Auf Hostelkurzurlaub folgen erste Südinsel-Eindrücke

Am Donnerstag sind wir nach dem Mittag in die Stadt gefahren, haben dort bald bemerkt, dass Wolfis Rucksack noch im Hostelgarten lag und sind wieder zurück. Dort hat Max, bei dem wir für eine weitere Nacht im Hostelgarten bezahlten, für unsere Weihnachtsreservierung im Abel Tasman Nationalpark den Druck und Scan des Reservierungsformulares erledigt. Endlich ist auch Weihnachten mit Jelle unter Dach und Fach! Juhu! Anschließend sind wir wieder auf, haben von einem Donnerstag-Farmermarkt gelesen, der aber dieses Mal aufgrund der nahenden Weihnacht erst zu späterer Uhrzeit richtig und größer als sonst veranstaltet wurde. Also sind wir laut Ankas und Max’ Empfehlung erst noch in ein nahe gelegenes Weindorf gefahren, wo wir bei einer netten Dame verschiedene Liköre, Brandys und Olivenöle durchgetestet haben. Leider war es dann auch schon um Fünf und die anderen Weindorf-Läden geschlossen, sodass wir nicht mehr in den Genuss des Weins sowie des Fudges (Butterschokolade) kamen. Die Rückfahrt vom Weindorf, war wie auch die Hinfahrt, schon ziemlich beeindruckend, da man an kilometerlangen Weinfeldern vorüber fuhr, die einfach nicht enden wollten. Wie viel Wein das geben musste?! Und wie viele Drähte hier höher zu legen waren…! Boah! Zurück in Blenheim kauften wir im Supermarkt schnell ein paar Sachen fürs Abendbrot und fuhren weiter zum Weihnachtsmarkt, auf dem mittlerweile trotz Schauerwetter wirklich buntes Treiben herrschte. Auf dem kleinen, zentralen Square, der zu einem niedlichen Festplatz umgestaltet worden war, spielte eine Blaskapelle Weihnachtsmusik. Es gab einen Weihnachtsbaum neben einer Bühne, auf der anschließend eine junge Band wirklich gute Jazzmusik spielte. Zum Teil weihnachtlich kostümierte Kinder kullerten sich vor der Bühne wild herum, bliesen Seifenblasen, besuchten Santa Claus in seinem Santa-Container, während stolze Mütter dies per Foto festhielten. Überall standen kleine Verpflegungs- und Souvenirstände, Blumenverkäufer sowie Eisautos zwischen der weihnachtlichen Dekoration umher. Viele, viele Familien und Touristen saßen auf dem Boden, auf Grünflächen oder Bänken und schauten dem Spektakel zu, aßen Eis, Fish&Chips und tranken Cola. Kein Glühwein (und auch kein anderer Alkohol, da der ja hier in der Öffentlichkeit nicht erlaubt ist), kein Schnee, keine Kälte, bloß lauwarmer Regen. Es war eine sehr freudige, ausgelassene, lockere Stimmung. Wir sahen einige Zeit zu und schlenderten irgendwann im Regen zurück zum Auto, fuhren wieder ins Hostel, wo wir ebenfalls auf ein buntes Durcheinander trafen, weil ja alle Arbeiter längst zurückgekehrt waren, sich nun Abendessen kochten und in verschiedenen Sprachen kreuz und quer unterhielten. Wolfi briet sich Schweinelenden mit Scheibenkäse darauf, ich erwärmte mir einen Mini-Quiche mit Blattspinat und wir zogen uns in den weniger lauten TV-Raum zurück. Hier begann bald ein weihnachtlich-gemütlicher Fernsehabend mit „Kevin allein in New York“. War schon irgendwie cool, das zu sehen, mit einem Weihnachtsbaum neben dem Fernseher. Die Stube füllte sich mehr und mehr, egal ob älterer oder jüngerer, asiatischer, deutscher oder britischer Backpacker – alle verfolgten begeistert Kevins Erlebnisse! Als der Film vorüber war, leerte sich die Stube recht schnell. Doch da wir nicht arbeiten mussten, saßen wir noch lange mit einem netten Dresdner zusammen, der zwar Arbeit hatte, aber innigst hoffte, dass es weiter regnen würde, sodass die Arbeit am morgigen Tag ausfallen würde. Haben uns wirklich gut mit Marcus verstanden und bis halb Eins gequatscht. Einem super Reisetipp werden wir im Abel Tasman hoffentlich folgen!

