Wochenende – Bettentraum, Startproblem, Sommerzeit

Der gestrige Tag stand unter dem Motto Bettbau. Auf Erwachen, Frühstücken, Packen folgte Wäsche waschen und aufhängen – Beweisfoto um Mama stolz zu machen :-) :

Wir leihten uns kostenlos Werkzeug vom netten Hostelleiter, parkten das Auto auf der Wendeschleife am Ende der Straße und Wolfi machte sich an die Arbeit die Hintersitze auszubauen. Dies gestaltete sich nicht leicht…
Zwischenzeitlich ging ich zurück zum Hostel um zu schauen, ob unsere neue Unterkunft schon beziehbar war. Auf dem Weg staunte ich über interessante, blühende Pflanzen und Bäume und als ich eine Blüte berührte, erklang hinter mir eine Stimme, die mir deren Namen nannte und erklärte, dass es eine nur in Neuseeland heimische Art sei. Zwei ältere, neuseeländische Damen standen lachend hinter mir und für ein paar Minuten unterhielten wir uns über einheimische und deutsche Pflanzen.

Bin dann weiter und tatsächlich – unsere neue Behausung war fertig! Da wohnen wir momentan:

Als ich wieder zurück zum bastelnden Wolfi ging, sah ich in einem Hof einen Typen mit Gitarre unter einem Fenster. Ich ging ein paar Schritte auf das Grundstück um zu beobachten. Als der Junge mich bemerkte, kam er und ich fragte ihn, ob er die Gitarre zufällig verkaufen möchte. Wollte er nicht, dafür lud er mich und Wolfi zum Abenddinner am Feuer mit Gitarre ein. Er erklärte, dass er mit zwanzig anderen Bewohnern in diesem Haus lebt, zeigte mir kurz die Küche und zwang mich ganz stolz auch die Hühner im Garten anzusehen. Ich bedankte mich und sagte, dass wir, wenn wir es schaffen sehr gern vorbeikommen würden. Diese tolle Überraschungsnachricht überbrachte ich gleich Wolfi, der sich sehr darüber freute.
Und tatsächlich bekam er kurz darauf unter Jubel anderer Traveller, die gerade im Taxibus davon fuhren und die Szene scheinbar beobachtet hatten, die störrische Rücksitzbank heraus.

Wir waren erleichtert, doch schon ergaben sich weitere Probleme: Wohin nun damit und das samstags? Und wie bekommen wir die störenden Führungsschienen, die nach Spezialwerkzeug verlangten, nun noch heraus?! Uh, Wolfi hat weiter geschraubt, ich erkundigte mich bei einem anderen näher gelegenen Hostel nach Entsorgungsmöglichkeiten für Rücksitzbänke :-) Auch hier gab es einen netten Leiter, der mir sogleich in einem Stadtplan eine Einrichtung kennzeichnete.
Als wir dabei waren das Auto einzuräumen sprachen uns plötzlich Leute an. Wir trauten unseren Auge nicht als wir nun schon zum dritten Mal zufällig Anka und Max mitten auf der Straße in Auckland trafen.

Kennen lernten wir die beiden Work&Traveller aufm Backpackerautomarkt und zwei Tage später trafen wir sie zufällig wieder als sie ihr Auto abholen wollten, aber das einfach verschwunden war. Mittlerweile haben sie ihr Auto doch bekommen, gaben uns gleich Tipps für die Gardinen und erzählten uns, dass sie gerade auf dem Weg zu einem tollen, allsamstaglichen Farmermarkt waren. Ich war sofort Feuer und Flamme, hatte am Abend zuvor sogar noch davon gelesen, aber es wegen Autoumbaus abgeschrieben und wieder vergessen. Nun kamen die zwei daher und der Markt lag tatsächlich nur 100 Meter von der Wendeschleife entfernt! Lustig – wir standen da schon seit Stunden und hatten es nicht mitbekommen! Tja, so hat das mit dem Markt doch noch geklappt! Muss da nicht viel schreiben, es war ein Traum! Gutes, sogar deutsches Brot, schönste süße Gebäcke und tausende andere Köstlichkeiten! Das Beste daran: Alles war zum Probieren und ich aß und aß und kaufte und kaufte… Boah, das war wirklich ein Paradies!!!

