WWW: Wir wwoofen!

Es ist ganz schön ungewohnt gut, mal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen! Insbesondere in einem großen Raum und mit echtem Bad nebenan, in das man gehen kann, ohne mühselig erst aus dem Auto klettern zu müssen. Wir standen am gestrigen Donnerstag um 06.30 Uhr auf. Vivian, Susan, Luke sowie Cathy (so wird sie wohl richtig geschrieben) waren bereits oder kamen gerade ebenfalls in Gange. Jeder wuselte irgendwie durch die Küche, machte sich hier ein Brot, da den Haferschleim, Kaffee, Tee und aß es noch im Stehen oder setzte sich dazu an den großen Esstisch. Cathy bot mir ein wenig des frisch gekochten Haferschleims mit Rosinen (dadurch leicht süß) an und entgegen meiner Erwartungen war der sogar ganz gut! Noch ein Schluck frische Milch ran – ja, würd ich mal wieder essen, vielleicht noch einen Klecks Honig dazu. Es gab außerdem von Susan gebackenes, ganz annehmbares Roggenbrot (dem unsrigen deutschen etwas ähnlich, aber ohne Salz und Sauerteig, dafür mit ein paar Katzenhaaren und Kümmel gebacken…) und außerdem hatten wir ja auch noch unseren Toastbrot-Rest sowie Wolfi seine überlebenswichtige Nutella mitgebracht. Dann standen hier noch Marmelade aus den hauseigenen Grapefruits (mir zu bitter), Manuka-Honig von einem der weit entfernten Nachbarn, gekauften Käse sowie Marmite: Frühstücksaufstrich, der aussieht wie Schokocreme, einem aber das Würgen hervorrufen kann, wenn man Süßes erwartend in das lecker wirkende Brot beißt und zu tiefst erschrocken wird von diesem ekelig-ungewöhnlichen Geschmack nach maggi-salzig-malzig! Boah, mit dieser neuseeländischen Frühstücksköstlichkeit werden wir uns ganz sicher nicht anfreunden und es auch nie wieder probieren! Sowohl mit Cathy als auch mit Susan (fing doch erst gegen Mittag mit der Arbeit an) unterhielten wir uns ganz nett. Kurz vor Acht verließen Cathy (arbeitet in Apotheke) und Luke (junger Anwalt) das Haus und wir fragten Vivian, der zusammen mit Susan noch am Esstisch saß, nach unserem Gartenjob. Auf ging es mit Hacken, Spaten, Rechen, Handschuhen und Schubkarre an die vielen Obstbäume, die uns sogleich in Zitrus- sowie viele andere herrliche Blütendüfte einhüllten. Überall in diesem Garten roch es an jeder Ecke anders lieblich! Wir sollten nun um die Stämme der Obstbäume, um welche bereits kreisförmig Gras entfernt war, das Unkraut jäten, den grasfreien Kreis erweitern und den angefallenen Biomüll kompostieren (kleinhacken und auf den richtigen Haufen fahren). Danach sollte dann Mulch (auf Englisch auch Mulch) darauf geschüttet werden. Wwoof (willing work on organic farms = freiwillige Arbeit auf organischen Farmen) besagt, dass ca. vier Stunden am Tag Arbeitszeit waren. Und so machten wir mit einem Päuschen in der Sonne Baum für Baum, Komposthäufchen für Komposthäufchen bis gegen halb Eins vor uns hin. Erst legten wir sehr zügig los, merkten aber bald, dass die Arbeit gar nicht so leicht war und ließen gegen Ende stark nach. Anstrengend war es doch sehr, durch die kurzen vier Stunden trotzdem gut aushaltbar. Auch Vivian werkelte im Garten herum, verschwand dann mal zu einem Freund, Susan verließ das Haus und nach Vivians Rückkehr machten wir zu dritt Mittag mit den hauptsächlich grünen Resten des Vorabends. Vivian lockerte zunehmend auf, erzählt uns viel über Neuseeland, schleppte mindestens drei Riesenlandkarten heran und zeigte uns die Ausdehnung der großen Farm früher sowie des verbliebenen Gartens heute, empfahl uns Highways und sehenswerte Strecken der Südinsel, gab uns Vogelbücher und ein Album mit Bildern, die die Umgestaltung des Hauses dokumentierten. Er war stolz auf sein Pracht-Grundstück und freute sich sehr als wir sein Paradies lobten. Dabei blühte er genauso auf wie seine tausenden Duftblumen! Wir nutzten gleich diese günstige Gelegenheit, ihn um Kreissäge sowie Bohrmaschine für unsere Autoausbau-Aktion zu bitten, mit welcher wir unseren freien Nachmittag schließlich verbrachten. Nebenbei schauten zwei der Nachbarn bei Vivian vorbei: Paul, den wir am Anreisetag fälschlicherweise schon besuchen wollten und der scheinbar immer auf dem Quad unterwegs war, sowie John, ein anderen Farmer, der selbst einst Wwoofer war und als Wwoof-Gastgeber sogar seine heutige holländische Frau kennen gelernt hat! John, mit PickUp auf dem mindestens drei Hütehund neben einem Quad Platz fanden, war sehr interessiert an unserem Autoausbau und lobte das gesamte Werk! Tatsächlich schuf Wolfi, indem er das Bett mit 2cm dicken Brettchen unter jedem Fuß höher legte, so viel Platz, dass der Kühlschrank genau darunter passte, hinter meinen Beifahrersitz. Joy wurde nochmals um ein paar Ablagen erweitert bzw. bestehende verändert, während der Nachmittag vorüberzog, Wolfi am Ende ganz kaputt. Wir nahmen eine schnelle Dusche (schnell, da auch diese aus dem Regenwassertank gespeist wurde, welcher sich in der momentanen trockenen, ungewohnten frühen Hitze dem Ende neigte) und begaben uns in die Küche zu Vivian, um ihm bei der Zubereitung des Abendessens zu helfen. Schon am Nachmittag hatte er rote Beete gekocht, eingelegt und – siehe da – eine Lammschulter mit Rosmarin für uns gebacken! Diese hatte er erst heute Vormittag von einem Freund geschenkt bekommen! Ganz frisch also und was Besonderes für uns! Cathy und Luke waren unterwegs, sodass wir, nach einem Dankesruf von Vivian an seine Rosen sowie sämtliche andere Pflanzen durch das offene Fenster, schließlich zu dritt um den reich gedeckten Tisch mit Salat, Reis, Lamm und Rote-Beete-Salat saßen. Lecker war es, wir unterhielten uns nebenher sehr gut, tranken Wein bzw. Bier. Wolfi und ich fühlten uns schon eindeutig wohler, fanden nach und nach unseren Platz in dem Haus, warfen die Unsicherheit langsam ab und lernten uns an allem, was hier herum stand, zu bedienen. Ist erst ein komisches Gefühl sich unter Fremden wie Zuhause zu fühlen, doch man bewegt sich allmählich sicherer. Eine neue Aufgabe wurde uns von Vivian noch zugeteilt: Wir sollten jeden Tag zur Mittagssonne an jeder einzelnen Rosensorte riechen, uns die Düfte einprägen… Gegen Elf (Susi kam gerade nach Hause) zogen wir in unser Zimmer, das in der Zwischenzeit durchs offene Fenster viele Untermieter gefunden hatte: kleine bis monstergroße Motten! Uah, wir schliefen ängstlich, umsurrt von den Tieren ein, hofften, dass keines versuchen würde, sich in unsere Gesichtsöffnungen zu verkriechen!

