Queenstown, Glenorchy, nun Manapouri, kurz vor Ablegen – uuuund neue Fotos (Teil 2)

Fast der gesamte Montag wurde von uns am Ufer des Lake Wanaka zur Riesenwäschetrocknung genutzt. Über einen Baum und beide Autos spannten wir unzählige Leinen, auf welche wir sämtliche gewaschenen Sachen zum Trocknen hängten, was so witzig aussah, dass andere Touristen die Szene vorm See immer wieder fotografisch festhielten. Während Marian und Wolfi mal wieder verschiedenen Experimenten und Basteleien nachgingen, verfolgte ich angespornt durch Felix (und nach einiger Überwindung) diesen auf einem Joggingtripp entlang eines sehr schönen Weges am Seeufer. Das müsste seit meiner Schulzeit und somit vielen Jahren eigentlich mal wieder der erste längere Ausdauerlauf gewesen sein! Das Hinwärts war auch noch verhältnismäßig gut, bis auf einen nassen Schuh durch eine Bachüberquerung. Vorbei an Kanuka-Wäldchen mit dem prächtigsten Fliegenpilz, den ich je gesehen hatte, kleinen Weinfeldern und viel Seestrand stets begleitet von Ausblicken über den See und die Berge ging es im Laufschritt bis zum Zielhügel, von welchem man besonders weite Sichten über das grüne Umland genießen konnte während sich Beine entspannten und sich die Atmung zu normalisieren versuchte. Schon wirklich schöne Gegend um Wanaka! Gott, aber das Laufen war schon sau anstrengend. Und seit mir Felix auf dem letzten Drittel meines Hinweges auf seinem Rückweg begegnet war, war auch die Motivation am Boden. Der Rückweg gestaltete sich dementsprechend schrecklich. Beine wie Blei, unbändiger Durst und nix zu trinken, mehr Pausen und Gehen als Laufen. Als ich endlich wieder an den blauen Trauben vorbei kam, musste dann auch doch ein Rebchen zur Stärkung dran glauben… Etwa 12km, von denen ich geschätzt nur die Hälfte wirklich laufend verbracht hatte, umfasste die sportliche Betätigung. Total kaputt Auto und Jungs erreicht, die schon von Weitem durch die im Winde wehenden, bunten Wäschereihen auffielen, und schnell ab in den See! Ein Seebad war genau das Richtige nach diesen Anstrengungen. Herrlich erfrischend, tolles Wasser, tolle Bergkulisse. Auch Wolfi sprang mit hinein. Wir befanden, dass dieses Lake Wanaka Schwimmen seit Langem eines der schönsten war. Gegen Sechs brachen wir, alle Klamotten wieder verstaut (Wahnsinn, wie viel doch in die Autos passte!), in Richtung Queenstown auf. Hinter Cardrona, einem kleinen Ort mit einem historischen Hotel am Straßenrand, ging es auf (mal wieder) eine der schönsten Fahrtstrecken des Landes, die Crown Range Road, welche eigentlich schon seit nun fast sechs Monaten eine unserer treusten Begleiter ist. Wie kann das sein – eine Straße als Begleiter? Tja, seht in den Fotos bald selbst!!! Ohne sie bzw. den Inhalt hätten wir sicher nicht so viele schöne Orte und Schlafplätze gefunden! ;-) Da mussten wir uns natürlich schon die Mühe machen, genau den Aufnahmepunkt herauszufinden und einen fast identische Szene nach zu stellen. Nach fast sechs Monaten Gedulden war es soweit! Zu unserer größten Freude und Begeisterung kam tatsächlich