Gedanken um Christchurch, zweiter Anlauf Mount Cook, mehr Berge, Seen, Wandern, Doppelkopf

Auf einen Schwimmbadbesuch, der zumindest etwas unseren schwarz verfärbten Traubensafthände entgegenwirkte, folgte Einkauf und schon ging es wieder zurück nach Bendigo. Während des Abendbrotes erfuhren wir hier von Zuhause per SMS erstmalig von dem Beben in Christchurch. Entsetzen, Erstaunen, Schreck, Unglaube… wir wussten gar nicht, was wir davon halten sollten, konnten uns nicht vorstellen, was da in unserem Christchurch geschehen sein sollte, welche Ausmaße und Auswirkungen dieses neue Erdbeben hatte. Wir sahen vor Ort kurz im nur knapp verfügbaren Internet ohne Bilder nach, lasen von über 70 Toten, Chaos und Zerstörung und schrieben noch schnell eine kurze Blogmitteilung an euch um Sorgen und Ängsten vorzubeugen, da 500km zwischen Bendigo und Christchurch lagen und wir absolut nichts vom Beben mitbekommen hatten. Per SMS nahmen wir anschließend Kontakt zu Bekannten in Christchurch auf und bekamen die erste Rückmeldung von Tomomi, dem japanischen Magie-Jongleur, der nur sehr knapp antwortete und schrieb, dass er und seine Freundin großes Glück gehabt hätten und es ihnen nun soweit ganz gut ginge. Erst nach und nach sickerte die Information über das Geschehen in uns, blieb zugleich trotzdem unvorstellbar und unreal. Wir waren doch letztens noch dort und alles war gut! Und hier und jetzt schien doch auch die Sonne, alles wirkte freundlich und wie immer! Das konnte unmöglich sein! Wir hatten keine Bilder, keine Beweise, keine Vorstellung! Unreal! Ein Erdbeben der Stärke 6,3 am Mittag des 22.02.2011, in nur 4km Tiefe und bloß 5km entfernt vom Zentrum Christchurchs. Laut Richter-Skala damit schwächer als der Big Shock vom September, jedoch viel näher an der Oberfläche, näher an der Stadt, zu einer Zeit, zu welcher es in den Straßen der Stadt von Leben dieses Mal nur so wimmelte. Tote! Als Wunder galt es, dass im September nicht ein Mensch umkam. Christchurch war im Wiederaufbau, die Menschen glaubten, es überstanden zu haben! Und nun das! Wir dachten an unsere Bekannten, fragten uns, ob jemand zu Schaden gekommen war, wie es der Einrad-Fahrer-Gruppe, den Jongleuren und Feuerkünstlern mit dem alten Zacra erging, ob unsere trommelnden Busker-Bekannten heil davon gekommen waren, ob die Portemonnaie suchende Frau in Sicherheit war, ob unsere Schwedenecke noch wieder zu erkennen sein würde, wie der sonst so lebendige Square mit der schönen Kathedrale nun aussah. Die Stadt, die uns ungeplant lange, schöne vier Wochen in den Bann ihres Treibens aus Kunst, Show, Magie und Musik gezogen hatte, in der wir nette, interessante Menschen kennen gelernt und neue Freunde gefunden hatten, Neues erfahren und ausprobieren durften, diese Stadt, die uns einfach ans Herz gewachsen war, in der wir nun so einige Winkel und Gassen kannten, uns eingelebt hatten und zu der wir beinahe wegen eines Jobs noch einmal zurückgekehrt wären, erfuhr nun nochmals Angst und Schrecken! Konnte das sein? Wir berichteten den beiden Dortmundern davon, sahen zusammen einen Film am Laptop und gingen mit einigen Gedanken um die neuen Nachrichten ins Bett.

