Durch den verwegenen Westen – unsere letzten Wege auf der traumhaften Südinsel

Endlich Zeit für einen neuen Artikel! Entschuldigt die Verzögerungen! Wir waren viel unterwegs, der gesamte, schöne Westen ist durch! Viel erlebt, viel gesehen, alte Gesichter noch einmal getroffen, wieder zu zweit allein unterwegs! Ihr ahnt es sicher schon: Ganz lange nix, umso mehr Zeilen dann auf einmal… Genau so ist’s! Teilt es euch am besten auf… oder so! Dauert bestimmt…

Gegen Fünf sind wir unserer Donnerstagabend-Dinner-Einladung nachkommend von Wanaka zurück nach Tarras gefahren, haben dort zu viert vor der Tankstelle auf Sarah gewartet, die uns zum Haus von Ron und Lousie führen wollte. In einer riesigen Staubwolke folgten wir ihr fast blind über kilometerlange Schotterstraßen durch endlose, grüne Weiden in die Hügel des Nirgendwo, wo irgendwann ein kleines, hübsches Farmhaus mit Garten vor uns auftauchte. Geweihe, Wildschweinköpfe und andere Tiere zierten die Front als auch das Innere des Hauses. Wir gesellten uns zu Louise, die in der Küche fuer uns am Werkeln war, und stießen allesamt schon einmal auf den Abend an. Etwas später stieß auch Ron mit dem letzten der drei Hunde des Hauses zu uns. Sarah, 26 Jahre, ist Louise Tochter, gelernte Krankenschwester und war bis vor wenigen Wochen auf Europa-Reise. Anfang Mai wird sie nochmals nach Übersee fliegen und zusammen mit einer Freundin für einige Monate in Brüssel verweilen. Louise und der etwas ältere Ron sind verheiratet, leben seit einigen Jahren in ihrem Farmhäuschen, arbeiten beide auf dem Weingut und sind leidenschaftliche Jäger. Heckler&Koch oder Merkel waren nichts Unbekanntes fuer Louise, deren Augen regelrecht aufleuchteten als sie die Namen hoerte. ;-) Ron, ziemlich hart gesotten, trocken und total cool, erzählte immer wieder Jagd-Stories. Er schien tatsaechlich auf alles zu schiessen, was sich irgendwie bewegte… :-) Da flogen schon mal Enten einfach so vor die Flinte… ;-) Louise war auch wirklich cool und nett, lud uns glatt zum Übernachten in den Raeumen des Hauses ein. Wir nahmen nach etwas Zögern an. Wie nett! Im großen, gemütlichen Wohnzimmer zündete Sarah unter Rons begleitenden, leicht zynischen Erläuterungen den Kamin, starrten wir vier Autolebenden wie gebannt auf den grossen Fernseher (wann sieht man schon mal sowas?!) und verquatschten wir allesamt die Zeit bis Louise uns zu Tisch bat. Es duftete köstlich, Wein wurde eingeschenkt, Bier serviert und Essen verteilt. Das Dinner umfasste einen frischen Salat, gebackene Rosmarin-Kartoffeln sowie eine Huhn-Gemüsepfanne (mit weißer Rote Beete und Kürbis) und braune Soße. Es war einfach nur köstlich! Als „leichtes“ Dessert präsentierte Sarah stolz ihre erste Pavlova, ein typisches Kiwi-Gericht, das aussah wie eine Torte und aus Meringuen-Teig sowie Sahne bestand, obenauf einige halbierte Erdbeeren. Wer mochte, konnte sich dazu noch etwas pure Sahne obenauf giessen! :-D Als ich die Kamera zückte um die Pavlova zu fotografieren, zückte Ron glatt seine volle, neuseeländische Speights-Bierflasche und stellte sie mitten auf die arme Torte! So sähe eine echte Kiwi-Pavlova aus, meinte er! Zum Glück hatte Sarah gerade nicht hingeschaut… :-D Sehr gut war ihr das Dessert gelungen! Nachdem erst Ron, dann Louise sich ins Bett verkrochen saßen wir noch länger mit Sarah zusammen, quatschten und lachten viel. Schließlich zeigte sie uns gegen Zwölf unsere Gemächer. Die Jungs bekamen zu dritt einen Schlafraum mit drei Betten und ich ein Einzelzimmer von Louise anderer Tochter, die zur Zeit in Dunedin lebte. War seit unserem Reisebginn am 14.09.2010 das erste Mal, dass ich wieder einen eigenen Schlafraum für mich hatte! Ungewohnt, aber nicht unübel! :-) Sogar eine Heizdecke hatte Sarah mir angeschaltet… Da ließ sich schnell und traumhaft schlafen!

Am Freitagmorgen, Louise und Ron waren längst auf dem Weingut zu Gange während wir Erntehelfern am Vortag per SMS auf Sonnabend vertröstet wurden und somit noch einen Tag frei hatten, machten wir mit Sarah Frühstück, schauten anschließend ein wenig TV, kopierten Sarahs gesamte englischsprachige Filmsammlung auf meine Festplatte während Wolfi den Laptop von Louise in Schwung brachte, erledigten wir noch für Sarah als Dankeschön den großen Abwasch vom Vorabend und verabschiedeten uns von ihr dankend gegen Elf. War ein toller Aufenthalt bei den so gastfreundlichen drei Kiwis! Zurück ging es nach Bendigo, an unseren Seeplatz. Wolfi und Marian erlagen wieder einmal ihrer Bastlerleidenschaft mit dem Resultat eines Sandwichtoasters, der auf Gaskochern funktionierte! Die beiden haben in mühseliger Arbeit zuerst das Innenleben eines elektrischen Sandwichmakers ausgeschlachtet, daran intensiv herum gebaut und die Fassung schließlich mit edlen, geschnitzten Holzgriffen versehen. Sah am Ende aus wie frisch aus dem Warenhaus, war total praktisch zu bedienen – gleich ausprobiert, super! Zwischen knusprig warmem Käsetoast und alltäglichem, wabbeligem, kaltem Käsetoast lag doch ein himmelweiter Unterschied!!! Felix und ich machten uns ans Holz sammeln, wollten am letzten Bendigo-Abend ein kleines Lagerfeuerchen zünden. Kurz zuvor teilten wir Sally nämlich per SMS mit, dass wir nach der Arbeit am Sonnabend weiter ziehen würden, da sie uns nicht versichern konnte, ob es am Sonntag und Montag Arbeit fuer uns geben würde. Die Ernte lief in diesem Jahr aufgrund einer Krankheit der Weinpflanzen doch ungewohnt chaotisch an. Wir hatten nun schon zwei Tage mit Warten zugebracht und konnten nicht länger in solcher Ungewissheit Reisezeit verstreichen lassen. Am kommenden Tag würde die Südinsel-Reise also ganz sicher in die letzte Runde gehen: Westküste! Nachdem am Abend das Feuerchen abgebrannt war und Wolken aufzogen, verkrochen Felix, Marian und ich, zunehmend erkältet, uns in deren Van um einen von den vielen neuen Filmen zu schauen. „Grand Torino“ war eine gute Wahl! Wolfi, der keine Lust hatte, verkroch sich bei beginnendem Regen schon frueh ins Bettchen.

