Mal anders: Mit dem Zug in den Westen und per Hitchhike zurück!

Sonnabend Teil II:
Nach einem schnellen Einkauf per Bus ging es ab in den Park, wo wir natürlich wieder mal die Marienkäfer sowie den Belgier trafen. Gegen 19.00 Uhr kamen auch Manuel und Marcus endlich an unserem BBQ-Platz an, sodass unser Grillen zu viert beginnen konnte. Waren auch schon ziemlich ausgehungert! Für uns gab es Hühnchenbrust, die beiden Jungs hatten sich Würstchen besorgt. War sehr gemütlich und lustig. Da der Park gegen Neun die Pforten schloss, am Wochenende aber die meisten Stadtparkplätze kostenlos sind, haben wir es gewagt Joy im Zentrum direkt am Avon-River
abzustellen um auch dort später schlafen zu gehen. Während wir uns am Auto stadtfertig machten und dann in Richtung des Squares liefen, um die beiden Deutschen wieder zu treffen, tauchte die Sonne plötzlich die gesamte Innenstadt in ein goldenes Licht! So etwas haben wir hier auch noch nicht oft gesehen! Sah beeindruckend aus! Wir hingen ein paar Minütchen fotografierend vor der Kathedrale herum, zogen dann entlang der vielen Straßenmusiker, zu denen wir heute nicht gehörten, weiter in Richtung der irischen Kneipe mit der Live-Band, in der wir zu Beginn auch schon mit Sean und dem Schweden waren. Gab dort ein Jug Bier (1l-Kanne) für acht Dollar, was durchaus bezahlbar war. Der Abend mit Marcus und Manuel war schön. Die Bar füllte sich bald, die Musik war gut. Gegen Eins wurden wir müde, begaben uns nach draußen, wo wir nach wenigen Metern sogleich auf Sean und Ricky stießen, die wieder mit einem Straßengemälde beschäftigt waren und von den feierlustigen Passanten teils auch ordentlich Geld eingeworfen bekamen. Thema des Gemäldes: Liquor-Ban-Area. direkt da, wo all die betrunkenen Menschen vorbei kommen… :-D Manuel und Marcus zogen noch ein Stückchen weiter, doch wir gingen zum Auto und schlummerten um Zwei unter einer großen Kastanie am Avon-River in Christchurchs Innenstadt ein.
Sonntag:
Ließ sich richtig toll schlafen da, bloß eine Toilette wäre noch praktisch gewesen. Zum romantischen Flussfrühstück mit Blick auf die umher gondelnden Touristen überraschte uns ein unschöner Sturm, der sämtliche unserer Sachen inklusive Tisch und Stühlen herumwirbelte. Vivians Honig landete direkt im Avon-River, tat es den Touristen gleich bloß ohne Gondel und umsonst :-D Haben ihn noch einmal retten können, ehe er ganz davon trieb. Es wurde heiß, trocken und der Wind blieb! Das war der verhasste Föhn namens Nor’wester, der manchmal sein Unwesen über Christchurch trieb und unter dem viele Bewohner angeblich litten (Kopfschmerzen, Schwindel, Irrewerden bis hin zu ansteigender Suizid-Rate)! Schrecklich, man fühlte sich wie gelähmt und unfähig auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Wir fuhren unseren Kamerakku zu Marcus ins Hostel, der ihn dort für uns auflud! Cool! Anschließend begaben wir uns nochmals in die Innenstadt und mussten enttäuscht feststellen, dass die öffentlichen Duschen nun überhaupt nicht mehr begehbar waren… Wir gingen in die I-Site und kauften nach etwas Hin und Her sowie großer Nor’wester-Unentschlossenheit endlich zwei One-Way-Tickets für den TranzAlpine! Wettervorhersage war halt nicht so dolle, aber woher weiß man schon, ob es zu einem anderen Zeitpunkt besser wird?! 178 Dollar also für uns beide im Zug, wobei wir 124,50 Dollar davon allein durchs Busking verdient hatten! Juhu! Problem war bloß, das viele, viele Kleingeld, das uns in den Hut geworfen wurde,  dafür einzusetzen. Banken zum Wechseln hatten sonntags geschlossen… Das konnten wir den I-Site-Menschen nicht antun. Haben also doch erst einmal großes Geld vom Bankautomaten darunter gemixt und trugen die vielen, vielen kleinen Münzen in einer Tüte weiter mit herum… Man, gut, wenn das ausgegeben ist! :-) Am morgigen Tag würden wir per Zug über den Arthur’s Pass die Westküste erreichen, um von dort über den Lewis Pass nach Christchurch per Anhalter zurück zu fahren. Wow, erstes Mal ohne Joy und binnen vier Stunden auf die andere Seite mit Neuseelands schönstem Zug!!! Jippi! Doch nächste Frage: Wohin mit dem Auto für die Zeit? Die I-Site hatte uns dringend davon abgeraten Joy am Bahnhof abzustellen. Noch immer heiß, keine Idee, alles Mist… Wir fuhren einfach in Richtung New Brighton zum Strand um dort mal wieder die Strand-Duschen zu nutzen. Auf dem Weg entdeckte Wolfi einen Garage-Sale in einem idyllischen Wohngebiet, begab sich hinein und kam mit einem flexiblen Mini-Stativ für unsere Kamera zurück! Dasselbe, das die Franzosen besessen hatten und von dem wir damals so begeistert waren. Die hatten allerdings über 30€ gezahlt, Wolfi bloß vier Dollar! Nach der