Ab in die Großstadt – Christchurch, wir kommen!

Montag Teil II:

Die Hauptattraktion des Montags war Surfen – ich durch sämtliche Lädchen der Stadt, Wolfi durchs Internet. Verloren gehen kann man hier nicht, denn Kaikoura ist klein. Es hat, wie viele neuseeländische Orte, nur eine Hauptstraße mit hübschen Restaurants, Kneipen, TakeAways, Mini-Supermarkt, Souvenir-, Schmuck-, Klamotten-Shops sowie I-Site. Doch gibt es ein paar Unterschiede: die Restaurants haben hier hauptsächlich frischen Fisch inkl. teurem Crayfish für ca. 75 Dollar auf der Speisekarte, die umgebende Kulisse besteht neben einem schwarz-steinigen Strand aus subalpiner Bergwelt und hier fährt einer der wenigen Züge Neuseelands entlang der TranzCoastal-Bahnstrecke. Irgendwie alles gemütlich-schön! Eigentlich wollte ich am Vormittag einen Walk um Kaikouras Halbinsel machen, doch war es einfach viel zu heiß. Wir sind am frühen Nachmittag also faul an einen Strand der Halbinsel gefahren, haben uns dort im Meer abgekühlt und im Toilettenhaus geduscht. Drei Kilometer weiter erreichten wir am Zipfel der Küste den Aufenthaltsort einer Seelöwenkolonie. Nach einer kleinen Klettertour um ein paar Felsen lag da auch ein dicker Seelöwenmann. Der wurde von vielen Touristen begeistert fotografiert und ließ sogar mutige Leute, die den Sicherheitsabstand nicht einhielten, unter leichtem Grummeln passieren. Mehr Tiere haben wir dort nicht entdeckt, sind wieder zurück nach Kaikoura gefahren um Runde Zwei der Shop- und Internet-Cafe-Besuche zu absolvieren. Habe mir einen merkwürdigen, aber irgendwie praktischen Hosenrock sowie Flipflops zugelegt und Wolfi hat für neue Automusik auf CD gesorgt. Dann kam irgendwann der große Hunger. Wir leisteten uns ein edles Restaurant-Essen in einem der Fischrestaurants, die aber auch Pizza für Wolfi im Angebot hatten. Da man schon einmal in einer solchen Fisch-Stadt war, bestellte ich mir als Nicht-Muschel-Esserin trotzdem mal eine Mixed-Seafod-Platte in der Hoffnung, dass Muscheln nicht gerade der Hauptbestandteil sein würden. Bis das Essen kam spielten wir Mau-Mau und schauten von unserem tollen Platz an der offenen Restaurant-Front über Kaikouras Hauptstraße. Die Seafood-Platte wurde in einem Korb serviert und zu meiner Überraschung war jede Meeresfrucht frittiert! Es war nicht wirklich erkennbar, in was man als nächstes beißen würde… Fast wie mit dem Hoden in Napier… Hatte mir das anders vorgestellt. Im Großen und Ganzen und bis auf drei wirklich schlabbrige muschelartige Häppchen war es aber okay, halt viel Fett und genug Frittiertes für die nächsten Tage. Wolfi aß seine Pizza restlos auf. Da in der gegenüberliegenden Kneipe mit dem interessanten Namen „Strawberry Tree“ eine Live-Musik-Veranstaltung statt finden sollte, wechselten wir anschließend die Straßenseite. Der Musiker war noch am Aufbauen, weswegen ich noch einmal zum Strand lief. Der klare Abendhimmel war bereits rot-lila gefärbt, was über dem Meer und neben den Bergen wirklich schön anzusehen war. Viele Pärchen saßen auf den Steinen und genossen den Anblick. Plötzlich entdeckte ich in einem der umher stehenden Autos zwei bekannte Gesichter. Es waren die beiden Thüringerinnen, die wir am Leuchtturm vor Farewell Spit kennen gelernt und neben denen wir am selben Abend zufällig wieder vor der I-Site in Takaka geparkt hatten. Die beiden hatten in der Zwischenzeit so einige Unternehmungen und Touren hinter sich gebracht, da eine der beiden Schwester nur auf vierwöchigem Besuch in Neuseeland war. Sie waren vor zwei Stunden erst von ihrer Whale-Watching-Bootstour zurückgekehrt, von der sie begeistert berichteten. Vielleicht würden wir uns das auf der Rückfahrt noch einmal überlegen… Ich machte mich wieder auf in die Kneipe, deren Musik bereits bis an den Strand zu hören war, und lud die beiden zuvor noch schnell ein. Wolfi saß dort schon, hörte begeistert dem Gitarrenspiel und Gesang des Musikers zu, dem sich mehr oder weniger spontan noch ein Mundharmonika-Spieler, ein Schlagzeuger (Instrumente dazu kamen aus dem Nichts) sowie eine Sängerin angeschlossen hatten. War echt gute Musik! Und da spazierten nun auch die beiden Thüringer Schwestern hinein. Wir setzten uns zu viert in den Biergarten, wo man sich doch besser unterhalten konnte und taten dies bis gegen halb Eins. Da wir noch keinen Schlafplatz hatten, nahmen wir auch den ganz nahe gelegenen, auf dem die beiden Mädels bereits geparkt hatten, und schliefen dort schnell unter Meeresrauschen ein.