gerade auch noch ein ähnliches Mobil angerollt und tatdaaaaa… Also, seht selbst! :-D Wir haben gejubelt über das tolle Ergebnis! Das musste schon sein! Auf jeden Fall ist das Befahren dieser szenischen Strecke wirklich ein Erlebnis gewesen, wie unser Hitchhike-Afrikaner schon sagte „looooooooooooong way down“, über Kilometer nur bergab – gerade oder in engen Serpentinen – mit weiten Blicken über Hügel, Weideland, Lake Wakatipu mit Queenstown und die prominenten Remarkables, eine eindrucksvollen Bergkette auf der gegenüberliegenden Seeseite. Schließlich erreichten wir die 9000-Einwohner-Stadt Queenstown, die Stadt der Touristen auf der Suche nach Action- und Extremsport, Alkohol und Feiern und außerdem aufgrund der Umgebung auch einer der landschaftlich schönsten Flecke im Lande. Tatsächlich fielen beim Befahren des Zentrums sofort die vorwiegend jugendlichen Backpackermassen auf, die viele lebhaften Kneipen, Burger und Pizza-Läden, zig Info-, Touri- und Outdoorshops. An jeder Ecke wurde für Bungy-Jumps, Riesenschaukeln, Skydive, Paragliding, Fjordland-Touren oder Pub-Crawling geworben. Binnen der ersten Minuten trafen wir zusammen mit den Dortmundern in einem großen Internetcafe auch gleich mal wieder auf Joschi, den wir zusammen mit seinem Bier und einem Kumpel erst kurz zuvor am Lake Wanaka kennen gelernt hatten. (Kleiner Nachtrag dazu noch: Heiß diskutiertes Thema unter Backpackern, das wir auch mit Joschi und seinem Freund erörtert hatten: „Welche Synonyme werden für das Apfelkerngehäuse verwendet?“ – Apfelkrebs (wir, volles Unverständnis vom Rest), Kripsch, Butzen (Freund aus Baden-Württemberg), Apfelkrotzen (Joschi, aus der Pfalz). Die Krotzen toppte da schon alles und wird seitdem immer wieder mal belustigt von uns verwendet… ;-) ) Joschi schloss sich uns sofort an als er hörte, dass wir gerade für unser Abendmahl den Fergburger-Laden Queenstowns aufsuchen wollten. Der für seine Burger so bekannte Laden, von dem wir schon auf der Nordinsel gehört hatten, war mehr als gut besucht, doch hielten auch wir nach gar nicht allzu langer Wartezeit jeder einen dieser Riesenburger für 10 bis 20 Dollar auf der Hand. Schnell war dieser natürlich auch im Bauch. Bewertung: Lecker, macht satt, aber Grund zum Berühmtsein naja… Auf jeden Fall hatten wir nun schon mal eines der persönlichen Queenstown-Highlights bzw. Must-Dos abgehakt! Wenige Kilometer außerhalb der Stadt in Richtung Glenorchy fanden wir hinter einem unübersehbaren Campingverbot-Schild an der Sunshine Bay einen wunderschönen Schlafplatz direkt am Ufer des Lake Wakatipu. Glasklares Wasser, romantischer Steg im Abendrot, Dunst über der Wasseroberfläche und vor den gegenüberliegenden Bergen, in welchem sich durch die Abendsonne sogar noch ein Regenbogen zeigte, wolkenverhangenen Bergspitzen. So schön wie vielleicht auch fast noch nie! Das entschädigte die kleinen Sandflies, die es hier gab, beinah. Zusammen mit Marian und Felix genossen wir diese einmalige, abendliche Atmosphäre vom Steg aus mit Angel, Buch, Gesprächen und hüpften irgendwann ins Bett.