Dusche in New Brighton ging es etwas besser und eine Idee reifte: Da der Bus zum Bahnhof ebenfalls in dem Wohngebiet des Garage-Sale vorbei brauste, könnten wir ja nochmals die Garage-Sale-Frau aufsuchen und fragen, ob sie eine Idee hätte fürs Auto oder wir es vielleicht sogar bei ihr abstellen könnten. Auf ging’s. Wir haben lange mit der Frau vor ihrer Garage gestanden und gequatscht (interessant war die Erdbeben-Thematik, denn sie hat uns detailliert geschildert, wie schrecklich sie das erlebt hatte) und prompt bat sie uns – ohne dass wir direkt fragen mussten – an, dass wir das Auto vor ihrem Fenster an der Straße parkten! Sie machte sich eine ernste Aufgabe daraus, es gut zu behüten, würde vor jeder Mahlzeit und vorm zu Bett gehen danach schauen, außerdem auch die Nachbarn informieren! Wow, Problem gelöst und gleich so netten Kontakt dazu! :-) Wir fuhren nun erneut zu Marcus und Manuel ans Hostel, bekamen den geladenen Akku, hingen erschlagen auf der Veranda-Couch und machten aus, uns am frühen Abend in der Stadt wieder zu treffen. Wolfi und ich würden eine 2l-Monsterpackung Cookies-Eis besorgen, welche wir zu viert vor der Kathedrale in uns stopfen wollten. Wir fuhren in den Pak’nSave, machten auf dem Parkplatz gestört durch den Föhnwind Abendbrot, kauften das Eis und ab ging es in die Stadt. Marcus und Manuel trafen püntklich ein. Nach wenigen Minuten waren wir alle bis obenhin voller Eis – 0,5l pro Person! Nicht übel und ein gutes Abschiedsdessert, denn noch einmal würden wir Marcus, der in wenigen Tagen seinen Rückflug antritt, nicht sehen. Boah… Wir kugelten noch weiter auf den Square-Stufen umher, wo auch Sean uns für kurze Zeit Gesellschaft leistete und uns die Adresse seiner Familie in Reefton gab, für den Fall, dass wir dort auf dem Rückweg von unserer TranzAlpine-Tour vorbei kämen. Anschließend spielten wir zu viert im Victoria Park noch ein wenig Fußball, tauschten Fotos aus und verabschiedeten uns gegen Neun voneinander. War toll, die beiden kennen gelernt und mit ihnen noch so einige schöne Momente in den letzten Tagen verbracht zu haben. Marcus, von uns auch als Davids Doppelgänger bezeichnet, wollen wir irgendwann mal in Freiberg wieder treffen um ein wenig Musik zu machen. Wir wie immer und er an den Drums oder am Bass. :-) Hoffentlich klappt das! Werden bestimmt berühmt! :-D Wir liefen zurück zu Joy, die noch einmal am Avon-River auf uns wartete, packten und organisierten letzte Dinge für die anstehende Kurzreise und gingen gegen Elf schlummern.
Montag:
5.30 Uhr schmiss uns mein Handy aus dem Bett. Es graute draußen, war nass, aber kein Regen. Die frühe Zeit war ideal um noch unbeobachtet auf Buschtoilette zu gehen… :-D Nach dem Frühstück fuhren wir dann schnell zu unserem abgemachten Auto-Stehplatz vor das Haus der Garage-Sale-Frau, gaben Joy einen letzten Wink und liefen bepackt mit Tagesrucksack, in dem nur das Nötigste steckte, in die Parallelstraße zur Bushaltestelle. Erst versuchten wir zögerlich per Anhalter in die Stadt zu kommen, doch war der Bus schneller. Für 3,20 Dollar pro Person ging es durch die Innenstadt bis an den etwas außerhalb gelegenen Bahnhof. Der babyblaue TranzAlpin stand am Bahngleis bereit, vorm Schalter eine lange Schlange Reisender. Wir bekamen Plätze 2a und b im Abteil L zugeteilt, welches direkt an den offenen Aussichtswagen angrenzte. Um 08.15 Uhr setzte sich der lange Zug in Richtung Greymouth/Westküste in Bewegung, passierte die Vororte Christchurchs, deren Lagerhallen, Häuser und Anwesen nach einigen Kilometern spärlicher wurden und schließlich in Weideland und Farmen übergingen. Flache, sommergrüne bis goldene Ebenen, Canterbury Plains genannt, waren mehr oder weniger dicht besiedelt von Schafen, Kühen, Pferden und Nebeldunst. Gab auch mal Wald. Der Himmel war voller grauer Wolken, aber immerhin kein Regen. Ich erkundete die Aussichtsplattform, die außer mir noch keinen Besucher beherbergte. Trotz des kalten Fahrtwindes war es herrlich, die frische Morgenluft abzubekommen. Wir fuhren in Springfield ein. Der Zug hielt, wir besuchten kurz den Bahnsteig. Nun waren plötzlich auch Berge sichtbar – die Southern Alps in fast greifbarer Nähe! Weiter ging die Fahrt und Schlag auf Schlag machte sich bemerkbar, warum diese Fahrt (und wir fanden: nicht nur im Winter!) zu einer der sieben schönsten Zugfahrten der Welt gehörte. Da waren sie, die hohen Berge, die reißenden, stechend blauen Ströme in den Tälern – alpine Welten, so ganz anders als noch zehn Minuten zuvor! Und nun standen wir da auch gar nicht mehr allein. Der gesamte Aussichtswagen war voller Fotografen und Beobachter aus verschiedenen Nationen, darunter eigentlich