Dienstag:

Unter bedecktem Himmel und bei durchaus angenehmen, gar nicht heißen Temperaturen machten wir unser Frühstück auf dem Holsteg der kleinen Meer-Promenade, die wie eine Terrasse direkt vor unserem Auto lag! Schöner Platz, perfekt! So einen tollen Meerblick während des Essens hatten wir lange nicht – wie in einer Strandbar auf schicken Holzdielen! Das genossen wir auch. Wolfi spielte noch Gitarre, ich schlenderte am Strand umher. Viele Angler versuchten bereits ihr Glück, die beiden Mädels waren schon weg, scheinbar bereits unterwegs zu ihrer Surftour, und busweise fuhren Whale-Watch-Gäste an unserem Parkplatz vorbei in die hundert Meter entfernte Whale-Watch-Basis. Die Berge der Kaikoura Ranges wurden von einem grauen Wolkenband zweigeteilt – sah irre aus! Schließlich fuhr auch noch der TranzCoastal-Zug mit winkenden Fahrgästen vorüber. Ich begab mich in Richtung des Whale-Watch-Zentrums und wunderte mich über zwei Asiaten, die sich Papierbeutel vor ihre Gesichter hielten. Ihre sowieso schon etwas gelblicher Hautfarbe war ziemlich intensiv gelb verändert und hatte auch irgendwie enorme Grüntöne angenommen… Na klar, die waren unter der letzten Ladung der Walbeobachter gewesen und hatten die Bootsfahrt offensichtlich richtig dolle genossen! Sah nach einem Heidenspaß aus! :-P Wir hatten schon mehrfach gehört, dass die Touren bei leichtem Seegang ziemlich auf den Magen schlagen können… Bissl hätte es mich ja schon gereizt, die beiden mal anzusprechen und zu fragen, ob sie die Tour bereits gemacht hatten und wie es denn so war… :-D Wolfi und ich entschlossen, in Richtung Christchurch weiterzufahren, besuchten vorher nur noch einmal das Internet-Cafe. Nach wenigen Kilometern auf dem Highway stellten wir dann fest, dass es besser wäre, auch noch zu tanken… umdrehen, tanken in Kaikoura zu besonders hohen Preisen und nun aber los… Da fielen uns noch zwei weitere hübsche Shops in die Augen – Resultat: Ich hab eine tolle, neue Maori-Kette aus Rinderknochen in Form eines Hakens an einem Lederband. :-) Dann ging es aber wirklich ab! Auf dem Highway 1 schossen wir vorüber an rauen Fels-Küsten, hohen Bergen, neben der Bahnlinie durch röhrenartige Tunnel. Led Zeppelin gaben dazu ihre Bestes aus unserem Autoradio – Wolfis neue CD! Abrupt endeten die Berge, es begannen wieder gelbe Weidehügel, dann sogar noch einmal Weinanbaugebiete. Wir hielten in Cheviot, einem Örtchen am Highwayrand, gab paar Sachen im Mini-Supermarkt und ein einzelnes, kleines Eiskügelchen Cookie Dough (rohe Cookie-Teigbatzen im Eis – guuuut!), das in etwa so groß war wie drei Kugeln in Deutschland. 30km weiter verließen wir den Highway und folgten einem Wegweiser zu einer Woolshed. Wussten nicht, was uns da erwartete, aber kann man ja mal herausbekommen. Es war ein alter Scherstall, der nun sehr hübsch hergerichtet für verschiedene Festlichkeiten genutzt werden konnte und in welchem zugleich Schafprodukte verkauft wurden. Gab da ein tolles Buch über ein armes Schaf, das so viel Wolle hatte, das es dadurch woll-blind war! Ist kein Witz! Und geschoren wurde es auf dem Eis des Südpols, nachdem es extra dorthin gebracht wurde… Da der Besitzer des Woolshed schließen wollte, konnte ich das Buch nicht genauer anschauen, aber die Geschichte lohnt sicher eine Recherche! Klang unglaublich! Das Schaf hieß Shrek oder Shed…?! Nach wiederum 30km stoppten wir an der Brew Moon Brauerei, in deren niedlichen Biergarten wir gegen zwölf Dollar die vier Hausbiere verkosteten. Gestärkt für die letzte Etappe! Und im Nu erreichten wir gegen Fünf die Vororte Christchurchs. Unter einer Brücke gab es einen Parkplatz, auf dem Übernachten erlaubt war, doch gefiel uns dieser nicht, sodass wir doch nach Christchurch weiterfuhren. Entlang der Hauptstraße quer durch Christchurch waren an einzelnen Häusern Spuren des Erdbebens zu erkennen. Gerüstebauer hatten dort momentan sicher genug zu tun! Manche der betroffenen Häuser waren halb abgerissen. Eine Kneipe im Zentrum wurde durch Balken gestützt und trotzdem lief der Betrieb weiter, so einige Gäste saßen darin. Wir hielten im McDonalds, das kostenlos Internet bereit stellte, riefen kurz Mails ab und begaben uns sofort weiter auf Schlafplatzsuche. Wir landeten ein ganzes Stück außerhalb Christchurchs in Allendale in einem Park am Lyttelton Harbour, nachdem wir auf einem Hügel mit weitem Blick über Christchurch und den Hafen sowie unter Windböen und leichten Schauern unser Abendbrot eingenommen hatten. Im Hafen war Ebbe, so einige Watvögel unterwegs, viele, viele Mücken (Wolfi hat mindestens 15 im Autobett liegend erschlagen), Regengefahr…

