Kerzchen auf Tannenzweig und wieder naht Abschied

Es ist soweit, das erste Türchen durfte heute früh geöffnet werden! Da wir keine Weihnachtsdekoration um uns haben, passte das kleine Kerzchen auf dem Tannenzweig prima, aus Schoki umso besser, weil lecker und kein Ballast im Gepäck ;-) Wolfi und ich teilen uns einen Kalender, da wir damit rechnen müssen, dass sowieso alles früher oder später dahin schmilzt. Obwohl es nur eine ganz unsbesondere Schokolade in diesen einfachen Windel-Kalendern sein wird, schmeckt die Adentskalenderschokolade doch irgendwie immer ganz besonders, oder? Vielleicht auch bloß, weil sie schon mindestens drei Monate zuvor in die Plasteformen gegossen und mit Pappe bedeckt wird? Naja, schmeckt zumindest auch hier ohne Schnee, Winter und Vorweihnachtsgefühl ganz gut! Schaut mal, wen unser neuseelanddeutsches Sommerweihnachts-Kalenderchen am ersten Türchen-Tag besucht hat! ;-)

Da sich Vivian heute morgen bereits um 6.00 Uhr mit einem Freund auf den Weg zu einem großen 8h-Hike-Track auf einen nahegelegenen 1500m-Berg gemacht hat, war nur Suzy im Haus, die frei hatte. Sie hat sich sehr über den Adventskalender gefreut. Normalerweise haben sie so etwas nicht. Zum Dank hat sie uns ein Schälchen mit fünf Beeren ihrer ersten Ernte aus dem gemulchten Gehege gebracht. War auch bloß eine kleine Raupe drin. Zum Frühstück gab es richtig leckeren Haferschleim von Kate, mit braunem Zucker und Datteln. Klingt echt eklig, ist es aber wirklich nicht! Ich werde mir das unterwegs demnächst öfter zubereiten! Wolfi aß wie jeden Morgen Nutella-Brot, davon wird er auch nimmer abkommen! :-)

Einen Tag vor Verlassen unseres ersten Wwoof-Platzes starteten wir, wie immer hochmotiviert und überpünktlich, in die allzu schöne Gartenarbeit. In dieser kann man durchaus seine komplette Erfüllung und Zufriedenheit finden! Wir fanden sie nicht… ;-) Erst haben wir die Poppies zu Ende gerupft bis uns die Sonne nahe an den Sonnenstich trieb und uns nix weiter blieb als wahnsinnig kreative neuseeländisch-tschechische Märchenlyriken über Kalb-Kuh-Geschichten zu texten. Nach einer Minipause lobte Suzy unsere gesamte Arbeit in diesem Garten sowie unsere gute Arbeitseinstellung! Hui, toll! Sie wies uns als Nächstes an, um acht kleine Haselnussbäumchen, die sie selbst aus Haselnusskernen heran gezogen hatte, Gras und Unkraut zu entfernen. War ganz angenehm. Gegen halb Eins beendeten wir die Arbeit, war auch sehr angenehm! Hungrig stürzten wir uns wieder auf Essensreste der letzten ein bis sieben Tage (sogar das Lamm verweilte neben dem Chili noch darunter, beides blieb aber von uns unberührt…). Wir erledigten noch den großen Abwasch, putzten die Küche ein wenig und da wir noch immer zu viele ungenutzte Energien besaßen, machte sich Wolfi ans finale Autobauen während ich unsere restlichen Klamotten wusch (gab sogar weihnachtlichen Schnee dank fasriger Taschentücher), schon ein paar Dinge zusammenpackte und so. Vivian kam am späten Nachmittag zufrieden von seiner Bergtour zurück, berichtete uns begeistert davon und Suzy machte sich auf zum Yoga-Unterricht. Wir sollten uns was Schönes zu essen machen, war ja noch genug da… ;-) Ich glaub, morgen dürfen wir uns ruhig mal wieder was fastfoodig-ungesundes und statt Regenwasser, das nach zwei Tagen durchaus spinatig-algig schmecken und eventuell sogar aussehen kann, auch mal wieder teures Flaschenwasser gönnen! Ohjaaaaaa!

Schon längst wollte ich bezüglich des Kiwi-Farmerlebens kurz auf zwei Dinge eingehen: 1.) Post: kommt hier tatsächlich, wie bei uns, sechs Mal die Woche. Bloß zum Briefkasten, der am Anfang der Straße neben den Kästen sämtlicher anderer Farmer aus der Umgebung angebracht ist, wird in der Regel mit dem Auto gefahren, wenn man sowieso mal da lang muss. 2.) Jagen: Jeder Mensch, der sich hier nicht zu dumm auf der Polizeistation anstellt und die Gewissensprüfung besteht, darf eine Waffe besitzen. Dicker, schwerer Schrank ist dabei kein Muss… Und gejagt werden darf hier, wie man Lust und Laune hat – ohne Wissen über bestimmte Tiere, ohne extra Geld für den Jagdschein auszugeben. Krass, oder? Opossum-Schießen ist sowieso willkommen, Füchse gibt es in Neuseeland bisher nicht.