Am Sonnabend klingelte um Sechs das Handy – kein allzu gutes Zeichen nach regenreicher Nacht: Arbeitsbeginn wegen Nässe auf zehn Uhr verlegt. Na prima, zwei Tage Warten und nun nur ein kurzer, letzter Arbeitstag… Wir drehten uns noch einmal um und standen kurz vor Neun wieder auf, verabschiedeten uns nach dem Frühstück vom schönen Lake Dunstan mit seinen tollen Bergen gegenüber und hupten noch einmal dem Bendigo Parkplatz zu! Auf Stundenlohnbasis stand die Ernte eines Terrassen-Blocks an. Zum Glück Stundenlohn statt nach Geschwindigkeit, denn gut ging es mir gar nicht! Doch der Tag ging rum – Weinblock abgeerntet. Wir tauschten noch Mailadressen mit Sarah aus und verabschiedeten uns von Louise, Ron, Sally, Chef Duncan und all den anderen, lobten die faire Arbeit, die klasse Atmopshäre und entschuldigten uns, dass wir wirklich nicht länger warten konnten, was jedoch aufgrund des Chaos seitens des Weinguts auch auf volles Verständnis traf. Da hatten wir schon Glück gehabt mit unserem Clearvue-Vineyard-Job! War eine Erfahrung, die wir nicht missen wollen und wohl nie mehr vergessen werden! In Zukunft werden wir jedes Tröpfchen Wein doppelt schätzen und genießen… ;-) Auch bedeutete das Ende dieses Jobs zugleich wohl das Ende unserer Arbeitslaufbahn in Neuseeland. Für eine weitere Arbeitsrunde blieb nun keine Zeit mehr. Nach Verlassen des Weinguts bogen wir nicht wie gewohnt nach links in Richtung Bendigo sondern nach rechts in Richtung Wanaka ab, das man auf dem Weg nach Westen nochmals passieren würde. Auf die Jungs, die ebenfalls an die Westkueste weiter wollten, warteten dort auch die anderen beiden Dortmunder sowie Milli und Basti, die nach ihrem Autokauf als Mietnomaden nun bei Aki und Lennart eingezogen waren und die wir so unverhofft nochmals wiedersahen. Nach Duschen-Waschen-Internet-Standardablauf in Wanaka holten Wolfi und ich uns in der Dämmerung und aus Kochfaulheit einen warmen Pie in einem Dairy-Shop und gesellten uns zu dem Rest der Meute an die Seefront. Der Filmdeal ging in die zweite Runde: Milli und Basti saugten nun von meiner reich befüllten Platte, Regentropfen fielen zunehmend vom Himmel und das Bett rief bald.

Am Sonntagmorgen fuhren Wolfi und ich los um uns Westküsten-tauglich auszustatten, bedeutete: Tanken (2,26$/Liter!!! :-( ) und Essensvorräte einkaufen, denn die Westcoast ist eher dünn besiedelt: ab und an überteuerte Mini-Shops und Tankstellen, bloß alle hundert Kilometer mal ein Stück Handyempfang, außerdem verschrien als ungemütliches Sandfly-Paradies sowie verregnet und grau – statt als Westland deshalb oft auch als Wetland bezeichnet! Klang nach großem Spaß! :-/ Da die Jungs nach unseren Besorgungen noch immer nicht abreisefertig waren und Milli und Basti überhaupt gar nicht wussten, ob sie weiter an die Westküste mitfahren würden oder nicht, brachen Wolfi und ich schon einmal allein auf. Verloren gehen konnte man in Neuseeland nicht. Wir legten bei grauem Nieselwetter diverse Stopps an Flüssen und Seen am Wegesrand ein, versuchten immer wieder unsere nasse Wäsche in vereinzelten Sonnenmomenten zum Trocknen auszubreiten (eher erfolglos) und trödelten so vorwärts ohne von den Jungs eingeholt zu werden. Vom letzten Ort mit Handyempfang riefen wir Felix und Marian an, die erst kurz hinter Wanaka standen, weil deren Van auffällig heiß gelaufen war. Sie wollten nach kurzer Abkühl-Pause weiterfahren und uns später in Haast treffen. Hoffentlich! Nachdem wir offiziell das Westland befahren hatten, hielten wir am ersten Walk-Punkt und stiefelten 30min durch herrlich dunkelgrünen, modrigen Regenwald, über zwei Hängebrücken zu den Blue Pools, einem reißenden, grünen Fluss, der dem Namen nach manchmal auch in stechendem Blau erscheinen kann. Hm, konnten wir uns bei dessen Anblick kaum vorstellen, aber der Weg ist das Ziel und der Weg durch den schummrigen Urwald mit seinen tollen Vogelklängen war schon echt gut und belebend! Auch die weitere Fahrt über den Haast-Pass durch dichte, feuchte, grüne, pure Regenwald-Landschaften mit aus den Bergen aufsteigenden Nebeln und breiten Gebirgsströmen war ein Erlebnis! Nach schnellem Bestaunen eines Wasserfalls am Highwayrand hielten wir kurz hinterm Haast Gate über einem Fluss um unser Abendbrot zuzubereiten. Rührei mit Salami (auf Toast natürlich) sollte es geben! Ungebeten schummelten sich etliche Sandflies hinein… Klar, kennen wir Fliegen und Mücken auch von Zuhause, doch reden wir hier nicht von fünf nervigen Mücken oder zehn dicken, brummenden Fliegen sondern von hunderten und tausenden, millimeterkleinen, schwarzen, gemein beißenden Pünktchen! Es war grausig! Kaum saßen wir da – alles aus dem Auto gezerrt und vor der tollen Naturkulisse hübsch aufgebaut – scharten sich die gemeinen Insekten in ganzen Wolken um uns, auf uns, in unsere Essen und Münder, in unser Auto, in jede Box, Tüte, jeden Winkel! Zwar hatten wir unsere Giftmittel zum Einsprühen und -reiben dabei, aber los wurde man die Sandflies damit auch nicht wirklich. Plötzlich konnten wir uns auch irgendwie vorstellen, dass an Rons gruseliger Geschichte von den Sandflies im Westland ein Fünkchen Wahrheit enthalten sein könnte… Drei vermisste Westcoast-Wanderer sollen nach einigen Tagen tot in ihren Zelten aufgefunden worden sein – umgebracht durch Sandflies, die in jede Öffnung ihrer Körper drangen, zubissen, Atemwege zum Zuschwellen brachten und letztlich so den Tod verursachten… Hua! Nach unschön hektischer Beendigung unseres so idyllisch gedachten Abendbrots schmissen wir sämtliches Geschirr ungesäubert ins Auto und fuhren davon – Fenster weit auf, Sandflies hinaus wedelnd. In der Tat waren nach einigen Kilometern Fahrt kaum mehr Tierchen übrig. Irgendwie kann man sie durch Fahren bei geöffneten Fenstern ganz gut wieder loswerden… Zum Glück! Durch unendlichen Regenwald, der schon sehr an das Fjordland erinnerte, führte unser Weg uns in den Westen – direkt hinein in einen traumhaften, goldenen