Erster echter Kiwi-Vogel am letzten Tag in Napier

Am Samstagabend gab es beim Bezahlen des Einkaufs für unser Chili con Carne ein paar Umständlichkeiten, die hier häufiger auftreten, aber doch mal erwähnenswert sind: In Neuseeland wird bei jedem Kauf von Alkohol, auch bei nur einem kleinen Bier, der Personalausweis verlangt und durch einen zweiten Kassierer begutachtet und bestätigt. Und nur dieser Perso-Besitzer darf dann auch bezahlen! Das Problem bei uns bestand darin, dass Wolfi als einziger einen Ausweis bei sich führte, jedoch nicht genug Geld für den Einkauf einstecken hatte. Da wir aber jeder noch ausreichend Geld dabei hatten, war das eigentlich kein Problem… dachten wir zumindest. War aber doch ein Problem, da wir Nicht-Ausweisende dem Käufer auch kein Geld vor den Augen der Kassiererin borgen durften! Er könnte schließlich damit für uns den Alkohol kaufen. Hm, hätten wir ihm das Geld aber vorher schon zugesteckt, hätte die Kassiererin das ja auch nie mitbekommen! Lustig, was? Zum Glück hatte Wolfi seine Karte noch dabei und unser Abend war gerettet! :-D Nach dieser amüsanten Begebenheit fuhren wir auf unseren Parkplatz und die Kochaktion konnte starten! Zwei große Töpfe hatten wir letztlich vor uns – voll mit leckerstem Chili con Carne! Haben es in Tortillas gewickelt (bzw. diese dazu gegessen, da wir keine Möglichkeit hatten, sie aufzubacken, weswegen sie zerbrachen) und mit einem Klecks Sour Cream verputzt! Ganz haben wir das zu viert nicht gepackt, waren soooo satt, dass selbst das Apfel- und Birnen-Cider, das wir aus Angst vor der Polizei getarnt aus Tassen tranken, kaum mehr in die Bäuche passen wollte. Aber ein sehr, sehr gutes Abendmahl! Nebenher hörten wir immer wieder merkwürdige Brüll-Geräusche, denen wir irgendwann nachgingen, um kurz darauf festzustellen, dass sie von Seelöwen kamen, die neben dem Spielplatz hinter Zäunen in Basins lebten, welche einst zum nahe gelegenen Meeresaquarium gehört haben mussten. Seelöwen-Nachbarn hatten wir also und stellten das erst jetzt fest! :-) Um Elf ging’s ins Bett!

Da ich am Sonntag schon vor um Sieben erwachte und nicht mehr einschlafen konnte, Bauch noch immer voller Chili, kletterte ich vor allen anderen aus dem Auto und spazierte bei bewölktem Himmel die Promenade entlang, weiter durch Napiers Innenstadt und auf der anderen Seite der Promenade zurück. Nebenbei telefonierte ich mit Thomas sowie der versammelten Familie und entdeckte kurz vor Wiederankunft auf unserem Parkplatz den Flohmarkt, der auch schon eine Woche zuvor dort statt gefunden hatte. Hab eine schöne Kaffeetasse gefunden und während der Regen einsetzte in letzter Sekunde wieder unseren Parkplatz erreicht. Das Warten auf das Erwachen der noch immer schlafenden Drei gestaltete sich schwierig im Regen: Ich wechselte zwischen überdachter, aber kalter Spieplatzbank, meinem Vordersitz im Auto, las, schnitt Nägel… Erst nach Zehn krabbelten auch die anderen drei Langschläfer aus ihren Betten und nachdem Yanna und Markus noch kurz einkaufen waren, Wolfi kurz einen Abstecher auf den Flohmarkt gemacht hatte, begingen wir gegen 11.00 Uhr unser Sonntagsbrunch mit Rührei Saarländer-Art (verquirlt und mit Milch, also ganz anders als das, was wir kennen, wo doch Eigelb und -weiß noch eher getrennt drin vorzufinden sind). Dazu gab es das kalte Chili und alles andere, was man beim Frühstück so isst. Merkwürdige Mischung, aber haben es genossen. Bei Regen ließ sich nicht viel anstellen, sodass Wolfi und ich ein Internet-Cafe suchten und dort zwei Stunden am Blog bastelten. Thomas hatte beim Telefonat am Morgen angemerkt, dass es unkomfortabel sei, unsere Fotos anzusehen, indem man dazu jeden einzelnen Blog extra aufrufen musste. Stimmt auch! Also bastelte Wolfi eine sowieso schon lange geplante Galerie! :-) Ich entdeckte