Der heutige Freitagmorgen lief in etwa so ab wie am Tag zuvor. Wir starteten kurz vor Acht mit den Obstbäumen, wiederum anfangs mehr engagiert als zum Schluss. Besonders mir fiel es heute schwer durchzuhalten und hoffentlich unbeobachtet und zu Wolfis Empörung warf ich mich mehrfach auf die Wiese in die Sonne, hätte mich am liebsten per Schubkarre von Wolfi ins Bett fahren lassen. Doch die Zeit ging um, wir entschieden uns niemals einen solchen Garten zuzulegen, und während Susi und Vivian Essensvorräte in der nächstgrößeren 20km entfernten Stadt, Feilding, besorgten, beendeten wir die Arbeit, machten uns ein kleines Mittag und ruhten uns aus bis die beiden wieder auftauchten. Da sie heute Abend bei Freunden waren und Susi danach noch zur Aufführung des Stückes, an welchem sie beteiligt war bzw. das sie sogar leitete, weiter musste, hatten die beiden für uns ausreichend eingekauft, dass wir uns zum Abend kochen sollten. Schnell spielten wir noch eine Runde Aschenputtel und lasen aus einem großen Eimer schwarzer Bohnen die zweihundert prächtigsten Exemplare heraus. Vivian wollte sie später neben all den anderen Bohnensorten einpflanzen. Danach machten auch wir uns mal wieder auf in die Zivilisation, nach Feilding. Nach 20min Fahrt erreichten wir die Stadt, mit irgendwas zwischen 10 und 20.000 Einwohnern. Wir liefen durch die ganz hübschen Straßen, nahmen einen Snack bei McDonalds ein und gaben nach einem absoluten Spartag endlich wieder hart verdientes Geld aus (haben kleinen Fußball erworben :-) ). Gegen 18.00 Uhr waren wir wieder zurück in unserem Übergangszuhause. Vivian und Susan waren bereits weg, das Haus stand aber natürlich offen. Vivian erzählte uns am Vortag, dass er selbst bei längerem Verlassen fast nie abschließen würde, höchstens mal wenn er über mehrere Tage sehr weit weg fuhr! Unvorstellbar! Aber er hatte wohl Recht damit, dass wenn hier niemand da war, es auch keinen Unterschied machte, ob ein Einbrecher direkt die Haustüre benutzte oder erst ein Fenster einwerfen musste! Mitbekommen würde es so oder so vorerst keiner! Doch wir waren keine Einbrecher, sondern echte Wwoofer und betraten das Haus mit Erlaubis, packten langsam unsere Einkäufe aus und kochten aus vielen Resten und einer Fertigsoße (zum Glück sahen die das nicht) unter kleinen Streitereien das Abendbrot. Ich verkostete auch heimlich gleich mal alle Weißweine, die der Kühlschrank so in sich trug. Resultat unserer nicht ganz so gesunden, weniger grünen Kochkünste: Rote-Beete-Salat, Lammfleisch (noch mal angebraten), Reis, Tomatensoße, Reibekäse. Sind gut satt geworden und gerade als wir den letzten Happen geschluckt hatten, rollte Vivians PickUp schon wieder die Einfahrt hinein. Schnell vergruben ich die mir zu fettigen Lammreste im Biomüll unter Salatblättern, nachdem Kater Arthur bereits die von Wolfi gefressen hatten. Wir saßen noch bis vor fünf Minuten mit Vivian am Esstisch, während er uns von seinen Ansichten über die Welt bezüglich USA-Rolle, Finanzwelt (investiert in Gold, Silber und Energien!) und weiteren Themen, zu denen wir auch eigentlich gar nicht viel sagen, sondern nur zuhören brauchten, berichtete. Da war er richtig Freak drin! Fast bissl zu strange für uns… Naja, nun ist er in Richtung Bett davon, obwohl ihm die Trennung von uns braven Zuhörern nicht sehr leicht zu fallen schien. Wahrscheinlich wirkten wir aber doch irgendwie zu müde… Ich muss feststellen, dass das Englisch-Verständnis zunehmend besser wird und die Rede-Hemmschwelle auch enorm abgefallen ist! Das Wwoofen bringt bezüglich Englisch und Kontakt zu Neuseeländern (wenn vielleicht auch hier nicht sehr repräsentativ) um Einiges mehr als nur der Kontakt zu anderen (meist deutschen) Reisenden!