Sonnenuntergang! Der Himmel war allmählich aufgeklart, sodass Haast und die Westküste uns mit einer einmaligen Abendstimmung begrüßten – ganz ohne Regen! Da von den Jungs weit und breit keine Spur war und nirgends Empfang, fuhren wir allein einige Kilometer abseits der Hauptstrecke nach Haast Beach, wo wir zwecks Schlafplatzsuche in einen unscheinbaren Sandweg zwischen die Dünen abbogen. Begeistert schauten wir in der Dämmerung auf die mächtigen Wellen der rauen Tasmanischen See, die sich hier kurz vor dem verlassenen, endlosen Sandstrand brachen. Wow, die verschriene Westcoast faszinierte uns ziemlich! Als wir uns umdrehten um zu Joy zurück zu gehen, trauten wir unseren Augen nicht als Akis und Lennarts Van in unseren versteckten Sandweg einfuhr! Na, so ein Zufall, dass die auch genau hier auf Schlafplatzsuche gelandet waren! Wir begrüßten sie freudig und bemerkten erst im zweiten Moment, dass Marian und Felix gar nicht bei ihnen waren. Und auch Aki und Lennart wussten nicht genau, wo die anderen beiden steckten, hatten irgendwann zwischendurch mal eine SMS zu spät entdeckt, in der Marian und Felix von ihrem Autoproblem berichtetet hatten. Wir entschieden am nächsten Morgen noch einmal in Haast nach den beiden zu schauen bzw. den Versuch zu starten sie von dort von einem öffentlichen Telefon aus auf deren Handy anzurufen. Sollten sie wirklich noch in Wanaka feststecken, hätten sie dort zumindest Empfang! Zwischen den Dünen, wenige Meter entfernt vom Meer auf der einen und vom Regenwald und Bergen auf der anderen Seite gingen wir unter klarem Himmel an der Westküste der Südinsel zu Bett.

Zum Montagmorgen begrüßten uns wieder einmal die Sandflies in Scharen! Da kann man sich durchaus tausende, angenehmere Dinge vorstellen… Will man nur kurz ins Gebüsch verschwinden, kehrt man mit höllisch juckenden Quaddeln am A… zurück. Vom Schlafanzug in den legeren Dauerlook (steht für uns und die Jungs als Synonym für die alltägliche, meist schmuddelige Jogginghose und so…) zu wechseln ist ebenfalls nicht ohne mehrtägiges Andenken möglich. Aki, der nach dem Aufstehen unseren netten Frühstücksplatz zwischen den Dünen entdeckte, setzte sich ahnungslos freudig zu uns, bemerkte jedoch bald, dass er in Anbetracht der kleinen Luftfreunde doch die Koch- und Sitzmöglichkeiten im Inneren seines Vans bevorzugen sollte! Diese Viecher konnten das Einem schon irgendwie bissl versauen… Gegen Mittag, noch immer ohne Spur von Felix und Marian, riefen Aki und Lennart vom Haast Visitor Centre die beiden Vermissten an. Handy funktionierte, sie steckten tatsächlich in Wanaka! Das Kühlersystem ihres Vans war ausgestiegen, böse Verstopfung oder sowas… Der Roadservice-Mitarbeiter des AA (wie ADAC) hatte sie am Vorabend auch bloß an eine Werkstatt weiterverwiesen. Der Mechaniker hatte den beiden, die eh keinen Cent Geld für eine Reparatur übrig gehabt hätten, mitgeteilt, dass die Reparatur einige Tage dauern und ordentlich kosten wuerde… Als sie ihm erklärten, dass das ausserhalb ihres Rahmens lag, hatte der Mechaniker plötzlich eine schnelle Pfusch-Lösung für bloß knapp 30 Dollar parat: Es wurde einfach das defekte Teil ausgebaut (braucht man ja nicht…?!), ein lösendes Gift hinein gekippt und die beiden nahmen unsere Verfolgung mutig wieder auf. Straßentauglich würde man das in Deutschland wohl nicht nennen! Wir fuhren in der Zwischenzeit mit Aki und Lennart an die Jackson Bay, 50km südlich von Haast, saßen dort in einem Mini-Fischerdorf am Ende der Welt neben einem Crayfish-Whitebait-Imbiss am Meer in der Sonne und genossen den sonnigen Tag. Auf der landschaftlich sehr schönen Fahrt zurück nach Haast unternahmen wir noch eine 15min Wanderung in den Regenwald nahe des Fischerdorfes, schauten uns auf einem alten Friedhof mitten im Wald um (da lag sogar ein Deutscher aus Hamburg begraben!) und begaben uns auf eine weitere Kurz-Wanderung durch Regenwald-Steppen-Gebiete irgendwo auf der Hälfte der Strecke. Die Vögel des Regenwaldes mit ihren außergewöhnlichen Klängen sind der Wahnsinn! Fantails, Robins, herrlich singende Bellbirds, neuseeländische Waldtauben… Ein dichtes Tiefgruen aus Flachsen, Farnen, Manukabüschen, Cabbage Trees, Rimu Trees, Birkenbäumen, Moosen und Flechten und tausenden anderen Pflanzen, Büschen und Bäumen bildet den Urwald der Westcoast. So vielfältig, so rein, grün und unberührt! Faszinierend schön! Als wir wieder in Haast landeten und vor dem Mini-Supermarkt Halt machten stand dort doch tatsächlich der Van von Marian und Felix! Die kamen uns auch schon lachend entgegen, hatten sich ganz langsam und autoschonend zu uns durchgekämpft. Zu sechst machten wir uns Abendbrot vorm Visitor Centre und fuhren anschließend weiter, über die längste einspurige Brücke Neuseelands, an der Westküste entlang nach Norden bis Ship Creek, einem Parkplatz an einem tollen, verwilderten, einsamen Strandabschnitt, von dem aus wir der untergehenden Sonne zuschauten. Nur 50m entfernt, am anderen Ende einer Brücke fanden wir einen kleinen Platz, auf dem wir neben einem großen, einsamen Campermobil Schlafplatzstellung bezogen. Als wir einige Minuten im Kreise beisammen saßen kam plötzlich ein bärtiger, älterer Mann zu uns und lud uns auf einen Tee zu sich an den Camper ein. Aki, Felix und ich nahmen an, wurden direkt in das luxuriöse, warme Mobil hinein gebeten, wo auch die Frau des Australiers aus Adelaide saß. Eine Dreiviertelstunde wärmten wir uns bei den netten Leuten auf, genossen deren Gastfreundschaft und erhielten wieder viele Tipps für unsere Australienabstecher (fuer die Jungs ging es nach Neuseeland fuer zwei oder drei Wochen nach Brisbane). Lustig war, wie der Mann in Aussi-Slang von einem Thema ins nächste rutschte, ununterbrochen erzählte und die Frau immer wieder genervt hinein murmelte, dass das so gar nicht stimmte oder er schon wieder bloss Quatsch redete… :-D Unterhaltsam und informativ zugleich! Dann ging es in kalter, klarer Nacht ins Bett.