Am Mittwochmorgen regnete es wieder, weswegen uns nochmals per SMS die Arbeit abgesagt wurde. Da unser Vertrag außerdem ausgelaufen war, endete zugleich das Arbeitsverhältnis. Weinjob beendet, Weiterreise stand an. Wir riefen Mama an, die erschüttert über die Nachrichten aus Christchurch von den schreckliche Bildern der Stadt aus dem Fernsehen berichtete. Noch immer blieb für uns unvorstellbar, was dort ablief: kein Radio, keine Bilder, keine Informationen in Reichweite. Sollten wir zurückfahren, Hilfe anbieten? Doch legten wir schließlich mit Marian und Felix fest, zusammen noch einmal in Richtung Mount Cook zu fahren und erfuhren auch bald, dass vorerst niemand nach Christchurch eingelassen wurde. In Cromwell kauften wir für den erneuten Alpenausflug ein, tankten auf, trafen noch kurz die anderen Dortmunder, die noch länger in der Region arbeiten würden und von denen sich Felix und Marian deshalb für eine Weile verabschiedeten. Dann ging es gegen 15.00 Uhr los. Im 70km/h-Tempo des Vans von Marian und Felix fuhren wir zurück über den goldenen Lindis Pass in die MacKenzie-Region, durch Omarama mit dem Schafsbock-Wahrzeichen, vorbei an Twizel bis zum Mount Cook. 210km, auf denen wir endlich etwas Radioempfang hatten, endlich Live-Berichte über Christchurch bekamen. Wir hörten von mittlerweile über 100 Toten, noch über 200 Vermissten, dem drohenden Einsturz des Grand Chancellor Hotels, den Evakuierungen der Stadt, dem überfüllten Hagley Park, der als eines der Flüchtlingslager diente und in dem vor Kurzem doch noch friedlich bei Sonnenschein tausende Zirkadenhüllen an Baumstämmen hingen und wir in der Sonne jonglierten. Unvorstellbar, noch immer! Es wurde berichtet, dass für Menschen, die sämtliches Hab und Gut verloren hatten, Unterkünfte in Wohnungen in Nachbardistrikten gesucht wurden. Und endlich kam auch eine weitere SMS vom Prinzen Pascal auf dem Handy an! Er war zusammen mit einigen Freunden aus der Zirkusschule an einem sicheren Ort untergekommen. Es ging ihnen gut. Wir erreichten Lake Pukaki, erste Alpenzüge umgaben uns. Wieder ab und an Nieselregen und graue Wolken, jedoch nicht ganz so dicht wie beim ersten Mal. Die Wetterprognose für den Mount Cook war etwas günstiger als letztes Mal, aber trotzdem nicht wirklich top. Dieser zweite Versuch, den höchsten Berg des Landes zu sehen, würde zugleich unser letzter sein. Wir hofften sehr, dass die Anfahrt nicht umsonst gewesen war. Gegen 18.00 Uhr erreichten wir das Tasman Valley. Umgeben von Alpenbergen, deren Gipfel aber noch immer durch Wolken versteckt waren, parkten wir unsere Autos auf einem Wanderparkplatz in der Alpenwildnis. Da es gerade nicht regnete, machte ich mich sogleich auf, drei kleine Wanderwege zu erkunden, die Blicke auf den mit 29km längsten Gletscher Neuseelands, den Tasman Glacier, versprachen während die Jungs es vorzogen in den Autos zu bleiben, den Film vom Vorabend zu Ende zu schauen und mal wieder zu basteln. Nach 20min Wanderung durch ein Gesteinsmeer zwischen den Bergen lag der Tasman Glacier See vor mir, der seinen Abfluss in den Lake Pukaki hatte. Zum ersten Mal im Leben erblickte ich hier große Gletschereisschollen! Unter schwarzer Decke blitzte das dicke, stechend blaue Gletschereis auf. Ein Touristenboot wirkte unglaublich winzig gegen eine einzige dieser Schollen. Ich kletterte über einige Steinhügel näher an den See heran, sah in der Ferne den großen Tasman Glacier, der als Besonderheit gegenüber anderen Gletschern ein annähernd horizontales Ende