leben Hoden zu essen und bei dem wussten wir ausnahmsweise sogar vorher, was es war! Aßen es trotzdem ganz tapfer, mit großer Überwindung, aber ehrlich gesagt, war es gar nicht so übel! Schön zart ging der Hoden die Kehle hinunter. Viel ekliger war dagegen das Steakfleisch, dass nur von außen gebraten schien, denn beim Biss war es wie ein rohes Stück Fleisch! Boah, vielleicht war das dem Grillmeister nur versehentlich passiert, denn so hätte man es auch direkt an der Fleischtheke im Supermarkt essen können! War das einzige, was wir unerwartet ausspucken mussten! Komischerweise ging es nur Wolfi mit diesen Steakhäppchen nicht so. Sie waren das einzige Fleisch, dass er probierte und für gut befunden hatte. Nach einer sehr interessanten, ausführlichen Unterhaltung mit der Vorsitzenden einer Diabetes-Organisation über den Aufbau des neuseeländischen Gesundheitssystems wollten wir uns doch etwas eindeutig Leckeres gönnen, stellten uns in der sengenden Hitze zwanzig Minuten an einen Eisstand und kauften uns bei dem gestressten Eismann frisch zubereitetes Fruchtsofteis. Das wurde direkt portionsweise hergestellt, indem er gefrorene Beeren und Vanilleeis in eine große Maschine steckte und nach Betätigung kam unten das cremige Fruchteis heraus. War saulecker und der Schlange nach zu urteilen auch der absolute Renner hier. Wir schauten noch einer Kochschau in dem großen Zelt zu, die für das Fernsehen mit aufgezeichnet wurde, naschten auch auf dem Rückweg überall erneut, Nico und ich ergatterten eine Neuseeland-Cappie und wir verließen das Fest. Ein Stündchen saßen wir noch am Strand direkt neben dem Festgelände, warfen arme Seesterne zurück ins Meer, spielten mit Steinen, machten Fotos und genossen einfach den sonnigen Tag. Begeistert waren wir von einem öffentlichen Sonnencreme-Spender! Das ist mal eine echt gute Sache! Sollte öfter irgendwo stehen, denn die Sonne ist hier wirklich aggressiv! Am späten Nachmittag bummelten wir zurück zu den Autos und jeder zog vorerst seines Weges. Wir nach kurzem Einkauf zu einer Wäscherei in Taradale, wo wir sogar einer dankbaren Frau unseren doofen EasyKey (Schlüssel für ein umständliches Wäscherei-System, den wir uns blöderweise mal gekauft hatten und durch welchen wir auf ganz bestimmte, eher selten anzutreffende Selbstbedienungswäschereien angewiesen waren) verkaufen konnten! Während die Wäsche Runden fuhr, schlief Wolfi quer auf den Sitzbank der Wäscherei liegend und ich nutzte den Strom um alle Fotos endlich mal wieder zu sichern! Platz für mehr Bilder nun! :-) Danach holten wir, wo wir doch endlich mal ein schönes „Stube“ für uns hatten, noch unsere kleine Küche in die Wäscherei, belegten uns Brote, kochten mit dem Kocher Nudeln! Passanten schauten immer wieder verdutzt zu uns hinein, eine Frau gesellte sich kurz für eine kleine Unterhaltung dazu! Lustig, so hatten wir auch noch nicht gekocht und gegessen! Mittlerweile warteten nun die Franzosen bereits in Hastings in einer Bar auf uns, um mit uns einen Goodbye-Drink einzunehmen. Da wir diese Woche aufbrechen würden und die beiden nun auch Arbeit auf einer Birnen-Plantage gefunden hatten, würden wir uns wahrscheinlich nur noch einmal an diesem Abend sehen können. Wir fuhren nach Hastings und betraten, nachdem Wolfi der Aufforderung des Türstehers seine kurze gegen eine lange Hose auszutauschen nachgekommen war, die Bar. War ziemlich buntes Treiben darin, sehr laute Musik und neben Marielle und Nico waren noch fünf weitere Franzosen sowie eine Deutsche am Tisch. Wir stießen mit einem Bierchen an, versuchten uns schreiend auf wildem, deutsch-französischem Englisch zu unterhalten. Schade, dass die Musik so laut war, denn die Gespräche ließen sich nicht allzu sehr vertiefen. Wir spielten noch zwei Mal Billard, verabschiedeten uns, insbesondere von Marielle und Nico, mit dem Versprechen in Kontakt zu bleiben und fuhren richtig hundemüde zurück nach Napier. Drei Zwischenfälle auf dieser einen Fahrt: 1. Polizei mit Blaulicht ließ uns links heranfahren, wir Angst, weil einen Pitcher Bier geteilt, Wolfi musste sprechen (versuchte dieses Mal nicht mehr zu pusten oder spucken), kein Alkohol! Juhu, ein Glück!, 2. weiter, Napier rein, „Plopp“! Was war das? Unser Auto hat was abbekommen, wir fuhren langsam rückwärts den Highway entlang und daaaa: weiße Kugel, Wolfi stieg aus, bringt Golfball mit, macht sich auf die Suche nach dem Übeltäter, der es da auf unsere Joy abgesehen hatte, wurde schnell fündig und ermahnte die Party-Menschen aus einem Vorgarten, nicht nachts mit Golfbällen auf Highways zu werfen, 3. Wolfi stoppt an der Tankstelle, geht zum Nachtschalter, ich saß halbschlafend im Auto, plötzlich geschieht ein ganz schneller, von Niemandem anders bemerkter komischer Angriff durch zwei Typen auf einen Typen in einem Auto! Krass, was war das und so blitzschnell und unbemerkt an einer Tankstelle!? Ich berichtete Wolfi, wie professionell hier gerade ein Übergriff abgelaufen war und er fragte den Typen was los war und ob alles okay ist, trotz meiner Warnung, sich herauszuhalten, da wir schon mehrfach erzählt bekamen, es gäbe hier gefährliche