Am Dienstag erwachte ich noch vor Sieben und erhaschte direkt aus meinem Seitenfenster Blicke auf das Morgenrot, welches sich gerade zwischen den Zipfeln der Remarkables ausbreitete, bald auch den See in ein Lilarot kleidete und dann eilig dem Tageslicht wich. Gegen Neun standen wir auf, bekamen während des Frühstücks, durch Sean per SMS vermittelt, beinah die Chance auf einen kostenlosen Paragliding-Tripp in einer halben Stunde (uah, Frühstückstempo zittrig erhöht), der im letzten Moment aber doch 200 Dollar kosten sollte. Missverständnis. Hm, schade. Aber auch erleichtertes Aufatmen zugleich. Stattdessen holten Wolfi und ich uns mittels eines Stegabsprunges den Adrenalinkick im eise-eisekalten Wasser des Lake Wakatipu! :-o Hui, hätten wir vorher geahnt, dass das Wasser uns sooo kalt überraschen würde, hätten wir uns sicher nicht hinein begeben! Anschließend ab in die Stadt, ich auf Fjordland-Tour-Vergleichs- und -Buchungs-Marathon, Wolfi ins Internet. Letztlich haben wir aus all den eingeholte Angeboten für Bootstouren auf dem Milford- sowie Doubtful-Sound, die wir auf jeden Fall beide besuchen wollen, die Entscheidung für eine relativ teure, aber etwas untouristischere Variante getroffen: Wir würden auf dem ziemlich stark besuchten Milford-Sound bloß eine günstige 2h-Tour machen, dafür würde es aber am Sonntag für Wolfi und mich auf einem Segelboot über den Doubtful Sound gehen – inklusive Übernachtung, Kajakmöglichkeit, 3-Gänge-Dinner, Frühstück und hoffentlich vielen, vielen unvergesslichen Anblicken und Erlebnissen! Preislich ausgehandeltes Spezialangebot: 360$ pro Person – trotzdem sehr viel Geld! Fast vier Tage Weinreben selektieren… Haben nämlich in den 9,5 Tagen effektiver Weingut-Arbeit 950$ verdient! Machte uns nicht reich, aber ist ganz okay. :-) Auf jeden Fall ist unserer Meinung nach diese hohe Summe für die Übernacht-Bootstourauf dem unbelasseneren Fjord besser investiert als für einen kurzen Bungy-Sprung, den hier so viele für selbes Geld machen. Und wir freuen uns drauf! Wettervorhersage: nass. Jedoch bei 7m Regen im Jahr auch nicht ungewöhnlich. Damit muss man bei diesen Touren eigentlich von Vornherein rechnen, gehört fast immer dazu! ;-) Einheimische munkeln, der Regen würde es erst besonders machen. Tja, und während wir bei dieser Buchung 20$ p.P. sparten, gönnte sich die liebe Joy für 21$ glatt ein Strafzettelchen! Sicher beleidigt, weil sie nicht mit auf die Bootstour darf. :-D Gerade als ich gegen Mittag in einem der Tour-Info-Läden eine Beratung bekam, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, in einem Park an den Gedenkminuten für Christchurch teilzunehmen, begab mich also zu all den anderen Menschen, die dort vor einer Bühne versammelt einem Prediger zuhörten, der über das Erdbeben und die Stadt sprach, und die anschließend gemeinsam für zwei Minuten schwiegen. Viele Leute weinten, umarmten sich, spendeten Geld für die Christchurcher und blieben noch weiter beisammen als danach verschiedene Musik-Acts an die Reihe kamen, die den gesamten Tag über dauerten. Ich wanderte durch die Straßen, entlang des schönen Hafens in Richtung der Queenstown Gardens, die uns mehrfach empfohlen wurden. Seien den botanischen Gärten Christchurchs sehr ähnlich. Und das waren sie in der Tat! Abseits des Touri-Treibens der Innenstadt boten die Gärten eine angenehme Ruhe. Irgendwie vertraut, aber auch ein sehr komisches Gefühl hindurch zu laufen während aus der Stadt unterhalb noch die Töne des Gedenkkonzerts für Christchurch aufstiegen und die ein oder andere Erinnerungen an unsere Christchurch-Tage aufkam. Hier saßen Leute auf der Wiese, spielten Frisbee, lasen und entspannten, so wie auch wir in Christchurch jongliert und beisammen gesessen hatten, unter den dicken Bäumen mit den vielen Zikaden-Hüllen an der Rinde. Wie sah es dort wohl jetzt nur aus? Wie in Christchurch auch hier sehr gepflegter Rasen, hübsche, symmetrische Blumenbeete, freundlicher Sonnenschein. Bloß die Blicke auf See und Berge stellten einen auffallenden Unterschied dar. Ich traf auf zwei ältere Kanadier, kam mit ihnen ins Gespräch über ihre Fjordlandtouren. Vor zwei Tagen hatten sie den Doubtful-Übernachtungs-Cruise gemacht und berichteten mir nun ganz berührt davon. Nette Menschen, die ganz sicher waren, dass auch uns der Ausflug gefallen würde. Anschließen lief mir Joschi mal wieder über den Weg, mit dem ich zusammen zurück in die Stadt ging um Wolfi wiederzutreffen. Gegen Acht kamen wir wieder bei Marian und Felix an unserem schönen Seeplatz an, aßen, lasen, hörten Musik, schauten den Sternen zu und gingen ins Bett. Die Nachtruhe wurde durch einen irren Autofahrer kurz unterbrochen, weil dieser meinte uns dort unter beleidigenden Rufen von unserem Platz vertreiben zu müssen. Haben den jedoch ignoriert und einfach weiter geschlafen. Ist nix mehr passiert. Bloß das Wetter entschied sich um, brachte Sturmböen und peitschenden Regen.