in einer neuen Mail, dass unser Geocache-Tier „Kleines Raupi“ mittlerweile in Titusville, Pennsylvania, United States in einer Cachebox gelandet war! Hui, sehr spannend! Da wird unsere Reise uns sicher nicht hinführen, hat uns Raupi also was voraus! :-) Der Regen wollte nicht enden. Wir trafen Yanna und Markus wieder, entschieden ein Weingut anzuschauen, machten uns auf nach Taradale zum Weingut Church Road. Am Stadtrand sah man schon aus der Ferne den grünen Hügel hoch ragen, an dessen Fuße sich ein mediterran angehauchter Weinkeller befand. Wir staunten nicht schlecht über dessen Anblick, mit dem riesigen, gepflegten Garten, staunten aber noch mehr als wir die Stufen hinauf zum Tor nahmen und das Innere erblickten. Edelstes Holz und funkelnde Kronleuchter kleideten einen riesigen Weinkeller aus, in dessen hinteren Zweidrittel akkurat hunderte von Weinfässern aufgereiht waren. Beeindruckt schlichen wir umher und begaben uns an den Tresen, an welchem eine Dame bereits vier Gläser für uns vorbereitete. Klar nahmen wir die Weinprobe liebend gern an! :-) Wir entschieden uns für süßen Weißwein und bekamen einen Pinot Gris 2009 serviert! Dieser traf sogleich unseren Geschmack! Das war eindeutig der beste Wein, den wir bisher in Neuseeland auf die Zunge bekommen hatten! Mensch, wäre die Flasche nur nicht 30 Dollar teuer gewesen! Die Probe ging weiter: Pinot Gris 2008, auch sehr gut, aber fast ‘nen Tick zu süß, danach noch einen ebenfalls sehr süßen Wein mit V…, gefolgt von einem extrem süßen, eisweinartigen Wein und zuletzt einen roten Merlot, der so gar nicht unser Fall war. Wir bedankten uns mit glühenden Wangen und fast schlechtem Gewissen bei der Dame, die uns aber wahrscheinlich schon auf den ersten Blick angesehen hatte, dass wir nicht die typischen Weinkäufer sondern eher nur die -verkoster waren, und wir schlenderten noch einmal im Garten herum, beeindruckt vom Anblick des englisch korrekt gepflegten Rasens, des Weinhügels und dem Äußeren des Kellers. Nach so einem Gourmet-Ausflug mussten wir unsere Geschmacksnerven wieder zurück auf den Boden der Tatsachen holen, fuhren direkt ins Art Deco McDonalds zwei Ecken weiter. Gab Eis bzw. Abendbrot dort und schöne Fotos von Yannas und Markus’ Meeresaquarium-Besuch, den sie an diesem regnerischen Nachmittag unternommen hatten. Wolfi und ich entschieden daraufhin, uns dieses morgen auch noch anzusehen, ehe wir Napier verlassen würden. Es wurde Abend, wir fuhren nochmals kurz einkaufen und zum Internet, wo überraschend auch Yanna und Markus hockten… ;-) Der Vollmond mit seinem giltzernen Silberschatten auf dem schwarzen Meer ließ sich herrlich ansehen und war zugleich ein top Fotomotiv! Wolfi skypte mit Mama, ich telefonierte etwas später nach München, hörte seit Langem mal wieder meinen Cousin und seine Familie mit meinem lieben Patenkind Amelie reden! Das war fein! Ach übrigens, Amelie, wollt ich dir gestern eigentlich noch erzählen: Hier ist jeden Morgen an unserem Strandabschnitt eine Frau auf Einrad vorbei gefahren! ;-) Der letzte gemeinsame Abend mit Yanna und Markus in Napier ging schnell vorüber, während wir noch einmal auf unseren Spielplatzbänken beisammen saßen, plauderten und viel lachten. Habe bemerkt, dass wir die beiden nie näher vorgestellt hatten, also: Sie kommen aus dem Saarland, kaufen oft im nur wenige Kilometer entfernten Frankreich ein, Yanna ist 20, Markus 25 Jahre, beide nett! :-) Ja, das war schon eine tolle Zeit mit uns Vieren und wir alle würden uns wohl freuen, uns wiederzusehen. Jedoch sind sich die beiden noch nicht sicher, wie es nach Weihnachten weitergehen wird, ob sie nun doch erst den Norden abklappern oder gleich auf die Südinsel übersetzen werden. Wir verabschiedeten uns auf unserem Parkplatz und jeder verschwand noch ein letztes Mal nebeneinander in sein Autobett. Da hat man sich ein Napierhause am Meer-Spielplatz mit kleiner Traveller-Familie und täglichen Kochabenden geschaffen, sich an dieses Beisammensein sowie an Napier und den steinigen Strand mit Promenade richtig gewöhnt, weiß endlich, wo welche Toilette wann auf hat bzw. warmes Wasser führt und so Vieles mehr und gibt das nun alles nach wenigen Wochen wieder auf. Schon bissl schade, aber es wird ja auch noch viel Interessantes folgen und wir wollen weiter, denn vielleicht wartet schon in den kommenden Tagen etwas ganz Neues auf uns! ;-)

