Landschaftswechsel, Meerestiere – Hallo Kaikoura!

Sonnabend:

17.00 Uhr starteten wir in Nelson los, zurück über den Queen Charlotte Drive nach Picton. Ersten Kurzstopp machten wir an der Pelorus Bridge, einer Highway-Brücke überm Pelorus River, in welchem direkt darunter Menschen badeten. Sie sprangen von Felsen in das traumhafte Wasser und schwammen durch die Strömung. Hui, da bekam man glatt Lust… Doch ich lief nur schnell durch ein Stückchen Urwald um eine interessante Fußgängerbrücke anzusehen, die nicht direkt eine Hängebrücke aber irgend sowas ähnliches war. Im Wald machten unbekannte Tiere äußerst merkwürdige, enorm laute Schwirr-Zischgeräusche. Was das wohl war? Müssen tausende gewesen sein und so laut!!! Weiter ging es mit kurzem Stopp in der Muschelstadt Havelock. Kurz einmal durchgelaufen, nach einem Geldautomaten gesucht und nicht fündig geworden. Weiter auf den Queen Charlotte Drive, dieses Mal ich an der Meerseite. Auch hier überall Spuren des Unwetters: durch reißende Flüsse entwurzelte Bäume und viele, viele Hangrutsche. Bäume samt umgebender Büsche und Gras sind da im Ganzen mit Erdboden einfach zwei Meter tiefer gerutscht und auf der Fahrbahn gelandet. Einfach so weit zur Seite geschoben und orange markiert, dass Autos wieder durchkommen. Wahnsinn, das würde es zuhause niemals geben!!! Wir fuhren hindurch, fotografierten nebenher lustige Briefkästen und genossen diese herrliche Autofahrt. Ich hatte mir ja schon seit der ersten Fahrt vor ca. zwei Wochen gewünscht, einmal in dem einsamen, kanadisch-wirkenden Camp an den Sounds zu schlafen… Als wir ankamen eine leichte Enttäuschung, denn auch hier alles voller Urlauber in ihren Campmobilen! Alles! Urlaubszeit, Feiertage… Hochsaison! Außerdem 25 Dollar für eine Nacht… Wir machten uns ein Abendbrot, liefen auf den Steg, schauten Anglern, Wolken und Booten zu und fuhren dann doch weiter. Doch noch einmal in Picton schlafen, der Stadt mit den Fähren, direkt an den Sounds. Ein sehr schöner Ort! Fast zu schade um von der Fähre aus ohne Halt davon zu brausen. War eine gute Alternative! Wir schauten vom Lookout-Point wieder über den Hafen, die große, darin liegende Fähre und sahen zu wie es dunkelte. Auch Pictons Langzeitparkplatz, auf dem wir uns als Autoschläfer immer durchgeschmuggelt hatten, war ordentlich voll! Wir nahmen einen der letzten Parkplätze direkt am Hafenbecken und freuten uns über die nette Begrüßung durch das liebenswürdige, sprechende und musizierende Toilettenhaus! :-) Haben zum Neuen Jahr ganz lange unsere Mama angerufen und sind dann irgendwann nach romantischen Hafenblicken und unromantischen Streitigkeiten ins Bett.

Sonntag:

Nach einem Frühstück am höher gelegenen Picton-Lookout-Point und ein wenig Herumtrödeln in den kleinen Lädchen der Stadt ging die Reise weiter! Nun würden wir den Norden der Südinsel nach zwanzig Tagen endlich verlassen. Wir durchfuhren die Weingebiete, brausten ohne Stopp durch Blenheim, die hohen, gelben Hügel, vorbei an einem riesigen Salzsee mit Salzfabrik, hielten in einer Mini-Highway-Stadt um einen Camembert aus dem Mini-Supermarktsangebot zu kaufen und die Landschaft wandelte sich… Plötzlich tauchten da richtig hohe Berge auf, auf denen sogar noch Gletscher zu erahnen waren. Neben unserer Straße verlief die Bahnlinie des Transcoastal-Zuges, welcher einmal am Tag die Strecke Christchurch – Picton – Christchurch bewältigt. Eine Fahrt mit diesem Zug muss sehr beeindruckend sein… direkt entlang der Küste, auf der anderen Seite mal Alpinwelten in der Ferne, dann goldene Hügel und Weinanbaugebiete direkt angrenzend! Nächsten Halt legten wir an einem Meer-Restaurant ein. Der schwarze Strand gefiel mir so gut, dass wir länger pausierten und ich endlich mal zum Lesen kam während die Wellen nur wenige Meter vor mir ihr Ende im Kiesel fanden. Das Wetter war trotz grauem Himmel irgendwie perfekt! Leicht kühle Temperaturen mit frischer Meerpriese, keine Sonne, die einen verbrennen konnte. Hätte da für immer liegen können… Doch nun drängte Wolfi weiter. Meer, die aufragenden Gipfel der bis zu 2800m hohen Kaikoura Ranges sowie die Bahnstrecke… so ging das kilometerweit! Herrlich! Ab und an hockten da verlassen zwischen den Dünengräsern Camper oder Angler. Zwei bunte, kleine Imbissbuden tauchten am Highwayrand auf, hatten in ihrem Angebot Crayfish! Ist typisch hier für die Gegend. Einen Crayfish gab es für nur 30 Dollar! :-) Konnten wir uns dank unserer netten Maori-Bekanntschaft vom Ostkapp sparen… Zwischen den Meerfelsen auf der linken Seite entdeckten wir hunderte von Seelöwen. Die ganze Küste schien von ihnen besiedelt zu sein. Wir hielten an einem der Felsen und schauten den vielen Tieren beim Faulenzen, Bellen, Anfauchen, Kämpfen und Herumrobben zu. Dann fuhren wir in Kaikoura ein, das seinen Maori-Namen ebenfalls vom Crayfish abbekommen hat. Kaikoura war die Stadt der Meerestiere: Seelöwen, Robben, Delfine, Wale, Albatrosse. All die konnte man in Touren per Boot oder Flug bestaunen, mit ihnen zusammen schwimmen – gegen das nötige Kleingeld natürlich. Wir hatten keine dieser Touren geplant. Haben ja schon viele der Tiere gesehen und das meist ohne gebuchte Tour! Wale wären natürlich wirklich toll, aber vielleicht haben wir auch irgendwann noch das Glück, diese zufällig anzutreffen?! Ist sicher kein Spaß, denen im Jetboat hinterher zu jagen für 200 Dollar… Flosse gesehen ist gleich Wal gesehen und zurück geht’s… Ne, das machen wir nicht. I-Site, Einkaufen, desorientiertes Herumfahren… Was tun? Schließlich fuhren wir ein paar Kilometer zurück, parkten zwischen Gräsern über dem Meer und blieben dort für den Rest des Tages, fern der Stadt. Um Fünf machten wir uns schon Abendbrot, blickten über das Meer und die Berggipfel. War so ruhig, so abseits, mal keine Läden, kein Dies und Das! Manchmal zwischendurch sehr gut für ein paar Stündchen! Ich legte mich an den schwarzen Steinstrand las, Wolfi war am Laptop. Erfolglose Angler kamen und gingen, die Sonne kletterte tiefer, das Licht änderte sich. Ich spazierte fotografierend umher, entdeckte einige hundert Meter weiter zwischen den Dünen viele andere Camper, die surften, Feuerholz sammelten oder bloß da saßen. Auch ich setzte mich auf einen Treibholzstamm, schaute den Surfern, den Möwen, der sich wandelnden Berggipfel-Beleuchtung zu. Die Ebbe kam, das Licht verschwand, Feuer wurden angezündet, neben dem frischen Meerduft lag nun auch Feuergeruch in der Luft… Toll, so gemütlich und friedlich! Ehe es stockdunkel wurde, ging ich zurück zu Wolfi. Wir saßen noch ein wenig draußen, spielten abwechselnd Gitarre, lauschten dem Meer und beobachteten Sterne bis es Schlafenszeit war.

Montag:

Meerfrühstück mit Rührei, Spiegelei und Toast rief gegen Neun. Die Sonne schien heute wieder brennend heiß. Sind gerade wieder in Kaikoura angekommen, sehen hinter dem Städtchen die Berge aufragen. Mal schauen, was der Tag bringen wird… :-)

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Eine Antwort auf Landschaftswechsel, Meerestiere – Hallo Kaikoura!

  1. Yvonne sagt:

    Ihr seid echt zu beneiden. Uns begrüßt das neue Jahr genauso, wie sich das Alte verabschiedet hat….mit Neuschnee!!! Juhu! LG Yvonne

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