Verrückt-komischer Vorweihnachtstag

Während es graute fuhren wir zurück nach Feilding. Durch eine kleine Abkürzung quer über Ausläufer einer Bergkette sparten wir einige Kilometer, erreichten zuerst Palmerston North, wo wir Pak’nSave und McDonalds einen Kurzbesuch abstatteten, und schließlich gegen Elf Feilding. Die Schlafplatzsuche war gar nicht so einfach, erst zu zentral, dann zu abgelegen, schließlich vor einem Campingplatz außerhalb. Allerdings standen wir hier so schräg, dass ich mich festhalten musste, um nicht im Schlaf auf Wolfi zu kullern… Wir waren beide genervt und schlaflos, Wolfi stieg irgendwann aus dem Bett, räumte wieder alles vom Sitz aufs Bett, fuhr uns ein paar hundert Meter zurück, direkt vor eine Privateinfahrt. War jetzt auch egal. Er packte nun alles vom Bett zurück auf den Sitz, kletterte wieder unter die Decke und wir schliefen. Nach etwa fünf Stunden war’s schon vorbei, Wecker klingelte, Sonne schien und die A&P Show wartete auf uns. Schnell verließen wir die Einfahrt, frühstückten übermüdet im Zentrum. Kalendertürchen Nummer Vier enthielt eine Schokotafel mit Adventskerzen-Dekokugel-Motiv plus Hitzepickeln. Wir fuhren halb Neun gegen fünf Dollar pro Person auf das Veranstaltungsgelände der Farmer-Show. Viele Gäste waren nicht da, dafür umso mehr Pferde und Reiter. Links und rechts gab es große Rennbahnen, auf denen Parcourse aufgebaut waren. Pferde und Reiter sprangen bereits fleißig, doch wirkte es irgendwie durcheinander, nicht wie ein richtiger Wettkampf. Wir wollten eh lieber die Kühe und Schafe angucken und gingen zu den Ställen sowie einer Wiese. War ganz lustig, wie da kleine, geschniegelte Jungs und Mädchen versuchten ihre ebenso hübsch herausgeputzten Kälbchen gehorsam an der Leine zu führen, während ein Jury-Mann alles genau begutachtete. Es wurden rote, blaue, grüne und weitere farbige Bänder um die Hälse der Gewinnertiere gebunden. Doch durchblickten wir das Gewinnsystem absolut nicht. Bei den großen Milchkühen (Diary Cows) ging es sortiert nach Rassen und Alter in etwa genauso. Auch diese Kühe mit ihren fetten Eutern (bestimmt extra lange nicht gemolken, konnten teils kaum mehr richtig laufen, die Armen!) bekamen eine letzte Puderung, wurden von Erwachsenen in hübschen Sonntagsanzügen in Runden über die Wiesen geführt wurden. Oh weh, und da fielen doch wirklich ein paar Fladen, streiften das Euter und die Hinterbeine… Schnell sprintete die entsetzte Führerdame in ihrem weißen Kostümchen los, holte Lappen und putzte ihr Tier wieder sauber. Es ging ja um Pokale! Muster, Symmetrie, Knochenbau waren dabei wichtige Kriterien. Wir sahen interessiert zu, wunderten uns über diese Kuhbesitzer und ihr Verhalten, amüsierten uns einfach über die ganze Szene und wie ernst das alles genommen wurde. Wir waren uns nicht sicher, doch eventuell weilte auch Milchbauer Ruben, bei dem Vivian seine frische Milch holte, unter den Stallburschen. Danach schauten wir bei ein paar Schäfchen vorbei und gingen in die Streichelzoo-Ecke. Alpacas, Hundewelpen, Fische, Kätzchen, Hasen, ein Esel, kleine Ferkel und einige Lämmchen wimmelten hier herum. Niedlich und alles zum Anfassen! Kurz vor unserem Aufbruch hörten wir etwas von Pooch-Parade. Die wollten wir noch ansehen, also zurück auf’s Gelände. Was nun folgte, war schon äußerst merkwürdig. Etwa zehn Hundebesitzer (oft mit Kindern) plus Vierbeiner betraten einen Kreis. Die meisten der Hunde waren irgendwie verkleidet oder zumindest bekleidet. Nun wurde der Hund mit den längsten Ohren gesucht, bekam Punkte. Danach musste nacheinander jedes Hund-Besitzer-Paar in die Mitte treten und ein Kunststückchen vorführen, wobei alle umstehenden jubelten. Komisch kitschig! Das war uns doch zu viel des Guten und wir fuhren ab. Hatten nun eine A&P Show miterlebt und hätten darunter doch mehr erwartet! Musik und lustige Farmersspiele wie im Fernsehen gab es leider nicht. Wir brachen wieder auf in Richtung Masterton, den ganzen Weg zurück. Wieder Stopp in Palmerston North, der lohnte sich aber! Am heutigen Samstag fand die Christmas Parade statt. Auf dem gepflegten Rasen-Quadrat im Zentrum standen überall kleine Verkaufsbuden, boten Weihnachtsdekorationen, Spielzeug sowie Köstlichkeiten an. Auch eine Bühne, Hüpfeburgen und andere Kinderbeschäftigungen gab es. Familien saßen auf Picknickdecken zwischen den Zelten, aßen Eis und sonnten sich. Das war hier scheinbar Tradition, sowie bei uns ein Weihnachtsmarkt?! Pralle Sonne und enorme Hitze, ein Riesenplastikweihnachtsmann, auf dessen Schoß nach und nach hunderte Besucher kletterten, dazu Weihnachtsmusik in rockig-sommerlichen Tönen und ein großer Weihnachtsbaum mit goldenen und roten Kugeln. Na, wenn da nicht die Weihnachtsgefühle aufkommen… Wir kauften zwei kleine Presente für die Familie, die wir in Wellington besuchen würden (nun Dienstag statt Montag), naschten ein paar Mandeln und verließen die Stadt. Todmüde quälten wir uns die Straßen zurück, es war warm und die Sonne blendete, heute hatten wir kaum einen Blick für die Hügel, wollten nur ankommen. Und selbst die sonst so tiefgrünen, saftig-weich wirkenden Weidehügel bekamen von der verfrühten Hitze tatsächlich schon leicht hellbraune Flecken! Im Hochsommer sah das sicher gar nicht sooooo toll aus?! Wolfi bemerkte, dass sein Ausweis noch in der Bibliothek Mastertons hinterlegt war (musste man als Pfand für’s Internet hingeben). Diese hatte jedoch schon zu als wir gegen Drei ankamen, somit stand unser Verweilort bis Montag, wo sie erst wieder ihre Pforten öffnen würde, fest! Zum Glück hatte sich unser Wellington-Termin eh verschoben. Wir fuhren in den Park, schmissen uns auf die Picknickdecke und lagen einfach nur da wie erschlagen. Warm, müde. Irgendwann wanderte ich mal durch ein paar Straßen und noch später duschten wir für zwei Dollar im gegenüberliegenden Schwimmbad. Nach ein bisschen Zeitverbummelung haben wir uns am Ententeich im schönen Elizabeth Park Baguettes belegt und direkt am Wasser gegessen. Bloß eine Tomate ist mir in den Teich gefallen, ein Aal schwamm gleich neugierig drumrum.

War heute ein komischer Tag, alles was wir erlebt hatten, merkwürdig, dazu die Hitze… geputzte Kühe laufen Kreise mit Herrchen in weißen Sonntagsanzügen, Hunde haben rosa Kleidchen an und rollen sich hin und her, ein Riesenweihnachtsmann sonnt sich auf englischem Rasen im Stadtzentrum… Hm, in Schlotheim dürfte heute Weihnachtsmarkt sein, Minusgrade und richtig viel Schnee zu heißem Glühwein und bestem Flammkuchen… Da waren wir bis jetzt jedes Jahr! Wenn es uns möglich wäre für ein paar Stündchen mal hinüber zu fliegen, heute hätten wir es wohl getan! ;-)

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