Schöne Lümmeltage in Napier

Man könnte glatt behaupten, es sei angenehm, einen Strafzettel hier bezahlen zu gehen, denn das Napier City Council Gebäude war sehr schön, die Dame überaus freundlich und man bekommt neben Wasser und sauberer Toilette sogar ein „Thanks“ für das Abbezahlen seiner Fehler! Beinah gern wieder! ;-) Wir fuhren darauf in ein paar Läden, verbummelten irgendwie den ganzen sonnig-sommerlichen Donnerstag ohne irgendwas Konkretes getan oder gesehen zu haben. Schnell wurde es trotzdem um Fünf und schon kam eine SMS von den fleißigen Arbeitern. Yanna und Markus fragten, ob wir Kochideen hatten. Wolfi nahm noch eine Dusche und die Zeit verging. Wir trafen uns letztlich erst halb Neun vorm Pak’nSave, beschlossen, dass es nun doch zu spät zum Kochen sei und entschieden uns für Dominos Pizza. Mit den heißen Köstlichkeiten ging es dann nach Hause auf unseren Parkplatz, wo wir das späte Abendmahl einnahmen. Plötzlich fuhr ein Auto vor, erst ein, zwei, dann drei Polizisten (in Zivil) traten an uns heran, erklärten uns, dass Anwohner sie wegen Lärm gerufen hatten. Wir machten klar, dass wir ganz sicher nicht die Verursacher waren, denn kurz zuvor war eine Gruppe Jugendlicher lautstark auf den Spielplatzgeräten herumgeturnt. Die Polizisten waren sehr, sehr freundlich und sahen genau, dass wir neben dem Essen sowohl rauchten als auch Bier tranken. Man muss dazu erklären, dass es in Neuseeland auf allen öffentlichen Plätzen streng verboten ist, zu trinken! Wird richtig hart bestraft, z.B. in Auckland teils sofort mit 500 Dollar Strafe sowie einer Gefängnisnacht!!! Und auf dem Spielplatz, auf dem wir unser Essen einnahmen, war außerdem noch striktes Rauchverbot! Doch die Polizisten wiesen uns nur sehr nett darauf hin, dass wir schnell austrinken sollten…! Wir fragten gleich noch, ob es auf diesem Parkplatz überhaupt gestattet war, im Auto zu übernachten und waren sehr erleichtert, als diese das bejahten. Öfter hörten wir schon, dass andere Traveller von naheliegenden Parkplätzen durch Polizei vertrieben wurden (inkl. Nummernschild-Notierung). Wir staunten noch einige Minuten über diese so netten Polizisten bis uns an der Straße zwei Gestalten auffielen, die wir zuvor bereits in der Pizzeria gesehen und welche uns dort nach einem Hostel gefragt hatten. Yanna lief zu den beiden, die noch immer ihr schweres Gepäck im Schlepptau und damit scheinbar den ganzen weiten Weg bis zu diesem Parkplatz zurückgelegt hatten. Beide folgten Yanna zurück an unseren Platz, nahmen dankend ein Bier an. Es waren zwei französische Backpacker, die per Anhalter durch Neuseeland reisten und nun hier gelandet waren ohne Dach über’m Kopf. Waren sehr nett und wir saßen bis halb Zwölf allemann noch beisammen. Da sie keine Campingmatten oder Ähnliches besaßen, gaben wir ihnen unsere Picknickdecke, damit sie es wenigstens etwas bequemer hatten auf dem steinigen Strand, auf welchem sie übernachteten!