Wieder gab es ein lecker Sandfly angereichertes Frühstückchen am Morgen des Dienstags (Marian wurde kreativ und baute sich einen Imker-Hut gegen die Gesichtsangriffe, bemerkte bald, dass sich das Kaffeetrinken damit aber nicht ganz einfach gestaltete :-D ). Anschließend liefen wir die zwei kurzen Ship Creek Rundwege ab. Da ich es eiliger hatte als der Rest, lief ich schon allein los, hatte so den 20min Urwaldweg ganz für mich allein. Dieser wurde vom frühen Vormittag in eine faszinierende Atmosphäre getaucht! Es war so still und zugleich so erfüllt von Vogelgesängen und Naturklängen. Die Sonne durchbrach die grauen Wolken des Morgens und sandte einzelne Lichtstrahlen durch das Dickicht des Waldes. Farnblätter schienen zu glühen, Tropfen brachen das Licht, funkelten blauviolett, Nebelschwaden stiegen über den Sümpfen auf, Fantail-Pärchen jagten blitzschnell durch die Lüfte, fächerten ihre Schwänze auf und landeten nur einen halben Meter neben mir. Verzaubert durch die Natur des Regenwaldes bemerkte ich gar nicht wie schnell die Zeit verging. Schließlich hatte der 20min-Kurzweg ganze 40min gedauert. Irgendwann hörte ich in der Ferne Stimmen und Gelächter: die fünf Jungs nahten heran. Sie hatten den halbstündigen Rundweg zuerst gewählt und waren nun bereits auf dem zweiten Walk. Tja, vorbei war es mit der Ruhe! :-) Trotz der Kürze des Weges würde ich diesen Urwald-Walk mit zu einem der schönsten in diesem Land zählen! Während die Jungs nun den Urwaldweg weiterliefen, rannte ich noch den Dünen-Wald-Weg ab und allemann trafen wir uns an den Autos wieder. Wer an der Westküste herumreist, sollte unbedingt einen Stopp an der Ship Creek inklusive der Walks einlegen! Unsere Fahrt ging nun weiter. Aki und Lennart brausten voraus als wir mit Marian und Felix fuer einen Badestopp am schönen Lake Paringa hielten. Mittlerweile war der Himmel klar, die Sonne schien und das Bad im See zwischen Regenwäldern war herrlich! Erfrischt ging es mit kurzen Halten hier und da weiter bis zum Fox Gletscher, wo wir am Nachmittag noch den 90min Chalet Lookout Track absolvierten. Durch Regenwald mit Überquerung mehrerer Bergflüsse führte der Weg bergauf bis der Fox Gletscher mit seiner langen, sich durch die Berge schlängelnden Eiszunge vor uns lag. Um die Moräne, ein weites Steinbett, ragten steile, hohe Bergwände mit Regenwald und Wasserfällen sowie schneebedeckte Alpengipfel auf. Helikopter, die hier in regelmäßigen Abständen ihre Touri-Runden drehten, wirkten miniklein in dieser imposanten Umgebung! Wirklich sehr schöner Ausblick bei Spitzenwetter, den wir einige Minuten genossen ehe wir uns auf den Rückweg machten. In der Fox Glacier Township, einem kleinen Alpendörfchen zwischen den Bergen, tankten wir Benzin und Essen auf. Da wir in letzter Zeit immer wieder auf Leute getroffen waren, die von ihrem Skydive so begeistert berichtetet hatten, hatte auch ich relativ unüberzeugt den Gedanken, einfach mal anzufragen. Also fuhren Wolfi und ich einem Schild folgend vor eine kleine Hütte, vor der Busse und ein kleines Flugzeug mit der Aufschrift „Skydive“ standen. Vier Typen saßen auf Couchen in der Garage beisammen, fast als würden sie dort wohnen. Ein Typ mit zwei Zöpfchen im Bart sprang gleich auf und führte uns ins Office nebenan. Auf meine Erklärung, dass ich gekommen war um mich erst einmal nur über Skydive zu informieren, schlug er mir sogleich einen Termin am Mittag des folgenden Tages vor. Hui, ich hatte nicht wirklich beabsichtigt, den Laden mit einem Termin für einen Fallschirmsprung zu verlassen… Aber da stand nun mein Vorname schwarz auf weiß in deren Kalender! Hua, so schnell… Morgen! Der Typ erwähnte kurz, dass sie als einziger Anbieter in Neuseeland dem Sprung einen so eindrucksvollen Scenic Flight durch die Alpen voranstellten, dass sie sogar den Springenden als einziger Anbieter erlaubten die eigene Kamera mitzunehmen und dass am Fox Gletscher mit den umgebenden Alpen und dem Meer die schönste Skydive-Kulisse des Landes überhaupt sei. 12000 Fuß, 45sec freier Fall, 295 NZD (aber erst nach dem Landen :-) )… Tja, sah wirklich so aus als würde ich am kommenden Tag vom Himmel fallen!!! Hätt’ ich selbst nicht mit gerechnet! Oh Gott! Wolfi lachte, ich auch noch. Na, erst einmal schauen, ob das Wetter durchhalten würde! Gedanken an das Kommende noch gut verdrängbar. Wir fuhren zum Lake Matheson, wo die Jungs schon auf Wanderung um den See waren. Wolfi hatte für den Tag genug vom Laufen, also eilte ich allein los und holte die Jungs nach einer Viertelstunde ein. Lake Matheson war berühmt für seine Alpenspiegelungen auf der Wasseroberfläche, die angeblich am Morgen und kurz vor Sonnenuntergang am schönsten aussehen sollten. Die Seeoberfläche war nicht ganz ruhig und vor den Schneegipfeln der Berge tümmelten sich gerade ein paar Wölkchen als wir den Aussichtspunkt erreichten. Toll war der Weg um den See mit den Aussichten trotzdem! Gerade als wir an einer Kuhweiden vorbei liefen, tauchte die untergehende Sonne die Bergwelt in ein faszinierendes Rot. So schön! Auf dem Parkplatz machten wir uns Abendbrot, entschieden einfach für die Nacht dort zu bleiben und schauten dick eingemummelt im Halbkreis um den Laptop Film. Unendlich viele Sterne lunsten mit. Ich starrte diese im Gegenzug um Mitternacht aus meinem Seitenfenster im Bett liegend noch lange Zeit an! ;-) So sehr hofft man manchmal auf große Wunder, sagt, dass Wunder selten seien… Doch eigentlich braucht man nur mal für fünf Minuten den Blick gen Nachthimmel richten um festzustellen oder sich wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass es auch Wunder gibt, die man gar nicht lange suchen muss!