Gangs. Der Typ wollte aber nicht viel sagen, wir fuhren endlich davon! Nun suchten wir noch kurz das Internet auf, riefen nebenbei Mama an, wurden ertappt, verscheucht und das so ersehnte Bett nahte halb Eins als wir auf unserem neuen Meer-Schlafparkplatz neben Jana und Markus (schliefen schon) anhielten. Doch da entdeckte Wolfi mal wieder ein Lagerfeuer am Strand, wurde von Ben (einem englischen Straßenmusiker, dessen super Gitarren-Gesang-Darbietungen wir schon zwei Mal auf Napiers Fußgängerzone begeistert gelauscht hatten) eingeladen, uns zu setzen und saßen noch bis halb Drei zusammen mit ihm, einer französischen Kanadierin (beide vom Portwein schon mitgenommen), einem anderen beeindruckenden Gitarristen und noch einem Typen (beide auch aus England) am Feuer, hörten, spielten Gitarre, sangen mal dazu, unterhielten uns und schauten das Feuer, Meer, die Sterne an. Das war sehr schön! Dann ging es aber wirklich ab ins Bett und am Sonntagmorgen wachten wir in einer Art Auto-Brutkasten in praller Sonne um 09.00 Uhr auf. Jana und Markus waren schon in Gang, begrüßten uns sogleich, empfahlen uns einen Flohmarkt nebenan und machten sich nach dorthin auf den Weg. Wir folgten nach dem Frühstück und waren beeindruckt vom Anblick des kleinen, aber sehr schönen Flohmarkts! Sieht eigentlich auch gar nicht anders aus als bei uns!!! Bloß am Meer :-) Ha, und Wolfis Trauer darüber, den Erfurter Nachtflohmarkt zu verpassen, den Mama am Handy gestern erwähnte, verflog im Nu! Wir durchstöberten die Stände, fanden einen super Mini-Topf für nur zwei Dollar, mit dem ab nun Kaffee-Wasser viel schneller kochen wird und auch Ein-Mann-Portionen sich zu kochen lohnen! Hier und da kauften wir noch Dies und Das, trafen Jana und Markus kurz, zogen um die Mittagszeit wieder ab. Wir fuhren nach kurzem Einkaufsstopp zu dem Baumarkt, in welchem Wolfi die Kühlbox mit Kühlsystem und Zigaretten-Anzünder-Stecker für nur 50 Dollar gesehen hatte! Er sowie die enorme Hitze momentan, bei der sich kein Käse oder Joghurt hält, hatten mich letztlich überzeugt, mich am Kauf zu beteiligen. Doch große Enttäuschung folgte als wir an der Kasse zahlen wollten und aus den 50 plötzlich 180 Dollar wurden. Wolfi hatte sich schon damals irrtümlich am falschen Preisschild orientiert. Wir fuhren ohne Kühlbox zurück, Joghurt warm! Im Internet war mal wieder Abrechnungstag, da wir genau zwei Monate unterwegs waren und noch sind wir nicht arm, zumal unser neuseeländisches Kiwibank-Konto sich nun ja nach und nach mit unserem schwer verdienten Kiwi-Geld füllt :-) Halb Zwei war Treffpunkt mit Markus und Jana und wir fuhren los, Sonntagswanderung zu einer Tölpelkolonie am Cape Kidnappers, ca. 20km entfernt von Napier. Wir parkten die Autos in Clifton und wanderten am Strand entlang in Richtung Kapp. Dies ging nur zur Ebbezeit, über die wir uns am Tag zuvor in der I-Site Auskunft hatten geben lassen. 15.30 Uhr sollten wir los marschieren und spätestens 18.00 Uhr den Rückweg antreten, um laufend statt schwimmend zurückzukommen. Wir liefen und liefen, beeindruckt von den Felsgesteinen, die hier neben uns in den Himmel ragten und uns ab und an dicke Brocken in allen Farben in den Weg geworfen hatten. Manche waren wie grüner Ton, fast knetbar, andere hatten tolle Muschelleisten. Die hohen Felsmauern wurden des Öfteren von Einschnitten unterbrochen, die irgendwann durch ein Erdbeben entstanden waren und nun urwaldig besiedelt waren. Das Meer versuchte immer wieder mal uns von der Seite die Füße nass zu spülen, zumal das Ausweichen auf dem steinigen Strand gar nicht immer so leicht war. Wir liefen, das Ziel war noch weit, irgendwann fuhren Traktoren vorüber, auf deren Anhängern sich Touristen auf einfacherem Wege bis zu den Tölpeln kutschieren ließen und filmten uns einsame, arme Fußgänger als wären wir schon die sonderbarsten Tiere. Komischer Anblick, wie da Traktoren am Strand entlang fuhren, aber auch Quads, Motorräder sowie Allrad-Autos preschten an uns vorbei. Entsetzt stellten wir irgendwann fest, dass es schon halb Sechs war, das Ziel noch immer weit entfernt! Wir legten einen Zahn zu, wollten die Vögel doch unbedingt sehen, schimpften über die Frau von der Info, denn scheinbar hatte die sich bei den Zeiten ziemlich vertan! So langsam können wir gar nicht gewesen sein! Erschöpft kamen wir kurz vor Sechs bei den ersten Tölpeln an, entschieden jedoch, ohne die riesige Hauptkolonie, die noch weitere 2km Wanderung entfernt lag, gesehen zu haben, wieder umzukehren, eh uns die Fluten wegreißen… Schade, da läuft man stundenlang und schafft es nicht :-/ Aber auch die vielen Tölpel dieser Randkolonie waren sehr schön anzusehen, wie sie auf ihren Nestern brüteten, ganz dicht neben uns. Und trotz des langen, langen Weges war ja auch der Spaziergang sehr schön! Kurz vor Sonnenuntergang gegen halb Neun kamen wir total erledigt wieder bei den Autos an, nachdem uns weder der Traktor noch die besoffenen Quadfahrer mitnehmen wollten, tankten unsere Wasser auf, ruhten die Beines aus und fuhren bald zurück nach Napier! Wahnsinn, das müssen 14km zu Fuß gewesen sein und alles am Strand entlang!!!