Wolfi wurde schon leicht ärgerlich, weil das Auto rief und die Zeit schwand! Wir gingen viel zu früh wieder, aber immerhin mit vollen Tüten.

Schnell gab es ein Mittag mit deutschem Brot und gutem Feta bevor die Fahrt in Richtung Automechaniker, Baumarkt und Matratze ging… Wir wussten nur noch nicht, wo und was und wann was… Die Zeit schwand weiter, das Bett war noch nicht da… Mehrere Leute, die wir nach einem Mechaniker fragten, erklärten uns, dass man diese am Wochenende nicht antreffen würde. In der Tat waren die Autowerkstätten geschlossen und wir fuhren den neuseeländischen ADAC an, um von denen die Schienen entfernen zu lassen. Die machen so etwas aber nicht und als wir davon fahren wollten, gab uns eine Frau noch einen super Tipp. Wir hörten auf sie, fuhren die Straße entlang – juhu: Mechaniker! Die guten Werkstattleute halfen uns sofort mit der Schienenentfernung und wollten nichts dafür!!! Wir waren soooooo dankbar und boten ihnen einfach unsere Rücksitze an. Als sie diese auch noch abnahmen, waren wir überglücklich! Das Auto war nun so schön leer und mega geräumig.

Wir sind gleich weiter zum Baumarkt: Nägel, Schleifpapier, Campingstühle gegen wenig Bares und drei weitere Holzpaletten umsonst :-) Klappte ja wie am Schnürchen!

Da der Baumarktparkplatz zu voll war, haben wir die Paletten mit Müh und Not ins Auto gequetscht, sind wieder in die Nähe des Mechanikers, direkt vor unseren Matratzenladen, und haben hier unsere Bettwerkstatt eröffnet. Paletten also wieder raus und der Bettbau begann. Wolfi zerlegte die Paletten, nagelte das Holz wieder anders zusammen und Schritt für Schritt nahm das Bett Form an…

Es war harte Arbeit und zog sich über mehrere Stunden und Regenschauern bis der “Lattenrost” fertiggestellt war. Alles wieder ab ins Auto und zurück zum Baumarkt. Nun musste kurz vor Ladenschluss das Holz für die Beine her, deren Höhe wir mittels Plasteboxen, die am Ende ja unter das fertige Bett sollen, abschätzten. Schnell wurde uns ein dicker Balken für die Beine zugeschnitten. Da der Baumarktparkplatz zu dieser Zeit schon leer war, haben wir dort gegen die Zeit weitergehämmert. Es wurde dunkler und dunkler.

Ich hatte es schon die ganze Zeit erwartet und nun passierte es: “Ahhaaaaaaau!” Da hat sich Wolfi ordentlich den Daumenballen aufgehämmert… Im selben Moment rief uns ein Baumarktmensch zu, dass er nun die Tore schließen müsse. Unter Schmerzen stopfte Wolfi mit mir das “Bett” wieder ins Auto. Doch nun passte wegen des Beins und ein paar Millimetern zu viel das halbfertige Gestell in aller Eile nicht mehr hinein :-o Mit weit offenem Kofferraum verließen wir den Baumarkt und steuerten erneut den Parkplatz des neuseeländischen ADAC an, weil da gute Beleuchtung war. Mit viel Geduld und unter Entfernung der Ersatzradklappe bekamen wir das Bett mit einem Bein nun sogar doch in unser Auto. Wir maßen dann die genaue Höhe der “Vorderbeine” und sägten diese vor Ort zu. Zwei interessierte Reinigungsmenschen unterhielten sich nebenbei mit uns und irgendwann sah das Autobett wie ein echtes, tolles Autobett aus.