Am Morgen des Mittwochs verließen wir bei noch immer schlechtem Wetter die beiden Jungs, fuhren in die Stadt, bezahlten Joys Schulden, unsere Nahrung, besuchten das Internet, trafen die Dortmunder wieder und machten uns auf nach Glenorchy, einem kleinen Ort 50km hinter Queenstown, am letzten Zipfel des mit 85km längsten Sees des Landes, dem Lake Wakatipu. Die Fahrt dorthin entlang des Sees, unterhalb der höher werdenden Berge der Southern Alps war ebenfalls wieder überaus lohnenswert. Dass wir uns schon näher an der Westküste befanden, machte sich bemerkbar. Ein Urwald aus Farnen, Palmen und seit langer Zeit mal wieder dschungelartige Vogelklänge zogen sich über die Hügel. Verwunschen schien so mancher Ort am Fahrbahnrand und unser Atlas verkündete, dass in dieser Umgebung einige Szenen von „Herr der Ringe“ gedreht wurden. Bald erreichten wir Glenorchy, das obwohl es nur Dorfgröße hat, laut Reiseführer als Geheimziel so mancher Hollywood-Berühmtheiten auf Ruhesuche gilt. Glenorchy sowie der angrenzende Mt. Aspiring Nationalpark wurden vor einiger Zeit sogar zum Drehort eines Milka-Werbespots mit der original Lila-Milka-Kuh auserwählt, weil die Southern Alps in dieser Region angeblich schöner sein würden als die europäischen Alpen! Verrückt, oder?! Traumhaft ist die Umgebung Glenorchys aber wirklich! Die Berggipfel auch hier weiß, wie mit Puderzucker durch ein ganz feines Sieb berieselt. In der kleinen Information des Örtchens erfuhren wir, dass dies sogar ganz frischer Schnee war! Die Schneefallgrenze lag bloß auf einer Höhe von 1200m, sollte noch bis auf 700m absinken! Das Blattwerk einiger Bäume bekamen hier auch schon allmählich gelbe Spitzen, ein ziemlich kalter Wind wehte uns um die Ohren, fast herbstlich-winterlich kam es uns vor. Wir fuhren an die alte Wharf, deren rotes Bootshäuschen mit dem Steg vor der See-Berg-Kulisse des Öfteren Motiv für Postkarten als auch Neuseeland-Kalender darstellt. Direkt neben diesem Häuschen wählten wir unter einem langen Ast einer Weide nur fünf Meter vom See entfernt unseren Parkplatz aus, kleideten uns in warme Sachen und verkrochen uns aufgrund des kalten Windes nach schnellem Kochen und Abendbrotessen bald ins Innere unserer Autos – in Schlafsäcke oder Bettdecken gekuschelt, einigen Buchseiten im Kopflampenlicht und frühem Einschlafen.

