Autokauf – es wird immer anders als man denkt…

Im letzten Artikel haben wir bewusst unerwähnt gelassen, dass wir gestern Nachmittag noch einen Autoanschautermin hatten. Wollten das erst heute berichten, wenn es auch ein Ergebnis dazu gibt… Wir sahen uns gestern also einen schönen, relativ neuen Van von einem sich als Privatverkäufer ausgebenden Asiaten an. Hatte hinten schon ein Bett drin und Wolfis technischer Check ergab keine offensichtlichen Mängel. Wir haben ihn auf einen annehmbaren Preis heruntergehandelt und ehe der Typ (zugegeben ebenfalls mysteriös und sicher auch eher professioneller Händler) mit uns sofort in die von ihm vorgeschlagene Werkstatt zum mechanischen Vorcheck fahren konnte, haben wir um einen Tag Bedenkzeit gebeten. Wir haben auf dem Heimweg im PostOffice bei unserer lieben Bankdame Judith ausführliche Erkundigungen zum Autokauf einschließlich Bürokratie eingeholt und dann im Hostel erfüllt von vorfreudigen Gefühlen telefonisch einen Termin bei einem unabhängigen Mechaniker zum Vorcheck ausgemacht und waren uns irgendwie sicher, dass es morgen mit diesem Auto klappen wird! Naja, ein paar Zweifel waren schon, da er kein Backpacker war und auch abends noch eine SMS gesendet hat, in der er nochmals mit dem eigentlich-nicht-mehr-minderbaren Preis um ein gutes Sümmchen heruntergegangen ist.

Am heutigen Morgen waren wir schon wieder 06.30 Uhr wach, haben nach Hause geskypt, noch einmal ordentlich gefrühstückt, fertig gepackt und im fettem Grau plus Regen unser schönes Hostel auf der K’Road mit Sack und Pack um 10.00 Uhr verlassen.

Lustig fanden wir es als ein weißer Mini-Van mit Sale-Aufschrift an uns vorbeifuhr, während wir auf unseren Bus warteten… Inklusive kompletter Stadtrundfahrt ging es auf zum neuen Hostel – der City Garden Lodge in Parnell, Auckland. Eine im Vergleich zur K’Road mit Rotlichtmeilen-Flair sehr ruhige Wohngegend direkt hinter einer idyllischen, aber belebten Einkaufsstraße mit teuren, hübschen kleinen Shops und Cafes (würde jetzt behaupten viktorianischer Stil, aber keine Hand dafür ins Feuer legen ;-) ). Der Himmel wurde blau, die Gegend wirkte nett und freundlich und an einem Baum im Vorgarten eines Hauses entdeckten wir große, saftige Orangen, die einfach so auf den Boden fielen, weil scheinbar niemand sie pflückt.

Beim Anblick unseres Hostels staunten wir: Es wirkt sehr, sehr freundlich, sieht eben aus wie man sich eine schöne Lodge vorstellt und wir wurden äußerst freundlich durch den Leiter begrüßt, der uns auch gleich erklärte, dass die vermeindlichen Orangen bittere Grapes wären… Werde morgen trotzdem eine holen und kosten! :-)

Nachdem wir unser kleines Zweierzimmerchen mit Doppelbett (süße Farbgebung und mit Wärmfläschchen für jeden) angeguckt haben sowie einmal durch die schöne, alte Lodge-Villa gewandert sind, wollten wir kurz zum Telefonieren mit der Werkstatt für unseren heutigen Van-Termin ans öffentliche Hosteltelefon und kurz vor die Tür zum Luftschnappen – eben mal fünf Minütchen raus und dann das Zimmer fertig beziehen. Am schwarzen Brett des Hostels entdeckten wir da genau unseren Van, den wir heute nach dem Check kaufen wollten. Wir freuten uns und sahen im nächsten Moment zwei Flyer weiter einen ähnlichen Van, der dieselbe Handynummer als Kontakt hatte! Wir freuten uns plötzlich so gar nicht mehr, denn nun war uns vollkommen klar, dass auch er wieder so ein schleimiger, professioneller Händler sein musste! Ohne Telefonat gingen wir zum Überdenken unseres Tuns vor die Tür und als wieder der Hostel-Leiter an uns vorbeikam und uns ganz nett ansprach, erzählte ich ihm von unserem Autokauf-Vorhaben und dem, was uns soeben aufgefallen ist. Er meinte auch, dass das professionelle Händler wären und man vorsichtig sein muss! Er empfahl uns eine Werkstatt direkt eine Straße weiter sowie uns deren aktuell zum Verkauf stehenden Van auch mal anzuschauen. Wir sind direkt los, kamen aber nur bis zum Lodge-Ausgang, denn dort stand ein Mini-Van mit großer Sale-Aufschrift und ein Hostelbewohner beendete gerade seine Begutachtung mit dem Schluss, dass das Auto nix für ihn sei. Neugierig haben wir uns dafür von den beiden sehr sympathischen Travellern und zugleich Verkäufern aus Israel und Japan alles zeigen und erklären lassen und waren schlichtweg begeistert! Was für ein Zufall auch, dass dieses Auto, was wir vor bloß einer Stunde am anderen Ende der Stadt haben vorbeifahren sehen, nun hier vor uns stand… Wenn das kein Zufall war?!
Wolfi hat das Auto sogleich inspiziert, wir sind eingestiegen, haben eine Probefahrt unternommen, uns nebenbei angeregt unterhalten und haben vorm empfohlenen Mechaniker angehalten. Dort gab es einen Termin für ‘ne halbe Stunde später und solange saßen wir mit den beiden Besitzern nebenan in einem schönen Cafe auf Kaffee und Cookie. Wir erhielten viele nützliche Tipps rund um Neuseeland und hatten Spaß mit den beiden. Nach eineinhalb Stunden haben wir uns das Ergebnis vom Mechaniker mitteilen lassen. Für nur umgerechnet 45€ (andere Werkstätten sind teils viel teurer!) stellte er keine groben Mängel fest. Wir waren begeistert und teilten den beiden mit, dass wir ihr Auto spontan nehmen wollen! :-D