Das Annageln der Beine gestaltete sich sehr schwierig, sodass wir an diesem Punkt die Arbeit für den Samstag einstellten. Die Konstruktion gefiel uns und wir stellten uns vor, wie schön wir darauf schlafen könnten. Auch der Stauraum darunter wirkte schön groooß! Zufrieden, aber erledigt vom Bauen fuhre wir zurück ins Hostel… Schade, dass wir auch zu kaputt waren um die Abenddinner-Einladung wahrzunehmen, aber Bett hat Vorrang! Wir saßen noch etwas vorm Hostel mit ein paar netten Deutschen draußen (ja, man wundert sich, aber in diesem Hostel gibt es mehr Deutsche als alles andere!).
Weil das Bettbauen scheinbar noch etwas Zeit braucht, verlängerten wir unseren Hostel-Camper wieder mal für eine weitere Nacht :-/ Hatten uns das Auckland-Verlassen zügiger vorgestellt… Aber braucht halt alles seine Zeit und immerhin bekommen wir so für 30 NZD ein Bett selbst hin, für das wir einem Vanbetten-Bauer 250 NZD hätten zahlen müssen!

Heute morgen, nach einer eiskalten Nacht im Camper mit Halsschmerzen als Resultat, erwachten wir und machten uns nach dem Frühstück wieder auf ans Bauen! Wir fuhren an einen etwas entlegeneren Sportplatz um am Sonntag keine Anwohner zu stören. Wolfi hämmerte und hämmerte die doofen, langen Nägel mit viel Mühe hinein und tatsächlich stand unser Bett bald gut und sicher! Wir freuten uns, lagen Probe und freuten uns noch mehr.

Doch die böse Überraschung kam als wir losfahren wollten… Das Auto sprang einfach nicht mehr an! Entsetzt baten wir Jogger um Hilfe, starrten entgeistert in den Motorraum, baten weitere Jogger um Hilfe… Ging nicht. Ich lief in einen nahegelegenen Shop und der hilfsbereite Verkäufer versprach, dass er eine halbe Stunde später vorbeikäme. Das tat er wirklich, konnte aber auch nix machen.
Da wir um 13.00 Uhr eine Verabredung am Museum mit Jelle ausgemacht hatten und sowieso nicht weiter wussten, stiefelten wir vulkanauf, vulkanab bis zum Museum. Dort warteten wir vergeblich bis Jelle uns schrieb, dass sie mit ihren Leuten bereits drin wäre. Sind auch rein und haben nach drei Räumen Jelle entdeckt. Sie fragte uns, ob wir unsere Uhren auch brav umgestellt hätten und erst jetzt bemerkten wir, dass hier heute offiziell die Sommerzeit begonnen hat! Desweiteren wurde uns nun klar, warum wir Jelle trotz unserer 13-Uhr-Püntklichkeit verpasst hatten… Nun gut, wir streiften weiter durch das Museum und waren schon beeindruckt von der Pazifik- und Maorikunst, doch irgendwie war immer das Auto im Hinterkopf.