So, müssen ins Bettchen, morgen startet Arbeit wieder um Acht.

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2 Antworten auf WWW: Wir wwoofen!

  1. Robert sagt:

    Hey ihr =)

    Is ja echt toll was ihr so erlebt … man da bekomm ich ja voll das Fernweh obwohl Dresden ja für mich jetzt auch ne neue Umgebung ist … das erste mal in ner “Großstadt” ^^. Ich war heute seit langem mal wieder geocachen … mit ein paar Kommilitonen nen Lostplace heimgesucht hehe ^^
    Naja scheinbar gehts euch ja ganz gut … das ist super! Ich freu mich schon drauf euch wiederzusehen … ach man ihr seid ja echt zu beneiden :D

    Naja wünsch euch noch super viel Spaß und Erfolg … vielleicht können wir ja mal Skypen?!

    Liebe Grüße
    Robert

    • Tini sagt:

      Hallo lieber Robi,

      danke noch für deinen Kommentar!
      Kannst uns gern mal per Mail deinen Skypekontakt schicken! Vielleicht klappt es ja mal, wär witzig!!!
      Haben was Interessantes für dich als Dresdner, haben nämlich ‘nen Marcus aus DD kennen gelernt, der Schlagzeug in einer Rockband spielt. Schau mal hier: http://www.myspace.com/aprismofashes
      Vielleicht kannste mal auf eines der Konzerte gehen! Oder wir tun das dann zusammen, wenn wir zurück sind?!
      Cachen kommt bei uns auch zu kurz… echt stressig so eine Reise! Und wie viele hast du jetzt so?
      Wünschen dir eine tolle Weihnachtszeit und lass dich von der Uni nicht ärgern ;-)

      Viele liebe Grüße,
      Tini und Wolfi!

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