Am Mittwoch erwachte ich vor allen anderen und wurde von den orangeroten Morgenfarben aus dem Bettchen gelockt. Ich wanderte noch einmal in Richtung See, an die Kuhweiden mit den vielen Strohballen. Raureif lag noch auf den Gräsern und Zweigen, mystische Nebel stiegen vor den Bergen auf, Spinnennetze waren vom Morgendunst feucht und glitzerten magisch im ersten Tageslicht. Der Himmel war klar, die Berge wurden langsam in Farben getaucht, ihre Gletscher blitzten bereits weiß in der Höhe. Und keine Sandflies! Das war doch ein traumhafter Start in den Tag, an dem für mich gegen Mittag noch Himmelstauchen anstand. Als Wolfi und ich gegen Elf – noch zwei Stunden bis zum Sprung – die Jungs verließen, kribbelte es beim Gedanken an das Bevorstehende doch schon ziemlich im Bauch! Der Himmel blieb klar, das Wetter wollte scheinbar keinen Streich spielen, mir keine Wolken in den Weg schieben… Wir fuhren noch einmal zurück an den Fox Gletscher um schnell den kurzen 50min-Walk an die Gletscherzunge zwischen zu schieben, den wir am Vortag mit den Jungs nicht geschafft hatten. Im Moränen-Steinbett wanderten wir unter den Bergwänden entlang bis auf 100m an das Gletschereis heran. Geschwindigkeiten bis zu 8m pro Tag konnte das Eis hier vom Berggipfel nach unten wandern. Im Schnitt dauerte es um die 5 Jahre, ehe Eis vom Gipfel in den Gletscherfluss mündete. Eben noch am Strand oder See, nun 100m vor einem riesigen Gletscher… Unfassbar! Auf der Fahrt zurück in das Alpendorf wurde es mir schon ziemlich mulmig… Nur noch 20min! Nochmal auf Toilette, was trinken, essen… Huuuuh! Und schon parkten wir vor dem kleinen Skydive-Anwesen. Mit Wolfi als beruhigenden Begleiter füllte ich ein Formular aus (falls doch was nicht ganz glatt ginge… :-/), wurde ich auf die Waage geschickt (eh…), lernte ich meinen malaysischen Mitspringer sowie meine Springanleiterin (die beim Tandem an mir kleben würde und den Skydive im Schnitt 5x täglich macht) kennen. Wir schauten kurz einem Video zu, das den Sprung der vor uns Gesprungenen dokumentierte (als Option Fotos und Video zum Sprung möglich, ca. 200$ extra) und schon ging es ab in den engen, rot-schwarzen Overall und das elegante Gurtdress. Wolfi filmte und fotografierte lachend jeden Schritt. Meine Aufgeregtheit hielt sich ganz gut in Grenzen, ging alles so schnell vorwärts. Wir wurden kurz unterrichtet, wie Flug und Sprung ablaufen würden, was wir zu tun hätten: 20min mit dem Mini-Flugzeug in die Lüfte, aus dem Fenster schauen und genießen, dann Türe auf, Beine raus, Bananen-Stellung einnehmen, ruck-ruck, 45sec frei fallen, plups, Schirm auf, 2-3min langsam gen Boden gleiten und landen. Das Wichtigste war die Banane, welche man beim Absprung einnehmen sollte: Kopf nach hinten überstrecken, Arme vor der Brust überkreuzen, Hüften vordrücken und Beine nach hinten biegen – eben krumm und steif machen wie eine Banane. Diese Stellung wurde kurz am Flugzeug auf dem Boden geübt (siehe Foto) und schon hieß es Einsteigen! Das Flugzeug, das uns gleich hochbringen würde, war in der Tat winzig. Zu fünft (Pilot und wir zwei Tandem-Sprungpaare) passten wir gerade so hinein. Keine Sitzbänke oder so, einfach an- und aufeinander gequetscht auf dem Boden. Wir beiden Sprunggäste wurden noch am Boden eng an unsere Sprungführer gegurtet (dazu musste man regelrecht auf ihnen sitzen), der Motor startete, Wolfi winkte von drauße, ich von drinnen ein letztes Mal und schon holperten wir über das Feld, erhoben uns schließlich in die Luft. Die Weiden am Boden wurden kleiner, Lake Matheson kam in Sichtweite, Wälder drumherum, die Küstenlinie vor uns, Berge hinter, plötzlich neben uns. Meine Führerin erklärte mir, was wir aus dem Fenster sahen – Mt. Cook, Mt. Tasman, die Gletscher, ja und da war sogar Wanaka in der Ferne! Das Flugzeug stieg höher und höher, flog direkt über das weißblaue Gletschereis der Alpen. Plötzlich war ich in einem klappernden Miniflugzeug genau über dem höchsten Punkt des Fox Gletschers, an dessen Fuße Wolfi und ich eine Stunde zuvor noch standen. Wahnsinn! Jede Spalte und jede Kante des Eises schienen von oben sichtbar! Langsam wurde es ernst, ein ledernes Käppchen sowie Flugbrille zierten nun mein Haupt. Noch einmal wurde erklärt, wie alles ablaufen würde, die Anweisung erteilt meine Kamera jetzt im Overall zu verstauen und noch ein paar Male ruhig ein- und auszuatmen. Ruhig, hui!!! Irgendwie begriff man in dem Moment gar nicht mehr richtig, was gleich geschehen würde. Die kleine Seitentür wurde geöffnet, Wind schlug herein, der Malaysier wurde aufgefordert seine Beine hinauszuhängen, Banane zu machen und im nächsten Moment war er mit seinem Sprungführer schon weg – einfach aus dem Flugzeug gefallen… Oh mein Gott! Nun sah ich erstmals direkt aus der offenen Türe vor mir, sollte nach vorn an die Öffnung rutschen, Beine heraushängen und außen soweit wie möglich unter den Flugzeugbauch drücken. Unglaublich, da hing ich außerhalb des Flugzeuges, meine an mich gegurtete Führerin saß noch auf der Türkante halb im Inneren. Ich hing für einen kurzen Moment ganz allein in 3600m außerhalb eines Miniflugzeuges über dem Nichts, verbunden