Der Wind hatte die Nacht durch immer wieder an den Autos gerüttelt, führte sein Treiben auch am Morgen des Donnerstags fort. Ich schenkte mein Aufmerksamkeit für einige Minuten einem Backpackerpärchen, das plötzlich angefahren kam und nun versuchte trotz dieser ungemütlichen Witterung ein idyllisches Frühstück vor der herrlichen Naturkulisse im Freien zu veranstalten, weil deren Auto ebenfalls nur zum Schlafen jedoch nicht für eine Miniküche Platz bot! :-D Das sieht sich tatsächlich auch ganz nett an, jedoch – mit dem Wissen und der Erfahrung, so etwas selbst schon oft getan haben zu müssen – ist es das nicht unbedingt. Umso schöner war es, diese Szene mal bloß aus dem warmen Bettchen durchs Fenster zu beobachten. Man fühlte fast mit, wie die Fingerspitzen langsam kalt wurden und sich einfach trotz der ansehnlichen Berge um Einen keine angenehme Entspannung einstellen konnte, weil der Wind ständig eine andere Tüte oder die Plastikteller vom Tisch wehte. Die Bewegungen der beiden beschleunigten sich, immer wieder wurde zum Auto gerannt, weil Dies und Das noch fehlte und schon wieder flog etwas anderes vom Tisch… Ja, da konnt’ ich mir ein Grinsen irgendwie nicht verkneifen und kuschelte mich noch tiefer in den Schlafsack! :-) Hihi! Gegen Zehn hatte sich der Wind etwas beruhigt und uns erging es etwas besser als den beiden, die schon längst weiter gezogen waren. Die Umgebung hier war wirklich idyllisch, man konnte einfach nur eingemummelt da sitzen, Kaffee in der Hand und über den See, die Berge schauen. Da kam Felix: „Joggen?“ Also raffte ich mich auf und drehte mit ihm ein Ründchen entlang des Glenorchy Walkway, der natürlich am See aber auch entlang eines Weihers, so einigen Lupinen und leuchtenden Fliegenpilzen führte. Felix lief eine weitere Runde, während ich nach einer halben Stunde verschwitzt zum Auto abbog. Schnell schlüpfte ich in den Bikini und sprang zu meinem eigenen Erstaunen trotz kühler Lufttemperaturen in das noch viel kältere Seewasser. Nach drei Schwimmzügen war das absolut genug, in den Zehen stach es vor Kälte. Boah! So langsam wäre eine richtige Dusche und vor allem Haarewaschen mal wieder wirklich nötig. Das ersetzen selbst zehn Seebäder nicht, aber zum Glück gab es ja Wollmützen! :-) Auch Felix, nach vielen Anläufen, und Wolfi nahmen später noch ein Bad im eisigen Lake Wakatipu. Wir bauten auf der Wiese hinter den Autos das Croquet-Spiel der beiden Jungs auf und vertrieben uns den Nachmittag neben zwei Dorfründchen mit Wollladen-Besuchen unter anderem mit diesem lustigen Spiel, in dem es darum ging, dass jeder mit einem Holzschläger einen Holzball durch ca. 20 Törchen schlug und möglichst als Erster das letzte Zieltor zu erreichen. War witzig und für die Bootshaus-fotografierenden Glenorchy-Besucher auch ein kleiner Hingucker. :-D Hatte unterhalb dieser aufragenden, beschneiten Berge sicher auch noch niemand gespielt. Auch Devil Sticks (artistisches Spiel, bei dem man mit zwei Stäben einen dritten in der Luft „tanzen“ lässt), Gitarrespielen und später Aschenbecher-Basteln aus leeren Dosen füllten die Zeit unseres gemütlichen Glenorchy-Tages am See. Nach einem Nudel-Dinner verzogen wir uns samt Doppelkopf-Karten und Bier in das rote Bootshäuschen, dessen Türen sich schließen ließen und das uns somit eine gemütliche, windstille Aufenthaltsmöglichkeit bot. Wir spielten bis in die Nacht Doppelkopf, hörten dazu einen bunten Musikmix der beiden Jungs, der von Rammstein über Silver, Scooter bis hin zu Jan Delay und den Ärzten ein weites Spektrum umfasste, zum Teil einige merkwürdige Erinnerungen und Erstaunen hervor rief und zugleich nochmals aufwies, dass die wenigen Jahre zwischen uns doch schon irgendwie zwei unterschiedliche Generationen geschaffen hatte. Wolfi und ich waren eindeutig die Alten am Tishc. Da änderte auch die Tatsache nix, dass wir Punkt Zwölf auf Felix 21ten Geburtstag anstießen. Wir gratulierten ihm, stellten fest, dass der Bierturm aus leeren Dosen bereits übermenschengroß und die Zeit für das Bett wohl eindeutig angebrochen war.