Am Freitagmorgen schüttete es tatsächlich aus Eimern. Wir wollten uns einfach nicht aus Joy begeben… Doch irgendwann mussten wir ja und betraten durchnässt nur von der Gartendurchquerung das überfüllte Hostel. Jegliche Arbeit war für heute wegen des Wetters abgesagt, jeder Hostelraum somit menschenüberfüllt. Nach Dusche und Frühstück (Kalendertür-Schokoauto nach unten verrutscht, mühsam herausgefummelt und von Wolfi an den glücklichen Marcus abgetreten) mussten wir noch einmal unsere Wäsche, die noch immer auf der Wäschespinne hing und jetzt natürlich tropfnass war, in die Maschine schmeißen und anschließend per Trockner trocknen. Gegen Mittag verabschiedeten wir uns dann von Anka, Max und ihrem schönen Hostel, machten aus, dass wir eventuell zu Silvester wieder kommen würden, da es uns so gefallen hatte! Wir fuhren die Weihnachtskarten mit Erinnerungsfotobeilagen an unsere neuseeländischen Bekanntschaften auf die Post und es ging zurück nach Picton, noch immer grau und regnerisch. Wir wollten von dort eigentlich den Queen Charlotte Drive in Richtung Nelson nehmen, doch lohnte sich diese szenische Fahrt nur bei gutem Wetter, um den Blick über das Meer, die Sounds und Inseln zu genießen. Wir waren also rat- und planlos, informierten uns im Kino, schauten lustlos zwei Hafenmuseumsshops an und gingen dann einfach mal in die I-Site. Vielleicht würden die einen Wetter-Reise-Tipp haben. Wir gerieten hier an eine junge, sehr enthusiastische Dame, die uns dazu riet, die Fahrt auf den folgenden Tag zu verlegen. Sie sah, dass wir Broschüren über andere Südinsel-Ziele in der Hand hielten und es begann ein Info-Marathon. Anhand einer riesigen Südinsel-Karte malte sie uns binnen zwanzig Minuten sehenswerte Orte und Unternehmungen ein, beriet uns so gut wie uns noch nie jemand beraten hatte und legte unseren groben Südinsel-Reiseplan fest. Sie war so begeistert von Allem, dass sie immer wieder erwähnte, wie gerne sie mit uns kommen würde. Hatte sehr viele Touren in ihrem Land schon mehrfach selbst gemacht und liebte es einfach! Es machte so Spaß, ihr zuzuhören und Bilder in den Kopf zu bekommen, von dem was uns erwartete! Da hatten wir noch viel vor uns… Toll! Am Ende, es wartete nun schon eine drei Meter lange Schlange hinter uns um auch beraten zu werden, gab sie uns sogar noch ihre Mail-Adresse. Wir sollten uns an sie wenden, wenn wir zu irgendetwas Fragen, Tipps oder Feedback hätten und während sie uns diese notierte, ließ sich plötzlich doch noch die Sonne blicken. Unsere Beraterin meinte, dass das mit uns scheinbar etwas Besonderes sei, wenn nun sogar die Sonne wieder hervorkäme. Wir verließen vergnügt die I-Site, tankten Joy und starten nun doch den Queen Charlotte Drive, auf dessen ersten Kilometern wir etwa alle 200m für Lookouts anhielten. Erst schauten wir noch einmal von oben über Picton und die Fähren im Hafen, an den folgenden Stopps blickten wir über die Sounds, aus deren Bergen weißer Regendunst gen Himmel stieg. Sah das toll aus und wirklich anders als der Norden! Die Berge viel höher, das Grün viel dunkler, das Meer so ruhig, die Natur so unberührt und verlassen – die gesamte Szenerie einfach noch atemberaubender! Durch den Regen zuvor und den Dunst überall wirkte alles besonders mystisch. An der Governor Bay entdeckten wir am Straßenrand ein Schild, dass 10min zum Strand angab. Wolfi wollte im Auto warten, also rannte ich schnell allein den Schlängelweg durch den feuchten Urwald hinab. Plötzlich kam mir ein Mann mit großem Hund entgegen, welchen er zum Glück sofort am Halsband schnappte. Er fragte mich, ob ich Hunde mochte. Ich sagte ihm, dass ich ziemlich ängstlich bin und es bevorzugen würden, wenn er seinen Begleiter einfach weiter festhielte. Er lachte und sprintete davon. Der Strand