Wow, es ist neuer als alle bisher von uns angeschauten Autos, wirkte wirklich gepflegt und soweit beurteilbar schien alles intakt! Ist halt kein normalgroßer sondern ein Mini-Van und hat leider noch kein eingebautes Bett (danach haben wir ja bis jetzt immer geschaut), aber trotzdem ist es groß genug zum Darin-Schlafen und das haben die beiden auch öfter mit Matratze gemacht! Sämtliches Campingzubehör sowie Bettzeug wird mit dem Van mitgegeben! Sofort ging es zum Bankautomaten und mit prallen Taschen ab zum PostOffice, das auch hier wieder sämtliche Bürokratie abwickelt und binnen nur zehn Minuten wurde ich die offizielle auf-den-Papieren-Besitzerin eines Nissan Prairie Mini-Vans, Baujahr 1996, Spitzname “Joy”, 183.330 Kilometer, Benziner, Farbe dunkelrot, für 2600 NZD (ca. 1500 Euro). Und der ist auch wirklich noch sein Geld wert! Auf einen Vorschulden-Check haben wir verzichtet. Haben den beiden einfach vertraut, dass das Auto mit nix belastet ist. Immerhin sind auch zwei kostspielige Dinge (WOF und Registration) von den beiden bis Januar 2011 bereits bezahlt und eingetragen wurden. Bei anderen Autos muss man dafür als Käufer selbst noch ca. 200 NZD hinblättern!

Da die neuen Vorbesitzer irgendwie ihren ganzen Kram, den sie noch im Auto hatten, zurück in ihr Hotel bekommen mussten, haben wir sie natürlich als neue Besitzer mit unserem Auto hingefahren – also Wolfi als Fahrer, während der Vorbesitzer ihm gleich noch etwas Linksfahr-Unterricht gab. Dort angekommen waren wir uns zu unsicher, den Weg linksfahrend allein zurückzufinden, sodass die beiden nachdem sie ihre Sachen im Hotel abgeschmissen hatten, wieder einstiegen um uns zurückzufahren und selbst mit dem Bus wieder zum Hotel zurückzukehren. Hui, so ein Hin und Her… Und plötzlich… Der Wagen sprang nicht mehr an! “Scheiseee” war das, was der Vorbesitzer andauernd wiederholte, während er krampfhaft wieder und wieder den Schlüssel drehte. Doch nix ging! Einige Jungs von der Straße halfen uns, das Auto auf die Parkfläche zu schieben… Oh mein Gott! War das ein Reinfall-Kauf? Nein, plötzlich fiel es dem Vorbesitzer wie Schuppen von den Augen: No Petrol! Also sind Wolfi und er zu Fuß los zur 2km entfernten Tankstelle, während ich mit der Japanerin im Auto wartend Cookies aß und wir von den Mormonen eingeladen wurden…

Als die Jungs endlich zurück und das Benzin drin war, konnte die Rückfahrt beginnen. Die beiden parkten uns an einem nahe unseres neuen Hostels gelegenen, richtigen Einkaufsmarkt für Lebensmittel und wir verabschiedeten uns herzlich! Traurig waren die beiden schon, dass sie ihre Joy nun abgegeben haben.

