Hauptstadt zum Nikolaus nach leckerem Abendschmaus

Schon die Einfahrt von Angies Haus wirkte viel versprechend! Wir waren da wohl irgendwie in einer ziemlich wohlhabenden Gegend gelandet… Nicht übel! Ein bereits von außen sehr schickes Haus mit gepflegtem Garten erwartete uns. Und, hui, da stand ja ein Honda CRV davor, wie unserer zuhause, bloß schwarz. Angie winkte uns bereits durchs große Küchenfenster freudig entgegen, also traten wir ein. Während sie ihre Kocharbeiten fortsetzte, begrüßte sie uns, nahm unseren günstigen Hawkes Bay Wein entgegen und bot uns ein kühles Bier sowie kurz darauf die Übernachtung im Haus oder auf dem Hof an. Wir waren erstaunt, lehnten das Bett ab, nahmen aber die Einfahrt als Autoschlafplatz dankend an. Nachdem wir das Bier geschlürft und einige bewundernde Blicke durch das überaus ordentliche, edle Haus mit den riesigen Fenstern sowie auf die sich davor ausbreitenden Wiesen und Berge geworfen hatten, gingen wir in den Garten um noch zwei Flächen mit Beeten und Pflanzen zu bewässern. Gerade als wir damit fertig waren, trafen wir in der Garage auf Angies Mann Dave, der noch gar nicht wirklich über unseren Besuch informiert war. Wir stellten uns vor, er sich auch und verschwand darauf erst einmal unter die Dusche. Wir halfen Angie in der Küche, es duftete schon sehr gut…, schälten und schnitten Avocados klein, marinierten sie in Balsamico-Essig und Olivenöl und wechselten schnell viele Gesprächsthemen, bis wir aus Angies Worten irgendwann mitbekamen, dass Dave Arzt war. Was für einer? Gynäkologe! Na, das war ja ein Zufall! Angie freute sich sehr als ich ihr erzählte, was ich war und noch vorhatte. :-) Als Dave die Küche betrat, teilte sie ihm das sogleich mit und auch er war erstaunt. Wir setzten uns an den reich gedeckten Tisch und speisten vorzüglich! Es gab neben unserem Billigwein, der bei den beiden aber erstaunlicherweise gut ankam, eine klasse Lasagne, unseren Avocadosalat, einen Kartoffel- sowie grünen Salat (das meiste aus dem eigenen Garten) und zum Dessert einen original britischen Lemoncake. In Angie steckte scheinbar eine wahre Meisterköchin und sie erwähnte mehrfach, dass es schön war, mal wieder für mehr als nur zwei Personen zu kochen. Ja, konnten wir ihr nur zustimmen! :-) Außerdem erfuhren wir, dass sie Pianistin und Gesangslehrerin war. Fast wie Suzy… auch ein lustiger Zufall! Doch auch Dave war nicht bloß Gynäkologe, nebenberuflich war er ein angesehener Autotürgriff-Reparateur, wie uns Angie begeistert berichtete als sie hörte, dass zwei Türgriffe unseres Autos defekt waren. Hui, wenn diese beiden Berufe zusammengehörten, würde ich auch bald Türgriffe reparieren?! :-D Nach dem Essen drängte Angie mich auf nette Weise zu einem Verdauungsspaziergang. Wir liefen in Eilschritt und Geschwätz zu einem nahegelegenen Wohngebiet, in welchem ausschließlich wohlhabende Neuseeländer ab 55 Jahren leben durften. Dies war ein abgegerenzter Bereich mit eigenem Versammlungszentrum, Schwimmbad und in Zukunft sogar eigenem Krankenhaus… Ja, da musste ordentlich Vermögen dahinter stecken. Natürlich alles bestens gepflegt! Angie erzählte viel, und ich erfuhr, dass sowohl sie als auch Dave mehrfach wöchentlich in Palmerston North arbeiteten, also gar nicht weit von unserer letzten Station! Doch eine Suzy Hawes sagte ihr nichts. Angie und Dave, beide um die 50 Jahre, hatten mindestens vier Kinder, die sich über Kathmandu, England (Angie und Dave kamen vor über 20 Jahren aus England nach Neuseeland) sowie in Neuseeland verteilten. Bisher hatte Angie noch nie Fremde zu sich nach Hause eingeladen, da sie nie wusste, wie Dave dazu stand, doch wirkten Wolfi und ich in der Kirche am Morgen so nett auf sie, dass sie uns einfach einladen musste! :-) In der Zwischenzeit baute Wolfi zusammen mit dem Türgriffdoktor Dave an Joy. Er berichtete Wolfi, dass er es liebte Dinge zu reparieren, es aber gar