war ganz verlassen und während ich begeistert umher fotografierte, wandelte da etwas in Badehose an mir vorbei. War doch Wolfi tatsächlich auch heruntergekommen um ein Meerbad zu nehmen! Im selben Moment zeichnete sich ein Regenbogen über den unberührten Urwald-Inseln und dem badenden Wolfi ab. Faszinierend! Und da… ein schöner Tui-Vogel mit weißem Kehlbausch landete direkt neben mir! Ich zückte die Digicam und gerade als ich abdrücken wollte, hörte ich ein weiteres Geräusch. Zwei Sekunden später stand ein Mann neben mir und fragte, ob das da oben unser Auto wäre, dessen Fensterscheibe so weit offen stand! Es wäre besser, so etwas nicht zu tun, sagte er! Wolfi, der mir unerwartet doch an den Strand gefolgt war statt im Auto zu warten, hatte nicht daran gedacht, meine Fensterscheibe zu schließen. Mein Portemonnaie und Handy lagen auf dem Sitz, sodass sich jedermann durch einen Griff hätte daran bedienen können! Ich folgte dem Mann, der extra zu uns heruntergestiefelt war, eilig durch den Urwald zurück nach oben. Wir unterhielten uns nebenbei (ich fast außer Atem, da es schwer war, sein Tempo zu halten) und ich erfuhr, dass er hier lebte, uns gerade einen Kayak-Flyer seines Shops an die Scheibe klemmen wollte, wobei er entdeckte, dass die Scheibe offen stand. Ich bedankte mich tausend Mal, er gab mir die Hand, lud uns noch einmal zu seiner Kayak-Tour ein und fuhr mit dem Jeep davon. Auf meinem Autositz fand ich dann auch gleich seinen Kayak-Flyer, auf welchem er uns noch eine persönliche Nachricht hinterlassen hatte – in etwa so: „Hey ihr zwei, habt ihr die Governor Bay genossen? Dann kommt doch morgen auf eine Kayak-Tour vorbei, 15min die Straße runter. Craig (der Mann mit dem Hund)!“ Erst jetzt fiel mir auf, dass das ein und derselbe Typ war! Sympathischer Mann, unser Retter! Doch hatten wir das Kleingeld für seine Kayaktour vorerst nicht übrig, hatten ja noch andere Dinge vor und konnten leider nicht alles mitmachen. Vielleicht aber auf dem Rückweg doch…? Wolfi kam auch bald wieder am Auto an und wir fuhren weiter durch unberührte Natur, staunten, machten Fotos, hörten dazu unsere Klassik für Sommerabende. Am Wegesrand entdeckte Wolfi zwei tappsige Vögel und wir glaubten erst kurz, Kiwis entdeckt zu haben. Sind sogar mit dem Auto gedreht, waren aber doch irgendwelche anderen Vogeltiere. Einige Kilometer weiter trafen wir auf eine atemberaubende Bucht mit kleinem Campingplatz und ganz niedlichem Shop in einer Blockhütte vor einem hohen Berg. Sah aus wie kanadische Wildnis, zumindest würde ich die mir so ähnlich vorstellen… Hier schmierten wir uns Brötchen und genossen ein Abendbrot in traumhafter Umgebung! Noch einen Stopp legten wir in der Dämmerung ein, von dessen Lookout wir über die Kleinstadt Havelock sahen. Eine Joggerin und ihre Tochter, berichteten uns, dass dort bloß knapp 400 Mann lebten, 67 Kinder zur Schule gingen und das Haupteinkommen durch einen Muschelbetrieb erwirtschaftet würde, der allein über 300 Arbeiter beschäftigte. Als wir durch das hübsche Muschelstädtchen fuhren, fiel auch sofort ins Auge, dass hier die Hochburg der Muschelesser sein musste! Überall kleine Muschelrestaurants. Da Wolfi am liebsten bis Nelson durchbrausen wollte, erreichten wir bald das Ende des Queen Charlotte Drives, verließen die Sound-Landschaften, schlängelten uns im Dunkeln durch hohe, unheimlich schwarz wirkende Bergketten weiter bis an die Cable Bay, an der wir wenige Kilometer vor Nelson abseits der Hauptroute einen Schlafplatz am Meer bei Wind und Sprühregenniesel fanden. Auf dem Rückweg in einigen Tagen würden wir aber nochmals den Queen Charlotte Drive fahren, Havelock genauer ansehen und eine Nacht auf dem kanadischen Campingplatz verbringen, auf dem es so unglaublich schön und ruhig war!