Nachdem wir uns in dem Riesengebäude auch noch gegenseitig verloren hatten, trafen wir uns irgendwann nach halbherziger und bloß halbfertiger Museumsbesichtigung gegen 16.00 Uhr vorm Eingang in der Sonne wieder und gingen erschöpft ins Hostel zurück um endlich Mittag zu essen und das weitere Vorgehen zu überlegen. Sonntags blieb eigentlich nur die Wahl, den AA (ADAC) zu rufen, der allerdings für uns Nicht-Mitglieder sehr teuer käme und unser gesamtes, durch den Selbstbettbau Erspartes mindestens wieder aufbrauchen würde…
Während wir in der Sonne saßen und aßen kamen viele nette Hostelbewohner vorbei, denen wir von unserem Autoproblem erzählten. Schnell fand sich ein hier im Hostel arbeitendes Mädel, das zu einem der seltenen Autofahrer gehört, die im Besitz eines Starterkabels sind. Wolfi fuhr sogleich mit Mandy los, während ich Blog schreibend und mit Leuten quatschend in der Sonne sitzen blieb. Einige erzählten von eigenen Autoproblemen, anderen von einem tollen Tagesausflug an den Strand am heutigen Tag, der endlich mal keinen Regen mit sich brachte, und ich wurde darauf ein wenig neidisch… Wann können denn auch wir endlich was anderes als Auckland sehen und losfahren?! :-(
Nach eineinhalb bis zwei Stunden kamen Wolfi und Mandy endlich wieder… Allerdings ohne Joy! Die stand noch immer auf ihrem Parkplatz am Sportplatz, startet nicht, wird aber wenigstens heute Nacht von der Security mitbewacht! Wolfi und Mandy versuchten zu starten, schoben das Auto und wendeten weitere Tricks an, bis ein sehr netter Anwohner auf sie aufmerksam wurde und ganz freundlich und bemüht alles gab, um das Auto wieder zum Laufen zu bekommen. Wolfi berichtete sehr begeistert von dem netten Mann, der auch den Securitymenschen extra den Auftrag gab, heute Nacht auf unser Auto mitzuachten! Außerdem schraubte er mit seinem Werkzeug eine Zündkerze heraus, sodass wir diese morgen nachkaufen können und er hinterlegt morgen früh sein Werkzeug für uns auf den Mülltonnen, damit wir die neuen Zündkerzen einbauen können! Ist das nicht echt toll???
Trotzdem finde ich das alles heute sehr schade… Ich möchte so gern los, auch wenn es uns täglich besser in dem Hostel gefällt. Wolfi sieht das etwas gelassener. Naja, hat ja auch irgendwie Recht. Was machen die ein oder zwei Tage schon aus? Wir haben Zeit und das Wetter wird gerade erst besser. Ich hoffe trotzdem sehr, sehr, sehr, dass morgen Joy wieder läuft und wir in den nächsten ein bis zwei Tagen wirklich endlich los können!!!
Vorhin gab es Nudeln mit Tomatensoße und brauner Butter, denn während ich hier schrieb, hat Wolfi unser Abenbrot gekocht. Nun noch nach Hause telefonieren und ab ins Bett…

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3 Antworten auf Wochenende – Bettentraum, Startproblem, Sommerzeit

  1. Yvonne sagt:

    Hallo ihr zwei!

    Das ist ja total ärgerlich dass Joy schon streikt! Ich wünsche euch alles Gute für einen erfolgreichen Start in Kürze! ;) Das kriegt ihr jetzt auch noch hin – habt ja schon einige Hürden genommen in der kurzen Zeit.

    Alsdenn, haltet und weiter auf dem Laufenden! :)
    Grüßle,
    Yvonne.

  2. Birgit sagt:

    Hallo Ihr 2 !!!!!!
    Ihr seid einfach nur goldig.Einfach perfekt in jeder Lebenslage.
    Muß ja auch erst noch zu Eurer “Joy”gratulieren und hoffe, dass sie bald wieder fahrtüchtig ist.
    Ich glaube so ein Auto zu kennen.Elsa’s Vater hatte mal so eins!? Nissan Prairie Pro hieß er und wurde mit 500 ooo km noch weiterverkauft.War nie gr0ßartig zu Reparaturen.
    Also weiterhin alles alles Gute.Denke an Euch !!!

  3. Yvonne sagt:

    Hallo ihr zwei, also eure Blogs zu lesen, macht immer wieder auf ein Neues Spaß. Sitzen ganz oft mit gesamter Familie vor dem Laptop und lesen jeden Tag ganz gespannt eure vielen lustigen Erlebnisse. Haben immer viel Spaß dabei. Die Schilderung eurer Erlebnisse sind interessanter wie ein Krimi. Hoffen eurem Joy geht es wieder besser, so dass ihr bald losstarten könnt. Finden es ganz toll, wie ihr das alles so meistert. Macht einfach weiter so. Es grüßt euch ganz lieb Yvonne mit Familie

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