kaum Backpacker. Wir hatten es gut, direkt am Geländer vorn zu stehen! Doch nicht nur Landschaft und Aussichtswagenbesetzung änderten sich, der Himmel wurde zunehmend blau, Sonne schien und besiegte die Kälte. Die Berge nahmen an Höhe zu, auf manchen Gipfeln waren noch Gletscherüberreste zu erahnen. Waldvegetation wechselte sich mit Steppen ab und immer wieder durchsetzten türkisblaue Flüsse und interessante Metallbrücken das Bild, auf welchen man in engen Kurven sogar die rot-gelbe Kiwi-Rail-Lock des eigenen Zuges sehen konnte! Auch begleitete zeitweise der Alpinhighway die Bahnstrecke, welcher ebenfalls über den Arthur’s Pass an die Westküste führte. So einige Tunnel durchfuhren wir. Nach und nach verschwanden viele der Beobachter wieder in die geschlossenen Wagen, von deren komfortablen Sitzen man durch die großen Fenster ebenfalls einen herrlichen Blick auf die Umgebung hatte. Wir blieben die meiste Zeit draußen, kamen dort mit einem Ehepaar aus England ins Gespräch, schraubten uns höher und erreichten bald Arthur’s Pass, wo wieder graue Wolken den Himmel verdeckten und auch mal Niesel zu spüren waren. Am Arthur’s Pass verließen wir nochmals kurz den Zug, schauten uns vom Bahnsteig aus die beeindruckend hohen Berge an und fotografierten umher. Mitten in den Southern Alps! Durch einen über 8km langen Tunnel ging es nun weiter in Richtung Westen. Nach und nach kamen wieder mehr Ebenen zum Vorschein, ging es bergab. Auf nebelverhangenen Weiden fand sich Totholz neben vereinzelten Baumgrüppchen – mystisch schön. Wir fuhren vorüber am Lake Brunner, wo das Objektiv unsere Kamera, das schon seit einigen Wochen aber bisher ohne Störungen etwas Sand in sich zu tragen schien, leider verklemmte. Wir setzten uns auf unsere Plätze, beobachteten wie der Himmel wieder freundlicher wurde, fanden heraus wie wir mit leichtem Klopfen das Objektiv zum Erfüllen seiner Dienste bewegen konnten. Die letzten Kilometer der geschätzt knapp 200km bzw. viereinhalb Stunden Zugfahrt, welche durch den Zug nur einmal am Tag in jede Richtung befahren werden, verbrachten wir im Inneren. Und da kam Greymouth in Sicht! Um 12.45 Uhr erreichten wir die Westcoast! Ohne Joy! Unser Wunsch, mal auf eine andere Art eine längere Strecke in Neuseeland zurückzulegen, war hiermit geschehen! :-) Teil Zwei unseres Ost-West-Ost-Tripps konnte beginnen! Nach kurzer Orientierung in der Info des Bahnhofes bewegten wir uns in praller Sommersonne (wo die Westcoast so für ihr schlechtes Wetter verschrien war…) über eine Brücke an den Highway-Rand in Richtung Norden/Punakaki. Erster Hitchhike sollte uns zu den etwa 50km entfernten Pancake Rocks führen… Und da per Anhalter fahren ja in Neuseeland erlaubt und laut anderer Traveller auch total easy und flink ging, erwarteten wir, dass auch wir binnen weniger als 15min eine passende Mitfahrgelegenheit fanden. Daumen hoch und abwarten… Ganz so schnell ging es aber gar nicht. Die Autos fuhren vorbei, waren voll besetzt oder beladen oder bogen kurz zuvor noch in die falsche Richtung ab. Irgendwann hielt endlich eine quirlige Frau in einem Jeep, deren Inneraum mit sämtlichen Einkaufsbeuteln zugestopft war. Sie schmiss alles kreuz und quer in den Kofferraum, wir sprangen hinein und fuhren los. Hitchhike Nummer 1! Sie würde uns nur bis zum nächsten Ort mitnehmen können, da sie dort wohnte. Schade, aber besser als Nix. Wir verrieten ihr, dass wir das zum ersten Mal taten um eine andere Reiseart kennen zu lernen und sie war so begeistert und freundlich, dass sie uns glatt auf einen Kaffee zu sich nach Hause einlud. Sie freute sich schon, dass ihr Sohn sie wieder ermahnen würde, weil sie einfach Fremde anschleppte. :-D Angela, so hieß die Dame, verließ die Hauptstraße, fuhr in ihr Dörfchen, in ihre Einfahrt vor ihr Haus. Wahnsinn! Die lebte da samt ihrer Familie mitten am Berg, umgeben von wildem Busch in purer Natur! Stolz zeigte sie uns Haus und Garten, der ohne Grenzen in Dschungel mit Wanderwegen überging. Eine Krähe (Magpie) hockte in einem Käfig, schwarze Katzen hüpften umher, Libellen (Dragonflies) umschwirrten uns, ein kleines Brückchen führte über einen Bach durch den Busch aus Farn und hohen, dunklen Bäumen. Kleine Fee-Figuren standen am Gartenteich und hingen im Haus… verwunschen, traumhaft, schön! Während wir Kaffee tranken und ganz viel quatschten, verging die Zeit im Flug. Gegen halb Drei entschieden wir aufzubrechen, tauschten noch Kontaktdetails aus. Angela fuhr uns zurück an den Highway gegenüber eines kleinen Kiosks, lud uns ein, nochmals hereinzukommen, wenn wir wieder mit dem Auto unterwegs wären, und sauste davon! Wow, na wenn das nun so weiter ginge, würden wir