Am folgenden Morgen habe ich sie kurz nach Erwachen aus dem Auto wieder samt Gepäck über die Straße ziehen sehen und wir haben uns noch einmal zugewunken. Gegen Acht begannen dann Wolfi und ich den Tag, der schon wieder enorm warm war. Wir frühstückten gemütlich, viele, viele Kinder und Familien kamen zu uns auf den Spielplatz, saßen stundenlang herum, aßen, tranken und unterhielten sich. Eine Gruppe Maori-Kinder inklusive Kindergärtner sangen schöne Lieder, kleine Kinder fielen ab und zu hin, schrien laut, lachten bald wieder… Es lebte und wimmelte! Merkwürdig, so mitten in der Woche am Vormittag! Irgendwie kümmern sich die Menschen hier sehr gut um ihre Kinder und überhaupt gibt es hier im Vergleich zu Deutschland viel, viel mehr Kinder! Wir trödelten auch diesen Tag so dahin, in der Wärme, taten so Dies und Das, bis irgendwann der Abend nahte und unser geplantes Lagerfeuer näher rückte. Nach dem Einkauf des Grillguts stellten wir etwas entsetzt fest, dass an unserem Strandabschnitt nur sehr wenig Treibholz lag. Wir begannen zu zweit schon mal zu sammeln, halb Acht trudelten Yanna und Markus ein, wir sammelten weiter, zündeten gegen Acht das Feuer und wunderten uns, wo die beiden Engländer von der Kiwi-Plantage blieben, die wir auch eingeladen hatten und die die Grillauflage zum Feuer mitbringen wollten! Da wir hungrig waren, legten wir schon die Kartoffeln ins Feuer, diese wurden gar, schmeckten toll, doch noch immer keine Spur von den Engländern. Wir warteten, legten schließlich weit nach Neun auch das in Alufolie gewickelte Fleisch an die Glut und es schmeckte auch ohne Grill und Engländer bestens! Wir staunten nicht schlecht als Yanna und Markus eine kleine Überraschung für Wolfi und mich hervor zauberten: Klaus hatte den beiden für uns eine Flasche selbst gebrauten Bieres mitgegeben! War gar nicht übel und sehr nett von ihm! Nebenbei gab es Gitarre, Meer, Sterne, Telefonat mit Mama in der Praxis. Irgendwann gesellte sich ein weiterer einsamer, deutscher Reisender für eine Weile zu uns. Auch eine Gruppe angetrunkener, einheimischer Jugendlicher ließ sich zwischenzeitlich nieder und lauerte darauf, dass wir ihnen den Platz inklusive Feuer irgendwann nach Eins ganz überließen. Nachdem wir schon fast am Feuer eingeschlafen waren, fielen wir einfach nur schnell ins Bett. Und für die beiden armen im Auto nebenan stand bis dahin noch nicht einmal fest, ob sie nach fünf Stunden schon wieder raus mussten, um auch am Samstag Jens’ Kiwis zu hüten! Am frühen Morgen kurz nach dem Aufstehen erfuhren sie, dass sie nicht arbeiten bräuchten, wenn sie nicht wollten und Yanna und Markus sagten ab, da sie lieber mit uns was machen wollten… Mal wieder typisch, hätte man ja nicht schon am Vortag entscheiden können, dass man es seinen Arbeitern gleich freistellt… Wolfi, der durch das Treiben von Yanna und Markus, die sich aber noch einmal ins Bett begaben, irgendwie schon um Sieben wach geworden war, verließ früh das Auto. Bis halb Neun konnte ich mich mal im Bett so richtig ausbreiten. Für Wolfi und mich war dann Duschen an der Reihe. Also fuhren wir los in Richtung Schwimmbad, machten zuvor einen Abstecher auf den Bluff Hill gegenüber, von dem aus wir kurz über Napier, das Meer und die umliegende Landschaft schauten, fuhren wieder hinunter, machten ein Erdbeerfrühstück im Park vorm OceanSpa und gingen duschen. Danach erledigten wir noch ein paar Wege in der Stadt, bekamen mal wieder eine Starthilfe für Joy, da Wolfi erneut der Meinung war, sie müsste auch am Tag beim Parken die Straße ordentlich ausleuchten :-) und einmal mehr hatte sich der Kauf eines eigenen Starterkabels als sinnvoll herausgestellt. Wurde Zeit, dass wir mal wieder weitere Strecken fuhren, der Laptop lässt die Batterie hier im Stadtgebiet kaum erholen! Bald würde es wieder on the Road gehen, Joy halt durch! Übrigens braucht sie wahrscheinlich neue Türgriffe (beide Türen auf Wolfis Seite lassen sich kaum mehr öffnen), zwei neue Reifen und ‘nen Ölservice… Dazu haben wir also gearbeitet! ;-) Nachdem wir auch Wäsche gewaschen und erfahren hatten, dass das Ukulele-Festival gar kein Festival sei, fuhren wir zurück auf unseren Parkplatz, hängten die noch nicht ganz trockenen Wäscheteile unter neugierigen und amüsierten Blicken der Spielplatzbesucher auf den umgebenden Zaun. Yanna und Markus kamen ebenfalls bald zu uns und wir gingen ein Eis essen, lümmelten vor unseren Autos herum. Wir werden heute also keine Ukulelen besuchen, stattdessen noch einmal zusammen kochen, wahrscheinlich Chili. Treffen uns später zum Einkaufen. Momentan sitze ich im BurgerKing, Wolfi doktort am Auto herum. Neben mir befindet sich das BurgerKing-Kinderabteil mit praktischer Kinder-Einsperr-Funktion (weil Tür geht nur von außen auf :-D ), jedoch klopfen dieses Mal statt Kindern abwechselnd drei, vier Vögel an die Trennscheibe! Man sieht hier sehr häufig in Cafes, Märkten und selbst hier im BurgerKing-Kinder-Raum Vögel umher irren! Gehört scheinbar zum normalen Anblick, keiner kümmert sich und die Spatzen haben Freude an den Burger-Krumen.

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