aufweist und dessen obere zwei Meter Eis dreckig schwarzgrau aussehen, weil der gesamte Gletscher von oben her schmilzt, sodass Gesteinsdebris herab auf die horizontale Gletscherzunge getragen wird. Da deren obere zwei Meter deswegen sehr dreckig erscheinen, wird der Tasman Glacier auch „Ugly Glacier“ genannt. Jedoch verbergen sich darunter unvorstellbare 200 bis 700m dicke, blaue Gletschereisschichten! Wie viele Gletscher der Erde ist auch der Tasman Glacier am Schrumpfen, verliert jährlich 0,5% seiner Masse. Es wurde später, also beeilte ich mich, hüpfte noch schnell an den Blue Lakes vorbei, hinauf auf einen weiteren Tasman Glacier Lookout und kehrte nach eineinhalb Stündchen zurück zu den Jungs. Unter regenlosen, grauen Wolken machten wir Abendbrot mitten in dieser wahnsinnigen Bergwildnis, verzogen uns danach in ein dem Parkplatz angeschlossenes Holzhüttchen, wo wir bis nach halb Zwölf im Schein der Taschen- und Stirnlampen die Zeit vertrieben. Marian und Felix wühlten ein doppeltes Skatblatt hervor und erfassten auf Skat-Grundlage in Windeseile anhand unserer Erläuterungen, wie Doppelkopf gespielt wurde. Wir hätten nie geglaubt, in Neuseeland mal einen Doppelkopf-Abend zu verbringen, doch wurden wir nun eines Besseren belehrt! Es war schön, jenes deutsche Spiel, das wir von Zuhause und unserer ganzen Sippe kannten, in dieser Umgebung zu spielen. Und gerade als sich Felix umdrehte um die Hütte kurz zu verlassen, reflektierten zwei Augen von draußen gruselig das Taschenlampenlicht! „Uah!“ hörten wir ihn nur rufen und sahen selbst, was der Anlass war! Ein dickes Opossum saß am Fenster der Hütte und beobachtete uns. Nach dem ersten Schreck lachten wir uns fast kaputt, fotografierten das interessante Wesen bis es dem Blitzlichtgewitter irgendwann davon sprang. Erstes, lebendes Possum gesehen! Der Doppelkopffuchs wurde nun auch mal gleich zum Possum umbenannt – etwas neuseeländisch sollte es ja sein! ;-) Wir fuhren unsere Autos ein paar hundert Meter ins Nichts, schliefen unterhalb der Berge in der Wildnis alpiner Steppenlandschaften unter einem Himmelszelt aus Wolken und Sternen ein – gespannt, ob uns der kommende Tag den Mount Cook zeigen würde.

Und Tatsache: Als wir am kommenden Donnerstagmorgen nach kalter Bergnacht gegen Neun die Augen aufschlugen und die Gardinen beiseite zogen, konnten wir kaum fassen, dass dort ein eisblauer Himmel mit wahnsinnig ungetrübten Ausblicken auf umgebende, teils schneebedeckte Berge vor uns lag, die für uns am Vortag noch unsichtbar waren. Wir in zwei Autos ganz allein in dieser gottverlassenen, atemberaubenden Alpenwildnis bei morgenkalter, reiner Luft! Wow! Wir freuten uns, waren froh, die vielen Kilometer noch einmal bis zum Mount Cook zurück gefahren zu sein, sprangen flink wie lange nicht aus dem Bett, rüttelten die Jungs wach, beeilten uns mit dem Frühstück um so schnell es möglich war bei diesem herrlichen Wetter unsere Wanderungen zu beginnen, denn bahnten sich am Horizont doch wirklich schon wieder einige Wolken an. Endlich mal wieder die Wanderschuhe schnüren! Lange lagen sie unterm Autobett und bewegten sich nicht… Zu viert liefen wir nochmals den kurzen Weg bergauf zum Lookout-Point des Tasman Glaciers mit seinem See, der über Nacht schon wieder ganz neue, anders geformte Eisschollen in den See abgeworfen hatte. Im Gegensatz zum Vortag sah man nun jedoch auch hier viel mehr von den umgebenden Bergen. Die Jungs waren beeindruckt von der Aussicht und dem Gletscher. Die Wolken rückten näher, wir