zehn Tage bis Christchurch brauchen! War eine tolle Begegnung! Wir wollten nun den zweiten Fahrer in Richtung der Pancake Rocks finden. Die Sonne brannte noch immer, ungeduldig wechselten wir die Armseiten um die Daumen hoch zu halten. Wir versuchten, die Mitnahme-Chancen zu erhöhen, indem sich Wolfi im Hintergrund aufhielt… Nix klappte. Nach über einer halben Stunde warfen wir unseren Plan, über die Pancake Rocks mit Sightseeing-Walk weiter über Westport bis Reefton am selben Tag zu kommen, über den Haufen – viel zu knapp für diese vielen, vielen Kilometer! Mussten ja schließlich auch im Hellen in Reefton ankommen um noch eine Unterkunft, Seans Familie sowie unseren Schweden zu finden und so weiter… Also sprangen wir einfach auf die andere Seite der Straße, wo auch endlich auf Mädchen-allein-am-Straßenrand-Methode bald ein männlicher Fahrer anhielt und sogar bereit war, mich plus Wolfi bis Greymouth mitzunehmen. Beim Hineinspringen hatte ich das Gefühl, es sei ein merkwürdiger Typ (interessant, wie sich der erste Eindruck binnen Sekunden einstellt!), aber in Ordnung für die paar Kilometer zurück. Im Gespräch war er dann auch ganz okay. Er ließ uns direkt an der Kreuzung in Richtung Reefton raus, sagte, dass er uns sogar noch ein Stück weiter mitnehmen würde, wenn er später von einer Erledigung wieder käme und wir noch immer dort stünden. Doch wir standen nicht mehr dort, denn ziemlich schnell fand sich dieses Mal unser dritter Hitchhike: ein junges Lehrerpärchen aus einem Nachbarort mit zwei riesigen, sabbernden Hunden im Kofferraum, die über die Rücksitzbank bereits gierig auf unsere Sitze hechelten… Ich ließ Wolfi großzügig den Vorrang und die nette junge Frau bot mir wegen meiner Hundeangst sogar an, vorn zu sitzen. Doch es ging, hab die Hunde nicht beachtet, die auch zum Glück Wolfis Gesicht bevorzugt ableckten! Die beiden Lehrer waren nette Leutchen, mit denen wir sofort noch länger gefahren wären… ohne Hunde am besten (für mich). :-D Haben bissl was übers neuseeländische Schulsystem erfahren und waren nach etwa zehn Minuten wieder am Straßenrand in Dobson. Dort ging es erneut schnell bis ein Kleinbus hielt! Cool! So konnte es weiter gehen! Doch was dann geschah, werden wir sicher nicht vergessen: Die Schiebetür öffnete sich, innen alles blau – alles voller wahnsinnig blauäugiger, blonder Jungs in blauen Overalls mit blauen Hemden darunter… Okay, vielleicht vom Bau, doch irgendwie schon sehr fremdartig, wie sie so gar nicht lächelten, uns bloß streng und mit diesen aufgerissenen, blauen Augen ernst anschauten, alle blond und links gescheitelt – alle total gleich trotz unterschiedlicher Alter! Und so zart und Stille ausstrahlend. Ne, die konnten unmöglich vom Bau kommen! Wir kletterten auf die mittlere Sitzbank neben einen der Jünglinge. Alle saßen sie steif in Reih und Glied, starrten ernst und angestrengt nach vorn, keiner sprach mit einem anderen und nur mühsam stellten sie uns kurze Fragen… alle sooo unglaublich stechend blauäugig – ähnlich Huskies! Enorm merkwürdige klassik-kirchliche Musik dudelte aus dem Radio, es roch intensiv nach alter, verkippter, saurer Milch. Oh Gott, keine halbe Stunde – sagte das Hitchhike-Gefühl! Und zum Glück würden sie uns auch nur einige Kilometer mitnehmen können! Unwohl, merkwürdig, komisch… fremdartig! Ein älterer Mann, der sich aber bis auf sein Alter im Prinzip auch nicht von den fünf Jungs unterschied, saß in der vorderen Dreierreihe. Ein Junge fragte, woher wir kämen. Wir antworteten kurz, fragten verstört und zögerlich in die merkwürdig stille Atmosphäre woher sie denn alle kämen… von der Arbeit…? Ja. Aha, und was wurde gearbeitet? „Mos“ Was? „Mos“ Ah, Mos! Ich fragte Wolfi leise, was „Mos“ sei? Er wusste es auch gar nicht ganz sicher, hatte nur Ja gesagt, weil es alles zu komisch war und keiner von sich aus mehr erklärte… Ich fragte vorsichtig in die Runde, was „Mos“ sei… Der hintere Junge griff hinter sich und zeigte uns Moos! Aaah, Moos! Die hatten Massen an Moos gepflückt. Okay… Wir fragten gar nicht weiter, was damit geschehen würde… Wir starrten weiter vor uns hin und fuhren ruhig im Takt der Musik dahin. Plötzlich kam mir das alles so irre vor, dass ich andauernd kurz davor war, einen Lachkrampf zu bekommen, fragte mich immerzu, was Wolfi gerade neben mir dachte und durfte nicht annähernd in seine Richtung schauen, um plötzliches Loslachen zu vermeiden. Hilfe! Raus hier! Wieso sagte bloß niemand was? Was war das für eine irre, ernste, heilige Stimmung unter diesen unglaublich blauäugigen Blondschöpfen in ihren blauen Overalls? War das vielleicht eine Sekte?!? Der Mann fragte uns schließlich noch etwas aus, gab uns