Am Freitagmorgen keine Spur mehr vom nächtlichen Wind und Regen. Blauer Himmel und angenehme Sonne, die sogar den Puderzucker der Berge fast gänzlich aufgenascht hatte, begleiteten unser gemütliches Frühstück am See, nach welchem wir uns gegen Mittag auf den Rückweg nach Queenstown machten. Den Aussichten auf der Fahrt wurde durch den Sonnenschein eine ganz andere Note verliehen als noch auf dem trüben Hinweg. Dieses Mal das Seewasser stechend türkisblau, die Urwälder leuchtend grün, Berggipfel gut sichtbar. Kann man sicher hundert Mal anschauen und immer wieder würde es anders toll ausssehen, je nach Lichteinfall und Tageszeit. Nach Einkauf und endlich heißer, wenn auch teils teurer Dusche, sowie ein wenig Internet trafen wir uns mit den beiden Jungs unterhalb des Queenstown Hills mit der Berggondel wieder. Geplant war eine Bergbesteigung zu Fuß um Felix Geburtstag zu feiern, der zum Anstoßen für jeden ein paar Wegbierdosen besorgt hatte. Steil ging es los und hörte auch nicht auf. Wir hatten den Berg schon irgendwie unterschätzt, uns die Tour als kleine halbstündige, gemütliche Wanderung vorgestellt. Wolfi kehrte knapp vor der Hälfte um. Ich kletterte den beiden Jungs weiter bergauf durch den Wald hinterher und nach etwa einer Stunden kamen wir auf dem Gipfel an. War aber ganz ehrlich eine der schlimmsten Wanderungen meines Lebens. Hatte ja mit so etwas nicht gerechnet, 400 Höhenmeter, über Stock und Stein und bloß Turnschuhe an, die für diesen Weg nun gerade nicht so ideal waren. Da war nix mit „der Weg ist das Ziel“… Ne, und dann noch das Bier auf dem Gipfel… Gab irgendwie den Rest. Mühsam schleppte ich mich den beiden hinterher auf einen Ausguck über Queenstown am See, wir schauten zu wie die Gondola für 20 Dollar Touristen nach oben beförderte, wie etwas tiefer Bungy gesprungen wurde, Seifenkisten immer wieder bergab gesteuert wurden, Leute sich an Drahtseilen bergab schwangen und Mountainbiker auf extremen Pisten nach unten schossen. Der Ausblick war aber schon genial und entlohnte die Strapazen weitestgehend. Wir lagen auf einer Paraglider-Wiese in der Abendsonne, tranken ein zweites Bier und machten uns an den wadenschmerzenden, ebenso steilen Bergabstieg. Als wir gegen halb Acht wieder unten waren, konnte zumindest ich kaum mehr richtig laufen und war einfach erledigt. Wolfi bereute seine Umkehrentscheidung bei unserem Anblick nicht wirklich. Wir holten in der Stadt Joschi ab, den Felix zum Feiern eingeladen hatte, begaben uns nach einigem Hin und Her ziemlich spät zum Abendessen zurück auf den Parkplatz unterhalb der Gondel, welchen wir aufgrund der zentralen Lage zum Stadtkern auch als Schlafplatz festlegten. Felix bekochte uns mit leckerem Hack in Butterchicken-Soße auf Nudeln. Sehr lecker! Und dann ging es ab. Auch die anderen beiden Dortmunder aren mit etwa zehn weiteren Backpackern gekommen und standen nur wenige Ecken entfernt. Dort wurde bis nach Zwölf getrunken, geraucht, Felix’ Geburtstag gefeiert bis fast alle schließlich mehr oder weniger total betrunken in die Stadt zogen. War nicht wirklich verwunderlich, dass einigen der Leute der Zugang in die Clubs verwehrt wurde. Diese Clubs sind schon ziemlich Geschmackssache! War für die meisten der Leute schon ein wilder Abend und auch Felix und Marian waren mehr als gut dabei! Wir nahmen die beiden, nachdem die restliche Gruppe längst verloren gegangen war, schließlich gegen Zwei mit zu unseren Autos und landeten so alle spät aber wohlbehalten in den Betten.