schwangen uns schnell in die Autos und fuhren auf den Parkplatz des Hooker Valley Walks, starteten unsere mehrstündige Alpenwanderung gegen 11 Uhr. Wir liefen durch Steppen, überkreuzten reißende Gletscherflüsse auf drei großen Hängebrücken, genossen die Aussichten, die mittlerweile nun doch von einem Wechsel aus blauen Fleckchen Himmel und grauen Wolken ohne Regen begleitet wurden. Schnell konnte sich das Wetter in Bergregionen ändern. Störte jedoch nicht wirklich, denn die Dreitausender mit ihren enormen Schnee- und Gletscherflächen versteckten sich nicht auf Dauer und außerdem waren zeitweise wolkenverhangene Gipfel auch toll anzuschauen! Viele andere Wanderer, waren auf dem Track unterwegs, grüßten uns, schleppten Kleinkinder in Rucksäcken umher, bewunderten und fotografierten oder posierten nackt auf einem Felsen vor einem Gletscher mit Gletschersee (sehr lustig, wir trauten unseren Augen kaum als wir diesen nackten Typen da wirklich sitzen sahen). Als wir irgendwann um eine Ecke bogen lag er plötzlich und unerwartet vor uns: Aoraki Mount Cook! Da ragte er einfach so mit seiner Spitze in den Himmel – der höchste Berg unseres Reiselandes! Er zeigte sich uns riesig und klar, hinter Bergsteppen und Flussläufen, stach hervor aus vielen weiteren Alpenbergen und schien fast zum Greifen nahe! Wir liefen begleitet von seinem Anblick weiter, passierten weitere Steppen sowie Flüsse, ein kleines Hüttchen hinter einer weiteren Brücke und kamen irgendwann am Hooker Valley Gletscher mit seinem eiskalten See in einem Bett aus Steinen an. Nachdem wir unsere Füße ein wenig ausgeruht hatten, sprangen wir auf den Steinen umher um näher an den Gletscher zu kommen und machten uns schließlich wieder auf den Rückweg, der nochmals trotz selber Strecke neue Anblicke bot, da wieder etwas mehr Sonnenschein durchkam und das Licht gleich ganz anders auf die Landschaft fiel. Man sah nun auch zwischen zwei Bergen hindurch auf den türkisen Lake Pukaki, erhaschte Blicke der Gipfel von jedem einzelnen Berg und kam nach viereinhalb Stunden mit müden Beinen und leeren Mägen wieder auf dem Parkplatz an! Das war wirklich schön! Nicht zu heiß, ziemlich eben und einmalig Ausblicke! Wir warfen uns in der Sonne vor die Autos, aßen, tranken, kochten Kaffee und Tee, bewegten uns kaum mehr und beobachteten den direkt über uns aufragenden Berg, dessen schneebedeckter Gipfel sich mal in raupenartigen Wolken versteckte oder mal vollkommen in Sonne getaucht wurde und weiß strahlte. Wieder hatten wir ein Stück von Neuseelands vielfältigen Landschaften erlebt, wieder ganz anders als so Vieles, das wir bisher gesehen hatten. Erst gegen Sieben, nachdem wir über eine gemeinsame Reiseroute nachgedacht und entschieden hatten noch am selben Abend zusammen aufbrechen, bewegten wir uns aus unseren Campingstühlen. Wir fuhren etwa 100km zurück bis an einen See nahe Omarama. Am Lake Benmore parkten wir versteckt hinter Weidenbäumen direkt an einem Steg. Enten leisteten uns Gesellschaft, Felix kochte Milchreis im Dunkel und wir spielten Doppelkopf bis nach Elf. Endlich hatte auch Sean auf unsere SMS geantwortet, schrieb dass es ihm gut ging und seine Schwester in Christchurch ebenfalls wohl auf war! Allen Christchurcher Bekannten, deren Nummern wir hatten, war nichts Ernstes zugestoßen! Das war beruhigend zu wissen! Als ein leichter Regen einsetzte, verkrochen wir uns schnell in die Autos und gingen zu Bett. War ein langer, schöner Tag. In der Nacht, als ich wach lag, hörte ich Tiere um uns herum scharren, in unserem Müll und in unserem benutzten Geschirr wühlen… Hatten sicher Hunger! :-D