dann tatsächlich einen Zettel mit der Adresse von der Gloriavale Christian Community und bat uns, vorbei zu kommen, wenn wir mal in der Gegend wären! Boah, war ich froh als wir nach Verabschiedung vor dem Örtchen Stillwater wieder am Highwayrand standen! Sofort schauten Wolfi und ich uns ungläubig und verwundert an, mussten dann total loslachen und konnten einfach nicht fassen, was wir da gerade gesehen und erlebt hatten! Wahnsinnsirre, so eine abgedrehte Stimmung in dem Bus!!! Oh Gott! Glauben nicht, dass wir noch einmal in die Gegend kommen… :-D Ziemlich flink stoppten die nächsten Typen in einem coolen oldtimer-artigen Gefährt. Zwei neuseeländische Briten in unserem Alter, genauso cool wie ihr Auto, mit nacktem Oberkörper, Sonnebrillen und Hut auf dem Kopf. Waren ganz nett, in Neuseeland geboren, aufgewachsen in England, nun seit ein paar Jahren zurück hier und momentan auf dem Weg nach Motueka, wo sie doch tatsächlich in Swampys Backpacker einkehren wollten zwecks Weingut-Arbeit! Lustig! Die beiden haben uns bis Reefton gefahren, Affenhitze und Affenzahn! Halb Fünf sprangen wir vor der I-Site Reeftons heraus! Juhu, Zielort erreicht! Zwar auf anderem Weg, aber immerhin! Pancake Rocks würden wir dann eben doch mit Joy machen. In der I-Site erkundigten wir uns nach dem Hostel, ließen das Haus von Seans Familie sowie den Shop der Dame, die des Schweden Herz berührte, einmalen… Nach dem Schweden, der uns beim Busken in Christchurch vor einigen Tagen auf ein paar Bier eingeladen hatte und dann später betrunken verschwunden war und von dem wir bloß wussten, dass er zum Fischen in Reefton war, fragten wir vorerst besser nicht direkt. Wollten ihn aber aufspüren um zu schauen, ob er den Abend heil überlebt hatte und um uns zu bedanken. Reefton ist nur ein kleines Dorf, was bedeutet, dass hier halt jeder jeden kennt… Merkte man auch sofort, schon beim I-Site-Mädel! ;-) Wir zogen los, besuchten den Shop der Schweden-Freundin, erkundigten uns über die Fischgründe und Flüsse, fragten aber nicht direkt nach dem Schweden und zogen weiter. Aha, so sah sie also aus… ;-) Als Nächstes fanden wir heraus, dass das Hostel belegt war. Fragten hier dann direkt nach einem fischenden Schweden – ohne Erfolg. Wir versuchten unser Glück in einer Bar. Dort müsste er ja eventuell bekannt sein. Ein Polizist konnte uns zumindest das Auto beschreiben. Hm. Ehe es zu spät wurde, suchten wir nun das Haus von Seans Familie auf, dessen Türe bereits weit offen stand. Seans Schwester bat uns sofort herein. Wir begrüßten die Mutter, die gerade am Dinner-Kochen war, sowie Kätzchen und Kindchen. Gemütlich-buntes Haus, in dem Leben herrschte! Auch der gebürtig deutsche Vater kam bald in die Küche, zeigte uns in einer alten, deutschen Landkarte den thüringischen Wohnort von Vorfahren. Wir zeigten der Familie ein paar Fotos von Sean und den Straßengemälden auf unserer Digicam und verabschiedeten uns wieder um noch den Mini-Supermarkt aufzusuchen. Lustig, einfach mal Fremden einen Kurzbesuch abzustatten, von denen man ein Familienmitglied kennt. Wieder kamen wir an einer Kneipe vorbei, fragten die drei Einheimischen darin, nach dem Schweden. Prompt rief der Besitzer die Schweden-Freundin aus dem Shop von vorhin an. Bei ihr sollten wir am nächsten Morgen nochmals vorbeikommen. Der Schwede würde in den kommenden Tagen leider nicht in Reefton sein, aber wir sollten ihm eine Nachricht hinterlassen, die sie ihm geben würde… Hui, wenn das nicht komisch wirkte… Naja, bloß schade, dass wir den Mann nicht selbst treffen würden! Aber immerhin scheint er gut gelandet zu sein. :-D Im Supermarkt ergatterten wir anschließend Pies (neuseeländische Blätterteigküchlein gefüllt mit Fleisch und Käse) für nur einen Dollar zum Abendbrot. Sonderpreis, da der Laden am Schließen war. Satt für zwei Dollar! Doch wo sollten wir nun schlafen? Oder doch noch am selben Abend weiter hiken? Die Cabins des Campingplatzes waren auch alle belegt. Wir sahen eine Pizzeria mit angeschlossenen Bed&Breakfast-Unterkünften. Da wir jedoch nur noch wenige Dollar in der Tasche hatten und es in Reefton keinen Geldautomat gab, glaubten wir nicht, hier etwas für unser Budget zu finden, rechneten schon fest mit Weiterreise. Wir fragten trotzdem mal, warteten ohne Hoffnung auf die zuständige Dame, die sich jedoch als freundliches, junges Mädchen entpuppte und tatsächlich von einem Preis von eigentlich 125 Dollar pro Doppelzimmer auf 60, 50 und letztlich 40 Dollar herunter ging für uns! Ihre Eltern, die das eigentlich betrieben, seien nicht zu Hause, hätten aber sicher dasselbe getan! Zumal es bereits Neun war, noch einige Zimmer frei und kein weiterer Gast in