Am heutigen Montagmorgen nach kurzer Nacht (mit Attentat durch mein Buch auf meine Nasenwurzel… Aua!) fielen noch immer Tropfen vom grauen Himmel. Wolfi und ich frühstückten ein letztes Mal auf dem Parkplatz unterm schützenden Dach und fuhren kurz vor Zehn zum National Aquarium of New Zealand, nur 300m weiter an der Promenade. Für fünfzehn Dollar pro Person ging es hinein, genau zur Fütterungszeit! Wir betraten eine Meerwelt auf trockenem Boden. Ein Taucher fütterte hinter der Glasscheibe die vielen Fische des Basins und machte kleine Späße für die Kinder. Mindestens fünf Mal durchwanderten wir beeindruckt den großen Meerestunnel – Haie über, Riesenrochen neben uns. So nah kommt man sicher nicht wieder an diese Tiere ran, zumindest nicht ohne dabei in Gefahr zu schweben! :-D Selbst unsere Crayfische tümmelten sich hier neben Snappern und vielen, vielen anderen Wassergefährten. Eine Etage höher gab es weitere Aquarien mit vielen dicken, dünnen, kleinen, großen, hässlichen, sehr hübschen, Findet-Nemo- und Halb-Fischen. Auch Schildkröten, Terrapin-Kröten, echsenartige Reptiltiere sowie Seepferde betrachteten wir durch ihre Scheiben, waren beeindruckt, hatten zugleich aber auch Mitleid mit den vielen Tieren, die sich ganz bestimmt lieber irgendwo in Freiheit in Meeren, Tümpeln oder sonst wo aufhalten würden, statt hinter Glas im Kreis zu schwimmen und kriechen… :-/ Und dann ging es treppab, wurde dunkel und daaaaaaa: zwei Kiwi-Vögel! Damit rechnete man nun nicht unbedingt im Meeresaquarium, aber hier gab es wirklich einen Dunkelraum, hinter dessen Glasscheiben eine unterholz-waldige Umgebung nachgebaut war, in welcher sich zwei der kleinen Nationaltiere Neuseelands herum trieben. Begeistert versuchten wir die Kleinen irgendwie ohne Blitz trotz Dunkelheit auf die Kamera zu bekommen. Es war so witzig anzusehen, wie sie da mit ihren langen Schnäbeln herum pieksten, wie diese kleinen plumpen, klumpenförmigen Tierchen geschäftig hin und her huschten. Och, niedlich! Konnten uns nur schwer von ihnen trennen und verließen erst nach satten zwei Stunden das Meeresaquarium wieder. War echt schön! Nun musste noch ein letzter Napier-Blog geschrieben werden, in den natürlich auch alle neuen Bilder hinein sollten und die Mittagszeit zog vorüber. Uns fiel ein, dass wir nach solch langem Aufenthalt hier auch noch einen Napier-Cache suchen sollten! Gesagt, getan, dauerte nicht lange und schon war ein großes Döschen in Napiers schönem Stadtpark gehoben, zugleich erst unser zweiter NZ-Cache überhaupt! Tempos und Plastiklöffel kamen uns als kleines Present gerade recht. Noch einmal besuchten wir den Pak’nSave, in welchem ich nun sogar noch eine günstige Flasche Pinot Gris (aber nicht von Church Road) fand. Wir aßen vor Ort die zweite Tagesmahlzeit, tankten Joy auf und um dem Artikel seine letzten Zeilen zu verschaffen, suchten wir auch kurz noch einmal den BurgerKing auf. Mittlerweile ist es tatsächlich schon kurz nach Sechs. Unsere Weiterreise beginnen wir also am Abend dieses November-Montags! Wird auch Zeit, denn so wie es scheint, versucht Napier uns nun schon mittels Dauerregenwolken zu vertreiben! Haben’s ja verstanden, sind gleich weg! ;-)

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