nur mit Gurten nach hinten an eine andere Person, die noch im Flugzeug war! War das ein krasses Gefühl!!! Ganz unten irgendwo klitzeklein waren Küste, Weiden, Wälder, hinter uns Berge… Da sollten wir doch nicht wirklich einfach hinausspringen – ins Nichts, ganz frei!? Doch es gab Nix zu entscheiden! Alles stand fest! Gleich würden auch wir vom Himmel fallen. Merkwürdige Situation, mit der man sich da ohne Kompromisse einfach so abfindet. Es ruckelte und wir fielen! Schneller und schneller, über Kopf, wilde Drehungen und nur Himmel und die Erde ganz unten! Wahnsinn! Ich schrie, einfach weil es so krass war, sich nichts mehr zuordnen ließ – oben, unten?! – und die Beschleunigung einfach im ganzen Körper kribbelte. Jeder kennt das Gefühl, wenn man mit dem Auto einen steilen Berg hinab fährt und es im Bauch kurz so merkwürdig wird… Schon immer habe ich mich gefragt, was passiert, wenn das lange Zeit so weitergeht, man immer tiefer und schneller fällt. Hält man dieses Kribbelgefühl aus? Wird es doller oder verschwindet es? Wird man da nicht ohnmächtig? Hier die Antwort: Erst steigert sich dieses Gefühl bis man glaubt es nicht mehr auszuhalten und plötzlich hört es doch auf. Man fällt weiter, aber das Kribbeln ist auf einmal weg! Man fällt nur noch. Von hinten klopfte mir meine Sprungführerin auf die Schultern, zeigte damit, dass sie noch bei mir war und nun der Moment kam, in dem ich die Arme entkreuzen und ausbreiten durfte. Hui, da fielen wir einfach durch den Himmel, frei durch die Luft und jetzt war es irgendwie auch möglich die Umgebung kurz wahrzunehmen. Berge rauschten vorbei, die Weiden und das Meer noch immer weit unter uns, aber näher kommend. Da gab es einen enormen Ruck, der Fall verlangsamte sich, ging in einen Flug über. Meine Sprungleiterin hatte gerade den gelben Fallschirm geöffnet, der unseren freien Fall fast aus dem Nichts heraus abbremste. Ging das alles schnell! Sie lockerte nun meine Gurte, machte es mir bequemer und erlaubte mir die Kamera aus dem Overall zu holen. Ich schaltete auf Video und wir segelten durch die Lüfte. „Willkommen in meinem Büro“ sagte meine Sprungführerin zu mir. Wahnsinn!!! Der Fallschirmflug war ruhig – prima um die Kulisse in sich aufzunehmen. Die Landschaft war fantastisch! Ab und an wurde die Lenkleine straff gezogen, sodass wir in engen Kurven herab wirbelten. Cooles Gefühl! Die grünen Weiden rückten näher – ja, und da stand auch schon Wolfi mit Joy neben dem kleinen Skydive-Bus am Rande einer Weide, auf der wir gleich landen würden. Wir winkten uns zu während der Malaysier mit seinem Führer und dem roten Fallschirm gerade schon aufsetzte. Meine Führerin forderte mich auf die Beine hoch zu reißen und zu halten – ziemlich anstrengend in einem so engen Kostüm – und auch wir setzten zur Landung an, kamen mit den Hintern zuerst auf dem Erdboden auf. Schnell die Gurte ab und aufstehen! Ich hatte einen Sprung aus 3600m Höhe hinter mir – überlebt – und es war wahnsinnig toll!!! Meine Führerin umarmte mich, Wolfi freute sich, ich freute mich, der Malaysier jubelte auch noch! Geiles Gefühl! War gar nicht schlimm, sondern ein tolles Erlebnis! Im Bus folgten wir Wolfi zurück aufs Skydive-Gelände, setzten uns dort kurz auf die Couch im kleinen Büro dieses Privatbetriebes mit familiärer, freundlicher Atmosphäre, der im Vergleich zu Wanakas oder Queenstowns professionellen Monsterbetrieben wirklich eine gute Wahl gewesen war! Sehr wohlfühlig! Durchatmen! Wow, und sogar Videos und Fotos hatte ich nebenher selber aufnehmen dürfen! Und Topwetter, klasse Sicht!!! So ein Glück! Juhu! Noch gingen die Gedanken ziemlich ungeordnet… Heil wieder unten: die Bezahlung der 295$ stand an. Gerne, war echt eine tolle Sache! Noch einmal bedankt und verabschiedet und schon brachte uns Joy direkt vor den kleinen Internetshop des Alpendorfs. Resultat habt ihr bereits anschauen dürfen! :-) Hier noch einmal der Link zum Video: Tinis Skydive. Langsam verarbeitete der Kopf das Geschehene. Dieser gesamte Sprung ging so schnell! Erst konnte ich kaum mehr zuordnen, was wie wann geschah, doch so nach und nach kam die Erinnerung wieder. Cool! Es war gerade erst gegen Vier als wir die Fox Glacier Township verließen und in Richtung Franz Josef Gletscher weiter fuhren, aber einen ganzen Himmelsfall später. :-) Lustig! Erstaunlich! Hätt’ nicht gedacht, so etwas mal wirklich zu machen!!! Nach einem kurzen Walk durch Urwald standen wir vor dem riesigen Steinbett des Franz Josef Gletscher, hüpften dort entlang des Gletscherflusses über die Steine, umgeben von riesigen Bergwänden und klasse Sicht auf den noch etwas entfernten Gletscher. Wir hatten keine Lust ganz heran zu laufen, genossen die Aussicht vom Steinmeer aus, fanden Goldstaub im Sand des Flusses und wanderten irgendwann zurück. Mitten im Franz Josef Alpendorf kochten wir uns Abendbrot an einem Picknickplatz, erlebten wie die Bergkuppen von der Abendsonne in glühende Feuerfarben getaucht wurden, setzten uns im Dunkel in den Vorraum eines Hostels und irrten spät durch die Nacht auf Schlafplatzsuche, den wir schließlich direkt am Highwayrand vor den Toren des Alpendorfs fanden.