Lange lagen wir am Freitag im Bett, schauten durch die geöffnete Heckklappe direkt auf den See, beobachteten die schnatternden Enten, atmeten die abgeregnete, saubere Morgenluft ein. Ich las und Wolfi versuchte, den wie ihr vielleicht bemerkt habt, defekten Blog wiederherzustellen. Wir können uns nicht erklären, was da mit den letzten Artikeln und Fotos und euren vielen neuen Kommentaren geschehen ist… Ärgert uns ziemlich, aber wir arbeiten daran alles wieder hin zu bekommen! Braucht halt Zeit und nun, da wir in Begleitung unterwegs sind, ist dies nicht immer so einfach. Habt etwas Geduld und schaut immer mal vorbei… Die verloren gegangenen Artikel sowie eure Kommentare sind mittlerweile wieder drin, Fotos folgen! Nachdem auch die Jungs in Gang kamen, wir gefrühstückt und uns geordnet hatten, ging es gegen 13 Uhr weiter. Da Wolfi weiter am Blog arbeiten wollte, gab es für mich Premiere als Autofahrer auf richtiger Straße über eine längere Distanz. Dem langsam dahin kriechenden Van der Dortmunder folgend war das auch doch ganz einfach. Machte Spaß mal zu fahren! Nochmal durch die hohen, gelben Lindis Pass Berge zurück und kurz vor Bendigo ab nach Wanaka. Das war unser Ziel, welches wir am Nachmittag heil erreichten. Wir besuchten noch einmal das Recycling Center (Second-Hand-Shop ähnlich), schlenderten mit den Jungs durch die Straßen der Stadt, kauften ein und fuhren an die Seefront um uns Burger zum Abendbrot zu machen. Danach schlichen wir uns in das Base Hostel ein, genossen die warmen, gemütlichen Räumlichkeiten, bekamen endlich die Möglichkeit eine Zeitung mit den aktuellen Informationen über das Erdbeben durchzublättern und Bilder zu sehen, die uns doch noch einmal ziemlich schockierten! Wir überlegen auch noch immer, ob wir zurück fahren sollten… Gegen Elf begaben wir uns zum Schlafen wieder an den See, wurden trotz „No Camping, No Overnight Stay!“ Schildern auch in der Nacht nicht verscheucht…

… und erwachten am kalten Sonnabendfrüh per Wecker 08.00 Uhr mit See-Berg-Ausblicken. Nach gutem Frühstück machten wir uns auf zu einer weiteren Wanderunternehmung. Die 50km lange Fahrt in den Mount Aspiring Nationalpark führte zuerst entlang des Lake Wanaka, durch tolle, grüne Rundhügel, ging dann in eine Gravelroad (Schotterpiste) über, auf der wir weitere 40min durch unendliche Weide- und Farmflächen mit hunderten und tausenden von Schafen, Lämmern, Kühen und Kälbern fuhren. Über etliche Cattlestops (lustige Riffelteile in den Straßen, die Nutztiere vom Abhauen hindern sollen und beim Überfahren ordentlich Krach machen) und durch sechs aufregende Fords (Bäche, die einfach ihr Bett über die Schotterstraße fortführen und manchmal tiefer als gedacht waren) ging es bis auf den Raspberry Creek Wanderparkplatz auf einer Wiese zwischen den Bergen im Nirgendwo. Wunderschönes Nirgendwo! Wanderschuhe an, Sonnecreme drauf und zu viert machten wir uns per pedes wieder auf Tour: 10km Rob Roy Gletscher Wanderweg. Über Wiese ging es neben dem funkelnden Matukituki-River zu einer wirklich wackligen Hängebrücke und über diese weiter in einen Birkenwald. Geschützt vor der Mittagssonne wanderten wir im kühlen Waldschatten bergauf, steil bergauf. Mal guter Weg, mal verschütteter, zerstörter oder gar kein Weg, immer tiefer Abhang neben uns und stets weiter bergauf. 