Sicht. Damit hatten wir nicht gerechnet! Ein Billighostelpreis für eine luxuriöse Bed&Breakfast-Unterkunft! Wir sagten, wir müssten kurz überlegen und kämen wieder um Bescheid zu geben und ob ihre Eltern denn dann auch sicher nicht verärgert wären?! Nein, das ginge in Ordnung! Erstaunt setzten wir uns vor eines der Häuser Reeftons, zückten die Tüte mit unserem Busker-Kleingeld und begannen zu zählen. Würde für eine Nacht gerade reichen! Wow! Plötzlich öffnete sich die Haustüre hinter uns und ein 5jähriges Mädchen schaute hervor, setzte sich zu uns und begann einfach zu plaudern, nahm freudig Kekse  an und lud uns binnen Minuten ein, in ihr Haus zu kommen, dort auch zu schlafen… würden immer mal Leute machen! Süßes Mädchen! Wir sagten aber, dass das mit dem Schlafen nicht einfach so ginge! Kurz darauf erschien sie wieder mit ihrer Mama, die sich nun auch zu uns auf die Stufen setzte. Sehr nette Frau! Sie hätte nichts dagegen gehabt uns wirklich aufzunehmen, doch wir wollten das nicht. Es stellte sich heraus, dass sie die Inhaberin des hübschesten Cafes Reeftons war, welches uns kurz zuvor noch dringend von Seans Familie empfohlen wurde. Whitebait-Sandwich sollten wir dort als lokale Köstlichkeit probieren. Tja, das wäre eben genau dort am besten. Als die Frau dies mitbekam, lud sie uns sogleich auf Whitebait am kommenden Vormittag ein und besorgte uns noch einen Donut (eher wie ein lang gezogener Berliner mit Sahne-Erdbeerfüllung) als Dessert für sofort aus ihrem quer gegenüberliegenden Cafe! Wahnsinn! So nette, freundliche, hilfsbereite Menschen auf unserem Weg! So viele Angebote und auch Zufälle! Wir zogen zurück in die Pizzeria, zahlten mit Kleingeld das Zimmer und wurden in ein ganzes Haus im Garten des Anwesens geführt! Bad, Wohnzimmer, Küche inklusive befülltem Kühlschrank fürs Frühstück, herrliches Badezimmer und ein traumhaftes Schlafzimmer mit eigenem TV, kleinem Kamin, riesigem, weichem Bett und Handtuch-Rose darauf war unser Reich für eine Nacht! Wahnsinn! Das Mädchen brachte uns auch gleich noch Duschgel, Shampoo und Haarspülung. Das hatten wir nicht eingepackt, hatten wirklich nur das Nötigste bei oder an uns um ein oder zwei Tage zu überstehen. Wer rechnet da schon mit sowas? In dem kleinen, schönen Haus gab es noch drei weitere Schlafzimmer, von denen aber nur eines von einem kanadischen Geologen besetzt war, der zwecks Arbeit während Bushwalks Daten über Reeftons Goldmiene zusammen trug und diese am PC auswertete. Sein bester Job bisher, wie er uns mitteilte. Die Kuppen der umliegenden Berge wurden von der Abendsonne rot gefärbt. Wir begaben uns nach draußen, wanderten durch Reeftons leere, hübsche Straßen und sahen etwas, das wir bisher so auch noch nie gesehen hatten: Einen Regenbogen hoch über den Bergen am blauen Himmel! Foto! Vorbei an einem großen Skaterpark gingen wir an den Fluss, der sich in einem Bett aus Steinen seinen Weg durch die dunkelnde Welt bahnte. Das Abendrot reflektierte auf der Wasseroberfläche des Flusses. Beides erlosch bald. Reefton war eine Goldgräberstadt, die 1870 aufgrund der Edelmetallfunde auflebte. Auch heute gab es dort wieder eine aktive Goldmiene, in der so einige Bewohner Reeftons arbeiteten. Im Jahr 1888 bekam sie als erste Stadt öffentliche, elektrische Beleuchtung, was ihr den Beinamen als Stadt des Lichtes verschaffte. Angeblich hatten nicht einmal Australien, London und andere Weltstädte so früh elektrische Beleuchtungen! Das sah man auch, denn funkelten am Abend entlang der Hauptstraße mit ihren Shops, Bars und Cafes schöne Laternen und Lichterketten. Reefton ist kein typischer Touristenort, nur wenige Prozent der Neuseelandreisenden kommen hier durch. Uns gefiel sie! Wir trafen hier mal keine deutschen Backpacker an, sondern eben viele nette, hilfsbereite, freundliche Bewohner! Vielleicht war Reefton eines der schönsten Städtchen, die wir bisher gesehen hatten und der heutige Tag mit seinen vielen, vielen interessanten und unglaublichen Begebenheiten zugleich einer der schönsten unserer Reise! Einfach Wahnsinn! Auf dem Weg zurück in unser herrliches Haus schauten wir noch durch einige Ladenfenster, entdeckten tolle Bilder mit neuseeländischen Cowboy-Berg-Motiven in einem Bilderrahmen-Atelier. Wir trafen den Mann der Cafe-Frau, der uns noch auf einen Besuch der alten Miener am kommenden Vormittag einlud, wo er eine Reisegruppe hinführen wollte. Das hatte uns Sean auch empfohlen! Ja, gern! Nach einem kurzen Gespräch mit dem Geologen, einer guten, warmen Dusche inklusive Haarwäsche mit Conditioner (gab es noch nie seit wir in Neuseeland gelandet waren) fielen wir bald ins weiche, ordentlich gemachte Bett. Wow! Toller Tag!