Da Wolfi immer weiter baute und baute, Joys Inneres nochmals komplett auf den Kopf stellte, und auch Vivian kurzzeitig den Motorraum für unsere Weiterfahrt abcheckte, bot ich mich (innerlich widerwillig, hab es eigentlich nicht so mit Katzen) an, Kater Arthurs Fünf-Uhr-Termin zu erledigen: Pflegen und füttern. Ich rief ihn mir an ein sonniges Terrassenplätzchen und bürstete ihn ausgiebig, freute mich wahnsinnig über die Haare auf meinen Sachen. Doch zu meinem Erstaunen war er irgendwie ganz nett, weich, sauber und schmusig und es gefiel nicht nur ihm sondern mir. Hab ihm dann auch noch sein Haustier-Mince ins Schälchen gefüllt und so sind wir auf den letzten Abend richtig gute Freunde geworden! Ist ein alter Genießer, ruhig und edel, Arthur passt zu ihm! Plötzlich hörte ich einen leisen Ruf „Tini“… Oh nein, was denn jetzt? „…, Tetanus-Impfung hab ich doch noch bekommen?!“ Ja, Trottel, und wolltest dich erst weigern… :-/ Es war geschehen, wie es geschehen hatte müssen, er war in eine Diele mit zwei Rostnägeln getreten, welche sich durch die Latschen in seinen Fuß gebohrt hatten. Da stand er auf einem Fuß, das andere Bein angewinkelt, die Fußsohle nach oben gedreht haltend und von zwei Blutrinnsalen bedeckt. Weil ja das komplette Auto leer geräumt war, stand unsere Waschbox genau neben seinem gesunden Fuß. Ich wühlte die Medi-Beutel hervor, wir desinfizierten die Stichstellen (Kate und Luke fuhren in diesem Moment herein und wir überspielten die Szene cool) und verpflasterten die zwei Stichwunden. Wolfi setzte die Arbeit fort, versprach auf der Ferse aufzutreten… Naja, sah nicht allzu tief aus, blutete kaum und schmerzlich schien es auch zu gehen. Er wollte keine weitere Hilfe, wir werden sehen… Hat ja nun durch die viele Bewegung hier in Neuseeland auch eine dickere Hornhaut bekommen.

Wir haben vorhin noch ein letztes Abendmahl mit allen eingenommen, dazu hat Vivian einen ganz tollen Sauvignon Blanc aus Marlborough geöffnet. Dieses Weingut möchte wir nun sehr gern besuchen, kommen ja noch dran vorbei! Essenmäßig gab es noch einmal dieselben Reste wie zum Mittag sowie frischen Salat und Pilz-Zucchini-Zwiebel-Pfanne, made by Kate&Luke! War echt super! Nach dem Essen kam ich mit Vivian auf seinen leckeren Honig zu sprechen und prompt zückte er ein 1kg-Glas hervor, überreichte es uns als Weihnachtsgeschenk, damit wir auf der Südinsel locker über die Runden kommen. Das war sehr lieb von ihm! Bis eben saßen wir noch einmal mit ihm und Susan beisammen. Ganz interessiert schauten sie sich viele, viele Fotos von unserem Haus und Garten, unserer Umgebung, dem Essen und typisch deutschen Weihnachtsgebäcken, -märkten, sowie -schmücken an. Außerdem haben sie das erste Türchen ihres Adventskalenders feierlich gemeinsam gesucht und geöffnet und das fiel ihnen nicht leicht, da sie so etwas noch nie in dieser Form in der Hand hatten! Aber sie haben es geschafft und freudig geteilt. Plötzlich zog Vivian Schnappsgläschen hervor, befüllte diese und bedeutete zu trinken. Er war stolz als ich sofort erkannte, dass es Met war. Er hatte diesen selber hergestellt und damit irgendwo sogar mal eine Bronze-Medaille gewonnen! Eben haben sie uns noch einmal in ihre obere Etage auf einen Blick über das Umland mit den am Horizont funkelnden Städten PalmNorth und Feilding eingeladen. Es war ein sehr schöner letzter Abend. Wir als auch sie haben uns/sich bedankt für die schöne, gemeinsame Zeit! Durch die beiden hatten wir eine einmalige Chance, einen Teil des echten Neuseelands, abseits aller Touristenstrecken, kennen zu lernen. Wieder endet ein uns vertraut gewordenes Zwischenleben unserer großen Neuseelandtour, wieder werden wir morgen Adè zu lieb gewonnen Menschen sagen. So ist Reisen. Wir werden hoffentlich mit Suzy und Vivian in Kontakt bleiben. Danke für die interessante Zeit, aus der wir viel mitgenommen haben, und danke für den Einblick in euer neuseeländisches Farmer-Leben!

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Eine Antwort auf Kerzchen auf Tannenzweig und wieder naht Abschied

  1. Susanne sagt:

    Wenn ich richtig rechne, seid Ihr in nur 80Tagen rum um die Nordinsel! Kann man da nicht Vergleiche zum guten alten Jules Verne ziehen? :-)
    Tolle Bilder sind jetzt in der Galerie, danke. Es fehlt nicht viel, dann wäret Ihr als Farmer dort hängen geblieben.

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