340 anstrengende Höhenmeter. Kein Vergleich zur letzten, sachten Wanderung unterm Mount Cook, aber enorm schön! Farne, Moose, Steine, Felsen, blauer Gletscherfluss weit unter und mal neben uns und ab und an ein kurzer Blick auf die Umgebung. Erst wurden Wiesen und Kühe immer kleiner, dann tauchten steile Bergwände neben uns auf, Wasser stürzte an vielen Stellen hinab, und plötzlich lag über uns ein Berg mit riesigem weiß leuchtenden Gletscher: der über 2600m hohe Rob Roy! Atemberaubende Anblicke! An einem kleinen Stopp in einer Waldnische erwartete uns eine feine Überraschung: ein frecher Kea-Vogel (neuseeländischer, grüner Bergpapagei) hockte dort ganz angstlos, ließ sich bestaunen und fotografieren – minutenlang, ehe er im Dickicht verschwand. Wir freuten uns sehr nun auch dieses Tier entdeckt zu haben und kletterten weiter hinauf. Bald erreichten wir das Ziel, ließen uns mitten zwischen den Bergen, Gletschern, Wasserfällen auf riesigen Gesteinsbrocken in luftigen Höhen und wärmender Sonne nieder um dort ein Stündchen diese unfassbare, weite Berg-Natur auf uns wirken zu lassen. Wie immer, wenn man das Ziel erreichte: Wasser trinken, in einen knackigen Apfel beißen, einfach ausruhen und genießen! Das war einer der spektakulärsten Orte, die wir bisher in Neuseeland besucht hatten! Ganz sicher! Noch einige weitere Kea-Vögel, deren heisere Schreie man schon aus den unter uns liegenden Wäldern aufsteigen hörte, gesellten sich zu uns und den anderen Wanderern, gaben im Flug schillernde Rot-Lila-Schimmer ihres grünen Gefieders preis und versuchten das eine oder andere Krümelchen zu stehlen. Freche Kerlchen! Wir begaben uns trotz der Schönheit doch irgendwann auf den Rückweg, welcher aufgrund des stetigen, steilen Bergab zwar ziemlich flott dafür aber auch ordentlich in die Beine ging und erreichten gegen Fünf den Parkplatz. Der Rob Roy Glacier Walk hatte uns, wie der Reiseführer bereits versprochen hatte, in der Tat alles, was man von einem alpinen Track erwarten würde, geboten. (Zumal wir als unerfahrene Alpenwanderer eh keine großen Erwartungen angestellt hatten und somit nur positiv überrascht wurden ;-) ). Unbedingte Besuchsempfehlung für diesen Mehrstunden-Walk, der nicht in jedem Reiseführer erwähnt wird! Die Fahrt führte uns zurück durch die Weiden, wo ein Paraglider direkt neben uns landete, entlang des Sees bis nach Wanaka. Nach Einkauf ging es wieder ab an unseren Seeufer-Platz, wo auf Abendbrot eine gesellige Doppelkopf-Runde folgte. Glatt sprach uns ein Mädchen aus Norddeutschland an, dass ebenfalls Doppelkopf zu spielen wusste und sich für einige Zeit mit zu uns gesellte. Am weiten, klaren Sternenhimmel entdeckten wir viele Sternschnuppen. Nächtliche Kälte brach ein und wir verzogen uns irgendwann in unsere wohligen Autobetten.

Am heutigen Sonntag haben wir uns bisher noch keinen Meter vom Seeufer wegbewegt, sitzen hier seit Stunden vorm Wasser und den Bergen, beobachten andere Camper, Reisegruppen und mutige Badende, trinken Kaffee, lesen, stellen Blog wieder her und Wolfi und Marian basteln mal wieder vergnügt. Der Himmel hat sich mittlerweile von strahlend blau nach weißgrau verfärbt. Ein leichter Wind hält die gefühlte Temperatur ziemlich kühl und der Sonntag zieht so an uns vorüber. Sitzen nun im Internetcafe in einem Hostel und haben die letzten 130 Bilder wieder hochgeladen. Binnen der naechsten halben Stunde werden auch die Beschriftungen folgen. Also ab dem Artikel “Achteinhalb Stunden…” bis “Weingut-Arbeit und Am-See…” gibt es wieder Bilder zu sehen. Es wird… :-)

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