Mittwoch:

Heute Morgen dann wirklich leichter Nieselnebelregen-Mix. Wir haben den Parkplatz nach Langschlafen erst gegen halb Elf verlassen, auf einer kleinen Aussichts-Parkbuch hoch über dem Lyttelton-Hafen gefrühstückt und uns anschließend in Christchurchs Innenstadt gestürzt. Sowas ist mit Auto zwecks Parken gar nicht so einfach! Sind hin und her geirrt, haben dann irgendwo für drei Dollar ein Stündchen geparkt, in der Hoffnung, die I-Site schnell zu finden und dort alles Nötige in Erfahrung zu bringen. Wieder sahen wir so einige zerstörte Häuser und kleine verschüttete Gänge, die in der Innenstadt übrigens alle erst an Heiligabend neu entstanden sind als das starke Nachbeben statt fand! Die meisten der älteren Schäden liegen weiter außerhalb! Als wir in Richtung des zentralen Squares schlenderten, stürmte uns ganz plötzlich etwas Blondes entgegen, rief „Das gibt’s ja nicht!“ und umarmte uns… Ne, da war das doch Jelle!!! Sie, Lisa und noch einer von unserer Weihnachtstruppe saßen auf einer Bank nur wenige Meter entfernt und hatten uns sogleich entdeckt! Mitten in Christchurch, im Nieselregen um dieselbe Zeit und wirklich total unverhofft dieses Mal!!! Vor zwei Tagen hatten wir noch gesmst und waren beide in ganz verschiedenen Winkeln der Südinsel! Ist das mal wieder wirklich unglaublich! Haben uns sehr gefreut, aber das Gespräch aufgrund unserer Parkprobleme kurz gehalten. Vielleicht klappte ja später noch ein beabsichtigtes Treffen hier in der Gegend! Hui, und zum Glück hatten wir uns im Stadtpark neben unserem Parkplatz trotz Passanten doch noch aus unseren dreckigen Schlabbersachen begeben, für den Stadtbesuch sozusagen in Schale geworfen und die Zähne geputzt… Eben schick als hätten wir das Treffen geahnt! :-) Wir sind erstaunt in die I-Site weiter, haben dort von einem sehr freundlichen Herrn viele Infos erhalten und kamen pünktlich zum Auslauf des Parktickets wieder bei Joy an. Ging sofort weiter ins Emirates-Büro. Es wurde Zeit sich mal um die Verlegung des Rückflugs zu kümmern, denn bis 31. Januar sind wir hier in Neuseeland sicher nicht durch! Während Wolfi das Auto bewachte (wollten nicht nochmal bezahlen), fuhr ich in die sechzehnte Etage eines supertollen Luxus-Bürogebäudes ins Emirates-Office. Dort berichtete mir die freundliche Bearbeiterin vor einem Stadtpanorama hinter der Fensterscheibe jedoch nur, dass ich zu der ursprünglichen Buchungsseite Kontakt aufnehmen müsste, denn Emirates könnte an unseren Studententarif-Tickets überhaupt nix ändern… Hm, letztens hatten aber genau die uns per Mail schon an Emirates weiter verwiesen. Na ja, ist ja noch bissl Zeit… Wir fuhren also ins McDonalds und sitzen nun hier um Fünf noch immer. Die Mail zwecks Flugumbuchung ist längst verschickt und einige andere Dinge wegen den anstehenden Auto-Vorhaben recherchiert… Gott, wie schnell so ein Tag umgeht! Doch das Wetter war eh nicht so toll um da viel zu unternehmen – Regen-Niesel die ganze Zeit. Müssen jetzt noch einkaufen und rechtzeitig einen anderen, näher gelegenen Schlafplatz sowie ein Schwimmbad zum Duschen suchen. Auch waschen wäre mal wieder nicht übel… Alles nicht so einfach in den Stadtbezirken und wenn einen da mal keine tschechische Familie so lieb aufnimmt… Oh Mist, und nicht mal den Bilderupload haben wir geschafft… Kommt alles irgendwann später! Haben noch gar nichts von Christchurch gesehen und trotzdem bin ich schon froh, wenn wir wieder aus der Stadt kommen und alles erledigt haben! Nun gut, das war’s also von uns für heute! Habt ihr einen schönen Mittwoch! Tschüssi… :-)

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