Paar Kilometer weiter und wieder Regen…

Als wir nach Mittag am Sonntag in Richtung Motueka aufbrachen, hatte auch tatsächlich mal der Regen aufgehört. Wir hielten kurz hinter Nelson an der Tahunanui Bay. Es war Ebbe und man konnte einige Meter durchs Watt laufen. Wolfi grub an einem kleinen Sandlöchlein so weit bis er den minikrebsartigen Verursacher des mysteriösen Loches fand. Uah, merkwürdiges Tierchen! Unseren nächsten Stopp legten wir an einem Weingut mit deutschem Namen ein, schauten die geschmackvoll eingerichteten Räumlichkeiten an. Im großen Restaurant stand neben einem Flügel ein deutsch anmutender Weihnachtsbaum und überhaupt sah alles irgendwie so aus als würde man Zuhause irgendwo edel essen gehen. Weinprobe jedoch nur gegen zehn Dollar – Fiel also aus! Einige Kilometer weiter noch ein Weinhinweisschild. Wir bogen ab. Wolfi zweifelte nach wenigen Metern schon daran, dass wir richtig abgebogen waren. Es sah aus wie ein Weg ins Nichts. Doch dann entdeckten wir Weinpflanzen. Ein kleines Haus mit niedlicher Terrasse und herrlichem Ausblick über das eher kleine Weinfeld, umliegende Hügel und das entfernte Meer entpuppte sich als Wein“keller“. Wir traten in einen winzigen Raum, in welchem auf einem Tresen fünf Weinflaschen standen. Schon kam ein Mann aus dem Nebenzimmer zu uns. Er begrüßte uns und da er so nett zu uns war, entschied ich mich trotz fünf Dollar Gebühr zur Weinprobe. Neben dem Pinot Gris war dieses Mal ein Riesling mein Favorit. Während ich die Sorten probierte, unterhielten wir uns alle sehr, sehr nett. Wir fragten vorsichtig an, ob der ursprünglich aus Kalifornien stammende Weingutsbesitzer auch ab und an Backpacker einstellte. Der Mann verstand sofort und lud uns ein, ihn im neuen Jahr bei Interesse zu kontaktieren! Wow, haben uns gleich einen Flyer geben lassen, denn es gefiel uns wirklich auf den ersten Blick! Das Weingut hat insgesamt nur sieben Hektar Wein, alles direkt vor dem kleinen Häuschen und als Familienbetrieb geführt… Nichts mit Vertragspartnern, Vorarbeitern und Anonymität! Wir würden uns ganz bestimmt sehr bald melden! Bevor wir den Mann, seine hübsche Jagdhündin mit langen Schlappohren sowie das schöne Anwesen verließen, kamen wir irgendwie noch auf Fiji und Australien zu sprechen. Wir hatten ja eventuell vor, eines der beiden in einem Kurztripp anzuschauen… Je nachdem wie teuer die Flüge von Neuseeland aus sind und wie viel Geld wir dafür dann noch übrig hätten. Nun, da wir ja einmal hier unten waren… Prompt führte der Mann uns in sein Büro (Miniraum, eine Tür nebenan), zeigte uns eine Spitzenhomepage, auf der er seine Flüge immer günstig buchte und empfahl uns Fiji. Australien sei so groß, dass es in einem Kurztripp schwer zu bereisen sei. Und wann kommt man von Europa aus schon mal wieder nach Fiji? Da liegt Australien doch ein Stück näher. Mal schauen! Als wir die fünf Dollar für meine Weinprobe zahlen wollten, nahm der freundliche Mann das Geld nicht an. Wir dankten ihm und verabschiedeten uns fröhlich. Vielleicht und hoffentlich bis bald?! Glücklich über diesen erfolgreichen Weingut-Abstecher fuhren wir nochmals einige Kilometer bis uns erneut ein Schild zum Wenden und Einkehren einlud. Dieses Mal jedoch kein Weingut, sondern ein Antik-Künstler-Shop am verlassenen Highway-Rand. Wir betraten den Laden voller antiker Möbel, entdeckten sogar eine alte, philippinische Harfe und ein Klavier, das unserem alten zuhause ähnelte. Ein alter Mann war der Besitzer des Ladens und betrieb zugleich seine Restaurantionswerkstatt darin. Auch mit ihm unterhielten wir uns eine Weile über die Herkunft seiner Schätze und das neuseeländische Leben. So viele freundliche Leute an diesem kurzen Stück Wegesrand zwischen Motueka und Nelson! Doch endlich schafften wir es nun und kamen in Motueka an. Auf Höhe einer Tankstelle sagte Wolfi plötzlich: „Da ist auch schon Jelle!