Dienstag:
08.30 Uhr erwachten wir. Draußen Regen – so richtig in Strömen! Aber wir waren im Haus. Kein kleines Auto, in dem wir kaum Chancen hätten trocken zu bleiben. Der Kühlschrank hielt eiskalte Milch, verschiedenes Toastbrot, Marmelade, Honig, Butter bereit. Instantkaffee (hier sowieso die meist verbreitete Kaffee-Art, mach ich mir ja auch jeden Morgen!), Tee und Cornflakes im Regal. Ich probierte neben Toast Weet-a-bix. Das ist sowas wie ein Riegel aus gepressten Haferflocken, der sich in Milch in einen Haferbrei umwandelt… Essen sehr viele Leute in Neuseeland zum Frühstück. Wolfi wählte kontinental, wie immer. :-D Gesättigt und sauber verließen wir um Zehn die Unterkunft, stürzten uns in den Regen. Zuerst ab in den Shop der Schweden-Dame, bei der wir nach kurzer Erklärung (und sie war nicht verwundert oder so) auf einem Butterbrotpapier eine Dankes-Nachricht inklusive Handynummer für den Schweden hinterließen. Dann gingen wir zu den alten Mienen-Arbeitern, die hinter einer Ecke der Straße ein kleines, gemütliches Gräber-Örtchen errichtet hatten. Auf einem alten Schmiedeofen kochten große, schwarze Kannen voll Wasser. Männer in dunkler Kluft mit langen, grauen Bärten und Hüten saßen umher, waren nicht sehr gesprächig, aber freundlich. Da kam auch schon der Touristenbus und eine Gruppe amerikanischer Reisender stieß zu uns, geführt vom Mann der Cafe-Frau. Einer der Miener bereitete Manuka-Tee vor den Augen der Gäste zu, verteilte eine Tasse an jeden. Wir kamen ins Gespräch mit einigen der Amerikaner, die alle interessiert waren mehr von unserer langen Reise und unserem Leben zu erfahren. Wurden auch gleich mal nach Kalifornien eingeladen. :-) Als die Gruppe weiter zog und die Miener wieder einpackten, besuchten wir das Atelier mit den schönen Bildern, unterhielten uns mit den Inhabern, die uns so indirekt anboten, dass falls wir nicht weiter kämen, wir auch für eine Nacht bei ihnen unterkommen könnten um am nächsten Früh mit nach Christchurch zu fahren, wo sie eh hin wollten. Wir wollten die 250km aber heute schon allein schaffen, bedankten uns und gingen. In der I-Site schauten wir, nachdem die Amerikaner-Truppe weiter gezogen war, eine Ausstellung und ein Video über die Geschichte Reeftons an, gingen dann in Richtung des Cafes weiter, wo das Whitebait-Sandwich wartete… Huh, wir setzten uns an einen der überdachten Außentische und bekamen nach kurzem Warten die lokale Spezialität aufgetischt. Für Wolfi war von vornherein klar, dass er es nicht essen würde. Ich war mir nicht sicher, wollte aber wenigstens einmal Whitebait probiert haben. Auf Toastecken lagen ein Omelett, in welchem kleine Baby-Forellen eingebacken waren – im Ganzen! Die waren noch so jung, dass sie keine wirklichen Gräten hatten. Ihre Augen aber gut sichtbar… Merkwürdig. Ich machte einen Happen. Schmeckte eigentlich bloß wie Omelett mit leichter Fischnote. Die Zunge bemerkte, dass da aber noch was eingebacken war… Hmmm, naja. Zusammen mit dem Toast essbar, allerdings hätte ich nach einigen Bissen und unter ständiger Beobachtung durch die gebackenen Fischaugen auch doch ein normales Omelett vorgezogen. Uah, die letzten Happen waren sehr schwierig, doch ich schluckte ohne Kauen und aß auf. Mindestens 50 Baby-Fische schwammen nun in meinem Bauch und Wolfi freute sich über meine Miene. Wir bedankten uns bei den beiden Cafe-Besitzern mit Abschlussfoto, hinterließen Mail-Adressen und machten uns im strömenden Regen auf an die Straßenseite. Dort versuchten wir nun vergeblich eineinhalb Stunden und irgendwann total durchnässt eine Mitfahrgelegenheit über den Lewis Pass nach Christchurch zu finden. Kaum Verkehr, von hundert Autos fuhren schätzungsweise 35 vorher in Reefton ab, weitere 35 drehten genau auf unserer Höhe am Toilettenhaus um und die restlichen 30 beachteten uns gar nicht. Kein einziger hielt! So einfach schien das nicht. Plötzlich kam die Cafe-Frau (Ronnee) unter einem Schirm auf uns zu, sagte, dass wenn wir nicht binnen der nächsten halben Stunde verschwunden seien, sie uns 40km weiter an eine belebtere Stelle fahren würde. Wir sagten, dass wir das keinesfalls wollten, gaben uns Mühe und lächelten noch freundlicher an der Straße. Eine halbe Stunde später stand sie im Auto vor uns, ihre 5jährige Tochter auf dem Beifahrersitz und lud uns doch ein. So hatten wir uns das mit dem Hitchhiken ja nicht gedacht! Oh Gott, wir sagten nochmals, dass sie das nicht machen brauchte, doch sie wollte es so! Nun fuhren wir kurz zurück zu ihrem Cafe, wo sie mit einem prall gefüllten Verpflegungsbeutel für uns wieder herauskam! Oh nein! Da hatte sie uns zwei riesige, belegte Panini, zwei Äpfel, einen Orangen- und einen Apfelsaft eingepackt. Insgesamt im Wert von mindestens zwanzig Dollar und für uns hier kein Alltagsstandard für eine einzige Mahlzeit! War die wahnsinnig? Auf der vierzig-minütigen Fahrt unterhielten wir uns gut und verabschiedeten uns an der Springs Junction herzlich voneinander. Immer wieder sagten wir Danke bis sie und ihr Mädel davon fuhren. Oh man! Kaum war sie aus Sichtweite fielen wir unter einer Überdachung über den Beutel her… :-D Vor der Tankstelle sprachen wir zwei Fahrer an, die aber nicht in Richtung Christchurch wollten. Beim dritten hatten wir Erfolg! Ein Afrikaner räumte neben seinem Fahrersitz zwei Plätze frei und wir stiegen ein. Er kam aus Ghana, lebte einige Jahre