Gegen Neun grüßten die Alpengletscher am Donnerstag bereits durchs Seitenfenster. Am kühlen Morgen machten wir auf dem kleinen Kiesplatz Frühstück, bloß beobachtet von einem Pferd auf der nebeligen Weide gegenüber. Aufgetankt ging es weiter Richtung Norden. Tagesziel war Greymouth, wo die Jungs bereits seit dem Vorabend hockten. Doch hatte die 150km lange Fahrt noch viel zu bieten. Erster Halt nur wenige Minuten hinter Franz Josef, am Lake Mapourika, welches sich an diesem Morgen noch ganz mystisch vernebelt darstellte: einsamer Steg, schwarzer Urwald entlang der Ufer, stille Wasseroberfläche, von der dichte Dunstschwaden aufstiegen, Silhouetten toter Bäume und alten Holzes sowie eine nur zu erahnende Sonne, die strahlenförmige Figuren in den Nebel warf. Unheimlich und fantastisch! Am anderen Ende des Sees stoppten wir nochmals, fanden einen einsamen Kiesstrand, von welchem aus ich in den verzauberten See stieg. Stille, klares, angenehmes Wasser und pure Wälder drumherum. Ach, wie werden wir diese Momente vermissen! Hier die Alpen, da ein Traumsee, dort das Meer und sogar Urwald… Gerade die südliche Westküste vereinte alles Erdenkliche so wie wir es bisher noch nie erlebt hatten! Sie faszinierte uns wahnsinnig, ähnelte dem Fjordland sehr, war vielleicht aber noch ein Ding beeindruckender (hätte nicht gedacht, dass das überhaupt noch geht…). Außerdem bot sie dazu bisher bestes Wetter! Da der Tag so schön und entspannt begann, entschieden wir uns für einen 14km-Abstecher vom Highway in Richtung Meer. Die Okarito Lagune lag dort. Am Strand fand Wolfi ein kleines Souvenir, welches Joys Front bald schmücken würde (seht die Fotos). Die Lagune selbst lag still vor Urwald und den Gipfeln der Southern Alps in der Ferne, auf die wir von hier einen der letzten Blicke warfen. Bald würden sich die hohen Berge der Southern Alps verabschieden. Ein kleines Holzbootshaus stand auf einem Steg über dem Wasser. Ruhe, Frieden, Einsamkeit und wärmende Sonne… So hätte man ewig auf dem Steg liegen bleiben können… Zurück auf dem Highway ging es bald weiter gen Norden – ohne Eile, über Flüsse, Weiden und Wälder, ab und an durch kleine Highway-Örtchen, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein schien, mit Stopp für ein Eis und einen Trödelshop. Wir hörten französische Klänge von einer CD, fuhren gut gelaunt durch die herrliche Natur der Westcoast, die nach Norden langsam etwas kahler wurde, nicht mehr ganz so bergig, aber trotzdem toll. Der kleine Ort Pukekura wurde in sämtlichen Reiseführern groß angekündigt aufgrund seines Bushman Museums. Hier gäbe es alles zu bestaunen, was aus Possum gemacht werden konnte. An der Westküste trieben sich so viele Possums herum, wie nirgendwo in Neuseeland, weswegen sie überhäufig oft auch auf der Straße zu finden waren: „Roadpizza“! Tatsächlich stand auf der Speisekarte des kleinen Cafes unter anderem sogar Possum-Pie! Haben’s nicht probiert und sind nach eher unbeeindrucktem Durchschlendern des Museumsvorraums schnell weiter gefahren. Hokitika war unser letzter Halt vor Greymouth. In den Straßen der Stadt des grünen Jadeschmucks (neuseeländischer Greenstone) schauten wir uns ein wenig um, auch mal einigen Schmuckschleifern bei ihrer Arbeit über die Schultern. Per Handy machten wir mit den Jungs ein Treffen in Greymouth für den Abend aus, da sie zu dritt gerade selbst noch am Arthur’s Pass unterwegs waren. Aki hatte als einziger den TranzAlpine-Zug nach Christchurch genommen und würde erst am kommenden Tag wieder zu dem Rest stoßen. Gegen Abend befuhren wir Greymouth mit dem Auto, erkannten den Bahnhof und unsere Hitchhike-Brücke von unserer TranzAlpine-Reise wieder. Nach dem Einkauf kamen auch die Jungs bald von ihrem Inlandsausflug zurück und führten uns zu einem Schlafplatz direkt am Meer.