Als ich am heutigen Samstag die Augen öffnete und aus dem Fenster schaute, erblickte ich hinter der Bucht hohe grüne Berge, deren Wipfel teils von Wolkendunst umhüllt waren. Das Wetter war viel besser als gestern! Freudig kletterte ich aus dem Bett und lief einen schmalen Wanderpfad hinauf. Dort fand sich eine Info-Tafel, von der ich erfuhr, dass wir unseren Cable-Bay-Schlafplatz an jener Stelle gewählt hatten, an der im Februar 1876 das erste Telegrammkabel Neuseeland erreichte. Es kam aus Sydney und ermöglichte den Neuseeländern ihre Botschaften statt in sechs Monaten per Schiff binnen vier Tagen per Telegramm nach Übersee zu senden! Hatten wir also nicht nur einen wunderschönen, sondern sogar einen historische bedeutsamen Platz auserwählt! :-) Wir entschieden trotzdem das Frühstück an einem windstilleren Ort einzunehmen und brachen in Richtung Nelson auf, durchquerten auf schmaler Straßen eine Schafherde, stoppten kurz vorm Ziel bei einem Garagen-Verkauf, wo Wolfi den Moment meines Telefonats mit Mama ausnutzte, um uns eine Camping-Gasflasche zu kaufen, mit der ich bei vollem Bewusstsein nicht so ohne Weiteres einverstanden gewesen wäre! Gut, nun hatten wir dieses 40-Dollar-Schnäppchen (wäre neu 75 Dollar) also im Auto! Soll ja schon wirklich günstiger im Gasverbrauch sein als unser bisheriger Kocher, den ich aber eigentlich doch sehr mag… Fehlt noch einiges an Zubehör eh wir den Neuen einsetzen können… Wir saßen nach unserem Frühstück einen Kilometer vor Nelson am Meer in der Sonne. Umgeben von blühenden Neuseeland-Weihnachtsbäumen und kreischenden Möwen nähte Wolfi seine Hose während ich schrieb. Mit dem Kalender erlebte ich heute eine große Enttäuschung: hinter Nummer 18 war nix! Ist bestimmt irgendwohin gerutscht oder ganz herausgefallen… Der arme Kalender hat nun schon so Einiges durchgemacht, sieht nicht mehr wirklich gut aus… Nur noch sechs Tage bis Heiligabend! Sind auf unserer Nelson-Einfahrt an einem Campingplatz vorbeigekommen, auf dem sich geschätzte 15 Campervans voller Backpacker tümmelten… Um Weihnachten und Silvester muss hier richtig die Hölle los sein! Da haben wir es im Abel Tasman Nationalpark hoffentlich etwas ruhiger! In Nelson suchten wir, wie immer, erst einmal die I-Site auf, liefen dann in der Sonne durch die Innenstadt, die aufgrund der Parks mit den vielen, hohen Palmen und dem sommerlichen Klima wirklich Napier ähnelte, und erwischten den berühmten Sonnabend-Farmermarkt leider genau zur Schlusszeit. Wolfi kaufte sich noch schnell einen Bierstick bei einem echten, deutschen Fleischer und war begeistert! Wir fanden dann dieses schöne McDonalds, welches sogar kostenloses WiFi anbietet, und in dem wir nun seit über einer Stunde sitzen und im Internet surfen. Jelle, die am heutigen Tag auch in Nelson ist, haben wir leider verpasst, da mein Handyakku alle war. Wird sich aber in den nächsten Tagen sicher noch mal ergeben, da sie nur eine knappe Stunde entfernt von hier im Hostel wohnt.

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