nicht mochte, wenn dies nicht funktionierte! Ging Wolfi auch so! Nachdem ich mit Angie zurückgekehrt war, sahen auch die fixierten Türgriffe ganz und gar nicht hoffnungslos aus und wir begaben uns alle wieder ins Haus, hörten erst Suzys CD, gefolgt von einem Live-Klavierspiel von Angie auf ihrem deutschen Bechstein-Klavier. Sie spielte den Pachebell-Kanon sowie ein selbst komponiertes Stück vor neuseeländischer Bergkulisse. Auch sie schrieb also eigene Musik und Texte! So viele musikalische Menschen hier in Neuseeland! Dave spielte seit einigen Jahren erst Gitarre, scheute sich aber vorzuspielen. Kurz vorm Zubettgehen gegen Elf „borgte“ mir Angie noch zwei Bücher aus, die ich ruhig für immer behalten sollte und wir wünschten uns eine gute Nacht. Wow, das waren wirklich zwei sehr großzügige, nette Menschen! Wir schliefen auf deren Hof in unsere Joy – Wolfi gut, ich schlecht, da das Auto schief stand und ich die Rollseite abbekommen hatte… Um Fünf war ich trotzdem schon wieder wach und wartete um endlich 06.15 Uhr duschen zu gehen, bekam sofort einen heißen Kaffee serviert, machte mir dazu Toast und Müsli, weckte Wolfi, der dann nun zum Frühstücken kam. Angie verließ kurz darauf das Haus, musste an die Arbeit. Sie drückte uns und lud uns ein, auch auf der Rückfahrt noch einmal vorbeizuschauen! Kaum zu glauben… Einfach so, wir waren Fremde?! Dave machte sich kurz vor Neun auf, nachdem er noch einen letzten Blick auf die scheinbar stabilen Türgriffe geworfen hatte und auch wir verließen mit ihm das tolle Anwesen. Wirklich toll, was uns da passiert war! Wir holten in der Bibliothek Wolfis Ausweis ab, nachdem wir noch einmal Internet genutzt und mit Mama geskypt hatten, und weiter ging die Reise. Ein Schlenker führte uns von Masterton nach Martinborough, einer kleinen Wein-Stadt, wo ich für fünf Dollar an einer Weinverkostung auf einem Weingut teilnahm. Noch ein Eis-Tank-Stopp in Featherston und ab ging es durch hohe, waldige Berge, in denen sich graue Wolken verfangen hatten, durch Upper und Lower Hutt. Wir fanden einen klasse Spielplatz, auf dem wir ein halbes Stündchen umher tollten und fuhren danach am Nikolaustag (hatten auch einen Schoko-Nikolaus im Kalender heute) in die Hauptstadt Neuseelands ein! Wellington, willkommen! War fast ein Kulturschock diese riesigen Hochhäuser zu sehen, nach so vielen Wochen Farmlandschaften. Wir durchfuhren die City staunend, aber zügig, hielten uns stets an Straßen, die direkt am Wasser entlang führten, verließen die Innenstadtgegend bald wieder und erreichten Wellingtons ruhige Buchten, über denen auf hohen Felsen schöne Villen und Wald thronten. An einem Strand, welchen wir als Rastplatz auserkoren hatten und an dem wir unser erstes Pinguin-Warnschild sahen, fanden wir eine Gruppe riesiger Bäume. An einem davon war ein mindestens sieben Meter langes Seil mit Schaukelbrett befestigt, auf das wir uns nun stürzten. Hat total Spaß gemacht, damit meterweit und -hoch durch die Luft zu schwingen. Schaut mal das Video an! Ein Mann mit zwei Kindern, der sich zu uns und der Schaukel gesellte, begann ein Gespräch. Wir unterhielten uns mit ihm über Sehenswertes in Wellington, denn er war eine Wellingtoner (keine Ahnung, ob die Menschen so heißen, die da leben). Schon lange interessierte mich brennend, ob in Neuseeland denn auch Nikolaus gefeiert würde, also fragte ich ihn: Nein, das kannte er zwar, aber würde hier nicht gefeiert werden! Und die Pinguine, auf die man hier aufpassen sollte, hatte er auch noch nie gesehen. Zum Abendbrot fuhren wir zwei Buchten zurück an einen Strand mit Toilettenhaus und relativer Windstille. Alle paar Stunden passiert hier die Nord-Süd-Fähre die Buchten… Bald würden wir da auch drauf sein und auf die so angepriesene Südinsel übersetzen! Hui, zum Greifen oder besser Schwimmen nahe! Jetzt werden wir schlafen gehen.

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