“, und sie war es! Zusammen mit Lisa, die sie auch schon an der Cathedral Cove begleitet hatte. Treffen wollten wir Jelle sowieso hier in den kommenden Tagen, doch das das nun so schnell ging… Lustig! Die beiden kamen gerade aus der Innenstadt mit einem McFlurry in der Hand. Wir freuten uns über diesen Zufall und tauschten noch vor der Tankstelle einige Reiseerlebnisse aus. Jelle hielt sich schon ziemlich lange in Motueka auf, hatte für zweieinhalb Wochen auf einer Apfelplantage gearbeitet und nun bis vor Kurzem in einer Fischfabrik. Sie hat als Reisemethode nun auch das Hitch-Hiking (per Anhalter) entdeckt. War interessant zu sehen, wie Menschen, mit denen man zu Beginn der Reise die selben Zweifel, Fragen und Hoffnungen geteilt hatte, nun ihren eigenen und von unserem so unterschiedlichen Reiseweg entwickelt haben. Hosteltypen haben für gewöhnlich mehr Menschen um sich, Van-Reisende sind unabhängiger, reisen individueller. Hat alles seine Vor- und Nachteile. Da wir uns erst einmal in der Stadt umschauen und die beiden zurück in ihr Hostel wollten, trennten sich unsere Wege. Kaum im Auto entdeckten wir noch einen Trödelladen! Wir schauten uns kurz um und erfuhren, dass um 18.00 Uhr eine Auktion begann, die wir uns mal anschauen würden. Haben also ein Eis gegessen, bisschen eingekauft und sind halb Sieben wieder in dem Laden eingetroffen. Es waren so einige Leute vor Ort und verfolgten gespannt die angebotene Ware, zu welcher der Besitzer in einem herrlich schnellen Singsang die Auktion leitete! Wir verstanden zwar kein Wort, da er so schnell redete, aber es war richtig amüsant! Nie hatten wir bisher einer Auktion beigewohnt! Unsere erste also gleich neuseeländisch! Es war keine Edelauktion, sondern wirklich nur unnützer Kram, aber so witzig! Es gab drei oder vier Leute, die immer wieder auf jeden noch so großen Quatsch ernsthaft mitboten. Eine Maori-Frau ersteigerte gleich kistenweise schmuddeliges Weihnachtszeug und wirkte mit jeder Kiste glücklicher. Eine andere Frau bot zwei Dollar auf eine hässliche Porzellanschwan-Vase und gewann. Ihr fielen jedoch fast die Augen raus als sie bemerkte, dass sie davon nicht bloß eine einzelnen sondern einen Karton voller Porzellanschwan-Vasen erstanden hatte! Na, herzlichen Glückwunsch! Alles andere ersteigerte ein älterer Herr in Arbeitsklamotten. Nach zwanzig Minuten reichte es uns vorerst. Da auch hier das McDonalds kostenlos Internetzugang anbot, nutzten wir diesen schnell für ein paar Dinge. Hatten nämlich eine Kayak-Tour gebucht und nun die Bestätigung erhalten! Das war der Reisetipp vom Dresdner Marcus aus dem letzten Hostel! Also würden Wolfi und ich morgen sowie am 23.12. durch den Abel Tasman Nationalpark kayaken. Ganz allein mit Übernachtung in einem Hausboot-Hostel mit Vollverpflegung! Hui, freuen uns so drauf! Hoffentlich spielt das Wetter mit und es zeigen sich viele Tiere! Seelöwen und Robben, manchmal Delfine oder Pinguine und mit