Waren auch am Sonnabendmorgen bereits vor Neun auf, schmunzelten ein bisschen als die beiden Jungs neben uns etwas verstört aus ihrem Van krochen und machten uns nach Frühstück und Beisammensitzen in die Stadt. Eigentlich vertrieben Wolfi und ich uns dort die gesamte Zeit im Internet und mit Blog- und Fotoarbeiten. Zum Mittag holte ich mir ein großes Eis, schlenderte noch einmal an lebendigem Queenstowns Hafen entland, an welchem sich Stände eines kleinen Kunstmarktes aufreihten. Schon ein hübsches, aber doch zu touristisches Städtchen. Wolfi traf auf seinem Zwischendurch-Ausflug eine Trommlerin aus Christchurch wieder, die aus der Stadt geflüchtret und nun in Queenstown gelandet war um hier ihr Busking-Glück zu versuchen. Das war schon eine Überraschung. Wir haben in den letzten Tagen von einigen Menschen gehört, die aus Christchurch geflüchtet sind, weil sie einfach alles verloren haben, die Stadt aufgegeben haben und ohne Alles da stehen. Die Innenstadt sei momentan abgeriegelt, es wird davon geredet, dass 40% der Stadt abgerissen und neu aufgebaut werden muss, das Stadtzentrum um Einiges in Richtug Inland verlegt würde… Christchurch wird nicht so bleiben wie wir es in Erinnerung haben! Das ist so merkwürdig und noch immer unvorstellbar!!! Noch einmal besuchten wir die Dortmunder auf dem Parkplatz um uns für die kommenden Tage zu verabschieden und fuhren am Abend in Richtung Doubtful Sound davon. Die 200km lange Strecke führte uns zuerst entlang des Lake Wakatipu nach Norden durch hohe, von dicken, grauen Wolken verhangene Berge. Die Wolkendecke lockerte jedoch bald auf und auf vielen Bergen war plötzlich frischer Schnee zu sehen und das in niedrigen Höhen! Frischer Schnee! Die Wolken, die diesen ausgespuckt hatten, hingen zumeist noch darüber! Wahnsinn! Wieder sah alles anders aus, im Licht des Abends und unter herbstlichen und winterlichen Vorboten! Auch diese Strecke war absolut faszinierend! Aber schaut einfach die Bilder an! Unglaublich! Wir kamen gegen Zehn im Stockdunkeln und nach Überfahren unseres ersten Opossums (:-() in Manapouri an, parkten dort auf einem Parkplatz in kalter Nacht unter klarem Sternenhimmel und freuten uns auf die anstehende Doubtful-Sound-Tour.

Nach einem Frühstück am herrlichen Lake Manapouri, in welchem Wolfi sogar noch ein schnelles Seebad nahm und ganz begeistert von diesem war und Joy abstellen machen wir uns nun gleich auf’s Boot! Wetter ist soweit ganz gut, Wolken und Sonne im Wechsel, kein Regen in Sicht über den Bergen um uns Gipfelwolken, die für Gipfelschnee sorgen. Halb Eins legt das Boot ab, wir sitzen hier zwischen hauptsächlich älteren Reisenden und warten freudig, dass es los geht. Wir sind so gespannt! :-) Viele Grüße von uns an euch!!!

P.S.: Nach mühseliger Fotoarbeit folgende Updates: zwei Fotos zum Artikel „Noch immer in Wanaka…“, etwa 100 neue Fotos zum Artikel „Gedanken um Christchurch, Mount Cook…“ (diese Galerie ist nun endlich komplett!!!) sowie vier neue Fotos von Marian zum Artikel „Arbeitsende…“. Benennungen komplett – Viel Spaß! :-)

P.P.S.: Kleine Fehler in diesem Artikel werden evtl. später korrigiert, bleib leider keine Zeit mehr, noch einmal durchzugehen. Bitte über schwache Ausdrücke und andere Fehler dieses Mal großzügig hinweglesen! ;-)

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