April, April – wollten eigentlich ‘nen kleinen Scherzartikel einstellen, aber Zeit war zu knapp. Haben es uns für nächstes Jahr vorgemerkt. Sicher lässt sich in Kanada dann ein geeignete r Internet-Platz finden. Haben doch kurzerhand die Neuseeland-Reise bis September verlängert, Flug umgebucht und weitere acht Monate Kanada angehängt. Wusstet ihr noch gar nicht? Ja, und anschließend Asien… vielleicht. ;-) Gegen Zehn brachen Wolfi und ich am Freitagvormittag in die Stadt auf, ließen unterwegs beim Mechaniker für nur 10$ gleich noch Joys Licht reparieren, das schon seit Christchurch nicht mehr funktioniert, uns aber nie wirklich gestört hat. Wir empfingen Aki bei seiner Ankunft mit dem TranzAlpine am Bahnhof… und wen hatte der da schon wieder im Schlepptau: noch einmal die Bayern Milli und Basti. Allerdings fuhren die ein Stündchen später gleich wieder zurück nach Christchurch, ging für die beiden am kommenden Tag auf die Fijis weiter. Nach Internet in der Bibo und etwas Hin und Her bezüglich weiterem Vorgehen (letzte gemeinsame Fahrt mit den Jungs vs. Angie am kommenden Tag besuchen) entschieden wir uns schließlich den bereits vorgefahrenen Jungs an die Pancake Rocks zu folgen. Also haben wir Angie, der Frau die uns als erste damals beim Hitchhiken mitgenommen hat, schnell den neuen Plan mitgeteilt, das Wiedersehen mit ihr auf Sonntag verlegt und Verfolgung aufgenommen. Nun machte sich wieder endloser Urwald im gesamten Hinterland breit, sah aber irgendwie anders aus als im Süden. Richtige Nikau-Palmen zwischen den Farnen, mehr Flüsse, steile Schluchten, schroffere Felsen und auch die Küste rauer, wilder, felsiger. Tosende Wellen ließen das Meer von den Klippen aus schäumend weiß wirken. Die Fahrt war spektakulär mit solchen Aussichten! An den Pancake Rocks stellten wir Joy neben einigen anderen Autos und Kleinbussen ab. Typischer Touri-Haltepunkt: Cafe, Souvenir-Shop und gut ausgebauter Rundweg entlang der Klippen mit den Pfannenkuchen-Felsen. Schon lustig, was die Natur da erschaffen hat! Schaut die Fotos an! Wir haben fast Hunger bekommen als wir die netten Steintürmchen da so stehen gesehen haben. Bissl Schokosoße drüber… Hm! :-) Und wenn man hier zur Flut vorbeikommt, kann man auch Blowholes erleben. Wellen schlagen dann in die Gesteinslöcher und Gischt spritzt weit über alle Felsen auf. Sicher noch beeindruckender! Wir hielten wenige Minuten später an einem kleinen Walk-Ausgangspunkt, stiefelten durch Regenwald hinab bis an eine kleine, verlassene Strandbucht mit imposanten Sandsteinüberhängen, kleinen Wasserfällen und irre wildem Meer. Der Abend kündigte sich an, die Jungs vermissten uns schon. Unter einer sich halb hinter Wolken versteckenden Sonne, die den Himmel orange verfärbte und goldene Strahlenbündel über Meer und den weiten Regenwald aussandte fuhren wir entlang der Westküstenklippen bis Charleston. Hier hatten die Jungs einen herrlichen Meer-Schlafplatz gefunden, mit nahe gelegenem 15min-Rundwanderweg auf die Klippen. Diesen gingen wir mit Marian gleich noch um von den hohen Felsvorsprünge das tosende Meer und die untergehende Sonne zu beobachten. Nach einem letzten, gemütlichen Abend mit den Jungs unter klarem Sternenzelt am Meer ging es zu Bett.

Am Sonnabend vertrödelten wir den Vormittag mit Datenaustausch mit den Jungs, deren Verabschiedung heute anstand. Noch einmal schauten wir von den K lippen über die Fluten – sogar mit Blowholes und unglaublich hoch spritzendem Meerwasser – und brachen gegen Zwei in der warmen Mittagssonne auf. Wolfi und ich kamen nach einem Abstecher ans Cape Foulwind, wo wir im Schnelldurchlauf Sandstrand, Weka-Vögel und Seelöwen-Felsen anschauten, gegen halb Vier in Westport an. Hier wollten wir die Jungs eigentlich wiedertreffen, Adieu sagen – doch keine Spur von denen weit und breit! Handy funktionierte auch nicht! Schade, dass wir sie nun nicht noch einmal gesehen haben und sich unsere Wege nach zwei Monaten Zusammenreisen vorerst ohne Verabschiedung trennten. Na ja, in Auckland würden wir sie nach ihrem Cook-Island-Abstecher noch einmal treffen. Dann wird das nachgeholt! ;-) Westport hatte nicht viel zu bieten, fast alle Läden waren geschlossen. Nach einem Eis und Supermarkt-Einkauf fuhren wir entlang des Buller River zwischen Wald, Bergen und Schluchten in Richtung Inland. Wir hatten uns entschieden noch einmal über Reefton zu fahren, wo wir gegen Sechs am Abend ankamen. Hatten da noch etwas zu erledigen… Mit einer Flasche Wein in der Hand klopften wir am großen Haus von Ronnee und ihrer Familie. Das waren die Leute, die uns auf unserem Hitchhike-Stopp damals am meisten geholfen hatten: Hatten uns mit Bäckerei-Köstlichkeiten und Whitebait verwöhnt, zu einem Bearded Miner Treffen eingeladen und schließlich mit dickem Lunchpaket im Regen 50km an eine belebte Kreuzung gefahren, von der aus wir direkt und problemlos bis Christchurch zurück kamen. Ronnees Mann öffnete uns, erkannte uns sofort, holte seine Frau. Wir bedankten uns bei den beiden und bekamen glatt wieder eine Tee-Einladung für den Abend, wenn wir von Blacks Point zurückkehren würden. In Blacks Point, einem winzigen Gold-Kohle-Örtchen 2km außerhalb Reeftons, schauten wir uns in der Dämmerung noch um. Herrliche Umgebung, idyllische, verschlafene Atmosphäre: im Tal zwischen Berge und Wald, an einem Fluss gelegen, alte, kleine Holzhäuschen mit Kohlehaufen vor der Tür, qualmende Schornsteine, ein ungewohnter Geruch nach Kohleverbrennung in der Luft. Wieder war es hier so anders als noch am Vormittag und wieder so einmalig schön! Selbst die Jahreszeit schien gewechselt zu haben! Rotgelbe Blätter an den Bäumen, Rauchschwaden in der kalten Luft. Herbstduft und Herbstfarben umgaben uns. Auf dem Rückweg stoppten wir vor Ronnees Haus, hatten uns aber entschlossen, die Einladung dieses Mal wirklich nicht anzunehmen. Wir verabschiedeten uns von ihr und brausten in der Dunkelheit davon. Um Acht war es nun schon dunkel! Kurz vor Greymouth hielten wir an der alten Brunner Miene, die uns Ronnee noch empfohlen hatte, parkten direkt neben dem Highway am alten Mienen-Schlot, wanderten im Schein der Kopflampe noch einmal über die Flussbrücke und gingen bald zu Bett.

Am heutigen Sonntag begaben wir uns schon vor Neun aus dem Bett. Der Himmel grau und kühl, aber noch immer kein Regen. Nach dem Frühstück fuhren wir in Greymouth ein. Erstaunt stellten wir fest, dass noch Nichts geöffnet hatte! An der I-Site entdeckten wir erstaunt den Grund: Hier hing ein Zettel mit der Info, dass die Uhr in der letzten Nacht um eine Stunde zurück gestellt wurde! Wir waren unbeabsichtigt so früh unterwegs wie lange nicht, alles noch zu! Wir irrten von einem Platz zum anderen auf der Suche nach Strom und Internet. Nix! Überall erst ab Zehn! Doch fanden wir immerhin öffentliche Duschen in einem Camper-Park und vertrieben die Zeit bis Zehn so auch ganz sinnvoll! :-) Nun ist es bereits nach Zwei. Werden jetzt Angie anrufen und noch kurz besuchen. Dann geht die Fahrt schon weiter… Verabschieden der Westküste, Wiedersehen woanders! Lasst euch überraschen…

Ganz viele Grüße, eure Tini und euer Wolfi :-)

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