viel, viel Glück Wale! Bitte Wetter, mach dass es schön wird! Da nun längst Abendbrotszeit war, fuhren wir etwas außerhalb Motuekas an einen Fluss, der vom vielen Regen fast übervoll war. Mal wieder kam ein netter Polizeimann vorbei und warnte uns, dass der Fluss bei Flut und Regen durchaus über die Ufer treten kann und wir besser nicht hier schlafen sollten. Wolfi briet sich leckeres Hühnchenfilet mit Käse, ich aß wieder Frischkäsebrot mit Tomatenscheiben… Hatten irgendwie zu viele Tomaten gekauft… Die sind innerhalb der letzten zwei Wochen von einem Kilopreis von acht Dollar auf zwei Dollar heruntergegangen! Scheinbar Erntezeit! Auch die Nektarinen und Pfirsiche werden langsam günstiger, Kiwis dafür teurer und immer schlechtere Qualität. Wird einem hier irgendwie deutlicher bewusst als Zuhause. Einen erlaubten Schlafplatz fanden wir neben der Fischfabrik am Meer. Richtig schön! Zwar viele Camper, aber trotzdem gepflegte Toiletten, sogar einen Gasgrill, der gegen einen Dollar zwanzig Minuten nutzbar war, herrlicher Strand mit kleinem Wanderweg entlang, viele Parkbänke und einige duftende Eukalyptusbäume drumherum! Da die Gezeiten den Meeresspiegel hier ziemlich veränderten, gab es ein kleines Bade-Basin, direkt im Meer, das zu jeder Zeit gleich viel Meerwasser in sich trug. Echt schöner Fleck und kostenlos! Wir parkten etwas abgelegener neben zwei Berlinern, mit denen wir bis nach Zwölf quatschten. Gab mal wieder interessante Reisetipps, da die beiden gerade den Abel Tasman Nationalpark bewandert hatten! Hui, noch mehr Vorfreude! Außerdem einige Infos zum im-Auto-Kochen bei Regenwetter.

Diese nützlichen Kochtipps durften wir am heutigen Morgen leider gleich austesten… Es schüttete wieder wie aus Eimern! Bitte, bitte lass alles abregnen, damit wir morgen und übermorgen fürs Kayaken gutes Wetter haben! Erst versuchten wir die Warte-Masche, wälzten uns ewig im Bett, nähend und lesend… Stürmten zu zweit hinterm kleinen Regenschirm bis aufs Klo, als wir es nicht mehr aushielten, wurden dabei fast weg geweht. Sah aber sicher lustig aus. Danach warteten wir weiter im Bett und der Regen legte sich tatsächlich. Schnell Kochzeug auf den Beifahrersitz, nötiges Geschirr und Essen heraus gewühlt und so aßen wir: ich aufm Campingstuhl vorm Auto auf der Nicht-Regenseite sitzend, als Tisch und zugleich Kochecke meinen Beifahrersitz, Wolfi auf seinem Fahrersitz. Nicht luxuriös, aber weitestgehend trocken. Ein hübsches Engelchen erwartete uns hinter Kalendertür 21. Nur noch drei Tage… Als wir fertig waren, wurde auch der Regen wieder schlimmer. Also fing ich an zu tippen und Wolfi nutzte zum ersten Mal unseren Autowasserkocher, machte sich einen Tee. Der Regen wurde wieder schwacher. Erst sprang Wolfi und nach ihm ich unter die Kaltdusche des Toilettenhauses. Wir wünschten den beiden Berlinern eine gute Reise und machten uns auf in die Innenstadt. Wolfi nahm die schnelle Joy und vertrieb sich die Zeit im Internet in der Bibliothek. Ich nahm die Schuhe und lief einen sehr schönen Weg unter hohen Eukalyptusbäumen entlang des Strandes Richtung Stadt. Ganz langsam ließ sich sogar die Sonne blicken, es wurde richtig warm, dazu unangenehm schwül. Nun sitzen wir beide hier in der Bibliothek, um uns natürlich fast nur Deutsche, die ebenfalls per Internet alles Mögliche erledigen oder Kontakt nach Hause aufnehmen…

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