Glücklich und erst so richtig unseren Fortschritt begreifend sowie mit ausgehungerten Mägen (denn wir wollten 11.00 Uhr ja nur für 5 Minuten vor die Tür, mittlerweile war es 17.00 Uhr, einen Autokauf später, und wir hatten seit 08.00 Uhr nix Richtiges mehr gegessen) liefen wir wie im Traum durch den Riesen-Lebensmittelmarkt, in dem es wirklich alles und endlich mal zu humanen Preisen gab und kauften für 70 Dollar einen großen Korb voll Essen! Das war kein Backpackerfeeling, aber wir haben ja nun auch ein eigenes Auto und viel Stauraum :-)

Nun bloß noch schnell zurück zum Hostel, ganz einfach so wie es uns der Vorbesitzer erklärt hat. Die erste Linksfahrt allein und noch unversichert! Plötzlich… eine falsche Abbiegung, eine größere Straße, mehr Verkehr, eine Highway, sehr viel Verkehr und die Nerven blank! Wow, beeindruckt und entsetzt zugleich steuerten wir alle Spuren ahnungslos wechselnd über Highway 1 gen Norden.

Da half auch das beeindruckende Abendrot und Stadtpanorama nix… Wir wollten doch nur zurück zum Hostel!!! Nach einer lang ersehnten Abfahrt fuhren wir wieder Richtung Auckland und… nein, nicht noch einmal… doch… falsche Spur und dieses Mal ab auf Highway 16! Da ging es in der Abenddämmerung und im Monsterverkehr über die berühmte HarbourBridge (die hatte ich für unsere Auckland-Besichtigung eigentlich schon abgeschrieben…).

Wolfi jammernd weil unvertraut mit Links- und Automatikfahren, ich ihn und uns beruhigend und beeindruckt fotografierend sausten wir gen Irgendwo. Die erstbeste Abfahrt runter hielten wir erschöpft an einem kleinen Sportplatz, sahen Rugbyspielern zu und fraßen ausgehungert einen Teil der Einkäufe in uns hinein. Im Auto haben wir vom Vorbesitzer uns zu unserem Glück überlassenen Maps von Neuseeland durchwühlt, sind im nun schon fast Dunkel wieder aufgebrochen und haben unter tollen Motiven von Aucklands Skyline, dem leuchtenden Hafen und einem großen Vollmond tatsächlich zurückgefunden zum Hostel.

Nach kurzer Parkhilfe durch den Leiter standen wir heil und glücklich in der schönen Hostelküche und haben uns ein feines Abendbrot bereitet. Die tolle, familiäre Atmosphäre mit vielen offenen Travellern, einem Kaminzimmer inklusive zwei kaputten Gitarren sowie das gute, endlich mal nicht-Nudel-Abendbrot (Wolfi hat sich zur Feier des Tages ein schönes Rindersteak gebraten und alle umstehenden Traveller waren neidisch) ließen unseren erfolgreichen Tag super ausklingen. Das Kaminfeuer knistert, wir werden müde und bald zufrieden ins Bettchen fallen! Morgen früh werden wir sogleich eine Auto-Versicherung abschließen (geht hier im Hostel ganz einfach beim netten Leiter), uns um ein Bett bzw. Matratze fürs Auto kümmern und das Museum von Auckland anschauen, eh wir dann so richtig aufbrechen in die Northlands…

Juhuuuu, es wird doch und immer anders als man denkt ;-)

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3 Antworten auf Autokauf – es wird immer anders als man denkt…

  1. Susanne Fritzlar sagt:

    Also Ihr lieben Kiwis, ich bin ganz begeistert von den wundervollen Bildern. Und ich freu mich, dass Ihr so einen Blick für die kleinen Schönheiten am Rand entwickelt habt, wie z.B. für das Vergißmeinnicht! Ihr macht das wirklich ganz toll und mit ganz viel Herzblut. Ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die ihre Freude daran hat.:-)
    Nun drück ich wieder ganz doll die Daumen für einen fairen Autokauf. Es gibt übrigens noch einen kleinen netten Vulkan, von dem man einen herrlichen Ausblick haben soll: One Tree Hill. Aber das würde ich nur empfehlen, wenn Ihr noch ein bisschen festsitzt in Auckland. Also verliert nicht die Hoffnung auf ein gutes Auto und seid lieb gegrüßt von Lara (die kaum noch bellt?) und MAMA

  2. Katja sagt:

    ich könnte echt den ganzen tag euren blog lesen. :) es ist so aufregend, was ihr da alles macht! und eben hab ich sogar laut lachen müssen (und das kommt nicht oft vor, wenn ich allein an meinem schreibtisch sitze), als du beschrieben hast, wie ihr euch auf dem highway verfahren habt. ich bin so neidisch auf eure abenteuer! und sie lenken mich wunderbar vom lernen ab. :)
    viele grüße,
    katja

  3. renate sagt:

    Hallo ihr Lieben!
    Ich freue mich sehr für Euch und wünsche Euch gute Fahrt! Bin gespannt auf Eure nächsten Abenteuer. Bleibt schön gesund und seht euch bitte aber auch alles an ! In Gedanken fahre ich mit! MVG Renate

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