in Deutschland, zog dann nach Neuseeland und reiste aus Geschäftsgründen ständig um die Welt, sprach neben dem einfachen, afrikanischen Englisch, das sehr lustig klang und teils gar nicht so leicht zu verstehen war, einige weitere Sprachen. Im Anhänger waren Trommeln und afrikanische Importwaren geladen, die er hier in seinen Shops verkaufte. Wolfi wollte sofort bis Christchurch mitfahren. Mir war es zuerst mal wieder ein bisschen komisch. Wir saßen in seinem alten Van so eng zu dritt nebeneinander, ich direkt neben dem Mann auf dem Mittelsitz, unter dem der heiße Motor arbeitete. Klamotten waren nass, es roch leicht nach Schweiß, war sehr warm und der Van mit Anhänger ächzte langsam bergauf. Immerzu wiederholte der Mann: „Veeeeeery old car, goes veeeeeery slooooooow“ (R rollen!). Ab und an schlingerten wir mal etwas hin und her, wenn der Afrikaner in den Gesprächen zu uns blickte statt auf die Straße. Doch langsam fasste auch ich mehr Vertrauen und es wurde interessant. Immer wenn er bemerkte, dass uns ein Berg oder ein Ausblick besonders gefiel, fragte er mindestens fünf Mal, ob er anhalten sollte für ein Foto, nutzte die Fotopause zum Abkühlenlassen des Motors. Lustig, wie er Dinge, die ihm wichtig waren, immer lauter werdend wiederholte. Wir befragten ihn über das Leben in Ghana, den Islam und seine Reisen. Versuchten, alles zu verstehen, was er uns erzählte. Über vier Ehefrauen, Elefanten, religiöse Regeln ging es ab in die Politik des Sudans, die ihn scheinbar stark beschäftigte. Intensiv erläuterte er uns diese. Als er dachte, es wäre zu kompliziert, versuchte er es sogar auf Deutsch, fragte immer wieder ganz laut und oft „Versteht ihr mich?“ „Was habe ich gesagt?“. Doch wir verstanden, zum Glück! In Culverden, 50km vor Christchurch, hielten wir gegen 18.00 Uhr, wo sich der Afrikaner samt Gebetsteppich auf eine Wiese begab. Dann ging die Fahrt weiter. Nach vier Stunden erreichten wir am Abend Christchurch. Wir bedankten uns bei dem Mann, der eine sehr interessante Begegnung für uns war, uns seine Lebensweise etwas näher gebracht hatte! Nach einem Stück Afrika ging es für uns wieder zurück nach Christchurch. Direkt vor der Bibliothek ließ uns der Afrikaner heraus. Wir wünschten ihm alles Gute und bedankten uns für die Fahrt! Da die Bibliothek sogar noch offen war, schrieb ich sofort am Blog während Wolfi am PC im Internet surfte. All die Erlebnisse wollten festgehalten werden… Laaaaaaaaaange Geschichten, viel gesehen und erlebt… Oh, ihr Armen! :-D Nach Bibliotheksschluss um Neun machten wir uns auf um Joy abzuholen. Ein letztes, achtes Mal per Hitchhike! Trick: Fußgängerampel auf Rot schalten und wartende Autos abfassen… ;-) Der Typ der uns die 2km mitnahm, wohnte fast gegenüber von unserem Parkplatz. Joy stand da, unversehrt und friedlich. Wir bedankten uns schnell bei der Familie, die unser Auto gut bewacht hatte und fuhren nochmals in die Stadt ins McDonalds. Ohne Wartezeit, im eigenen Auto! Schon von Vorteil! Eis, Strom, Weitertippen… laaaanger Blog… Wolfi erspielte zwischenzeitlich auf der Straße vier Dollar! :-D Kurz nach Zwölf fuhren wir an den Avon-River, wollten trotz Wochentag dort schlafen, weil es nah war. Dort entdeckten wir aber eine Gruppe Jugendlicher, die mit einem Draht versuchte ein abgestelltes Auto aufzuknacken. War das wirklich ein Einbruch, den wir da gerade beobachteten? Schien so! Ich nahm das Handy, duckte mich ab und rief mit Stadtplan in der Hand die Polizei an. Einer freundlichen Dame erklärte ich, was da vor uns geschah, wo wir waren usw., während mir Wolfi Details über den aktuellen Stand des Einbruchs lieferte, die ich weitergab. Ich sagte der Frau, dass wir bevorzugen würden, hier nun wegzufahren statt weiter zu beobachten, da die Gruppe uns ja genau sehen konnte. Doch die Frau bat ganz ruhig darum abzuwarten bis die Polizei eintraf. Das geschah binnen drei Minuten während die Frau noch immer am Telefon mit mir weiter sprach. Ich bestätigte ihr, dass die Polizei nun die richtigen Leute erwischt hätte, sie bedankte sich, wünschte uns eine gute Reise und beendeten das Gespräch. Wir beobachteten nur ganz kurz, wie die Polizei sich zu der Gruppe noch immer am Auto beschäftigter Jugendlicher gesellte und fuhren davon. Hui, krass! Noch weitere drei Polizei-Autos begegneten uns und schienen auf dem Weg dorthin. Gute, schnelle Polizei hier! Schließlich fuhren wir also doch stadtauswärts, parkten wieder an unserem altbekannten Friedhof, verriegelten alle Türen gut und schliefen nach Eins ein.
Mittwoch:
Um Acht schien die Sonne warm, ich begann weiter zu schreiben. Wolfi erwachte gegen Neun. Wir fuhren zum Toilettenhaus, meldeten uns bei Mama zurück… Endlich ist alles aufgeschrieben!!! Unendlich viel, aber geschafft! Sind nun nach anstrengender Parkplatzsuche in der Stadtbibliothek und laden hoch! Viel zu viel zu lesen…, was?

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2 Antworten auf Mal anders: Mit dem Zug in den Westen und per Hitchhike zurück!

  1. Susanne sagt:

    Hallo ihr Lieben!
    Nach euren letzten Erlebnissen kann es einem beinahe die Sprache verschlagen. Da fällt mir wirklich kein Kommentar mehr ein. Passt gut auf euch auf und seid lieb gegrüßt von M.

  2. Sean sagt:

    Achja, die tolle Westkueste und das shoene und verschlafene Reefton :-)

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