Im Pak’nSave füllten wir auch unseren Energieverbrauch wieder gut auf, trafen den Aucklander Alex wieder, als Wolfi seine Kaltdusche am Toilettenhäuschen unseres alten Schlafparkplatzes nahm, und fuhren zu Jana und Markus, mit denen wir uns noch ein wenig unterhielten und anstießen, bevor wir alle ins Bett fielen. Tolles Wochenende vorbei!

Am heutigen Montagmorgen erwachten wir in Nässe, doch zum Glück waren die Wolken schon leer geregnet. Wir aßen sicherheitshalber im Parkhaus Frühstück, ich freute mich über den feinen, kleinen Topf und wie schnell das Wasser kochte und wir fuhren zu unseren geliebten Kiwis, bei denen mittlerweile auch schon Jana und Markus angekommen waren. Der Arbeitstag war nicht sehr aufregend, Wolfi spannte Stricke in den Sonder-Außenreihen aller Blöcke, ich musste auf diese die Triebe winden, die eigentlich schon viel zu alt zum Winden waren. Naja, Jens beklagte sich nicht und fragte uns, ob wir noch eine weitere Woche bleiben wollten. Verlockend war es ja schon, wenn man einmal einen Job hat und das Geld fließt, aber richtig Lust hatten wir einfach nicht mehr, da das Ende für uns schon im Kopf war! Wir entschieden, bis Mittwoch zu bleiben, Jens würde sich nun ab Donnerstag um Nachfolger kümmern und wir morgen Kuchen ausgeben – sowohl auf meinen dann ersten, gefeierten Halbjahresgeburtstag als auch auf unser erstes, neuseeländisches Arbeitsende! :-)

Eben wurden wir mal wieder in unserem Dusch-Schwimmbad ganz nett kostenlos durchgelassen. Dusche war zumindest für mich auch echt mal wieder dran, da ich mich seit Freitag eigentlich nur ab und an mal notdürftig in den Toilettenhäuschen oder BurgerKing gewaschen hatte… Ging zwar auch gut, aber Dusche ist besser :-)

Nun sitzen wir zum Bloggen im BurgerKing (für Fotos reicht Internet momentan nicht, folgen aber bald ;-) ) werden noch kurz ins Pak’nSave stürzen und dann zu Jana und Markus auf unseren Parkplatz fahren. Die beiden sind wirklich nett, macht sehr Spaß mit ihnen, bloß schade, dass sie nicht schon früher mit Arbeiten begonnen haben. Denn auch hier ist’s viel lustiger mit den beiden! Sie wollen voraussichtlich noch bis Weihnachten bei Jens arbeiten. Wir hoffen sehr, sie danach auf der Südinsel irgendwo wieder als Weggefährten aufzugabeln, denn irgendwie passt das mit uns ganz prima!

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Eine Antwort auf Testicles, Trödel, Tölpel und auf in die letzte Runde Arbeit

  1. Renate sagt:

    Hallo ihr Zwei ! Heute habe ich Kiwis gekauft für sage und schreibe 0,09 Euro pro Stück. Ist das nicht eine Schande, wenn man weiß, wieviel Arbeit ihr damit hattet !
    Ich werde sie ganz langsam essen. Viele liebe Grüße! Renate

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