Endlich los und weit weg :-)

Nachdem wir gestern unser Frühstückchen verspeist hatten und tatsächlich noch einmal ein Doppelzimmer im aktuellen Hostel ergattern konnten, das zwar eine der teuersten aber die einzige überhaupt noch freie Schlafmöglichkeit war, sind wir planlos zu Fuß in Richtung unseres Sorgenkindes. Auf dem Weg riefen wir verschiedene Van-Vermieter, weil wir plötzlich auf die Idee kamen, dass diese ja zu zweit genauso günstig wären, wie noch eine Hostelnacht, wir dazu aber auch ein funktionstüchtiges Mobil hätten um damit Joys Reparatur und diverse nötige Einkäufe dafür zu erledigen. Vanausleih ist aber erst ab fünf Tagen möglich, wurde also nix draus.
Schon von der Ferne sahen wir unser Auto sicher am Sportplatz stehen. Sah noch aus wie gestern und traurig, aber hoffnungsvoll wünschte ich mir, dass einfach so beim Schlüsselumdrehen alles wieder funktionierte. Meine Hoffnungen wurden enttäuscht, Wolfi holte das Werkzeug von der Mülltonne des netten Helfers von Gegenüber und wir begannen, eine nach der anderen Zündkerze durchzutesten. Alles ok… Wolfi probierte weitere Sachen, die uns Thomas gestern Abend in einem langen Telefonat erklärte. Ich fragte nebenbei kurzzeitig parkende Autofahrer und Spaziergänger um Hilfe, um Tipps, Ideen. Ein Taxifahrer rief die Auskunft an und hielt mir den Hörer ans Ohr. Ich sprach mit einer Melissa von HomeTune, die uns einen mobilen Mechaniker auf den Weg schickte… Langsam begriffen wir, dass es nicht unbedingt eine kostengünstige und selbst in den Griff zu bekommende Reparatur würde! Aus Not störten wir nach etwas Zögern ganz freundlich zwei Arbeiter, die gerade ihr Lunch einnahmen, und baten sie um Hilfe. Vielleicht bekamen wir es ja doch noch hin, ehe der teure Mechaniker anrückte… Sofort waren die beiden bereit, holten von irgendwo weiteres Werkzeug hinzu und machten sich im Motorraum zu schaffen. Es sah so gut aus, wie sie das taten, dass wir noch einmal Hoffnung schöpften. Letztlich kamen die beiden auf das, was auch Wolfis und Thomas und des Internets schlimme Befürchtung war: defekte Benzinpumpe! Nie werde ich das grausige Wort “fuel pump” vergessen… :-( Schon rollte für 79 NZD der HomeTune Mechaniker von hinten an und fragte kurz, ob wir seine Hilfe noch benötigten. Ungern bejahte ich vorsichtig, bat aber noch um fünf Minuten Chance für Wolfi und die sich abmühenden, unterm Autoboden liegenden Männer. Für den Benzinpumpenfall kalkulierte der immerhin sympathische Mechaniker ca. 600 bis 700 NZD. Mitleidig und so als ob sie uns weiterhelfen wollten, gingen die Männer, nachdem wir uns tausend Mal bedankten, beobachtend beiseite. Der Mechaniker ließ sich alle Erkenntnisse und bisherigen Taten von Wolfi erklären, checkte in schnellen Zügen das Wichtigste noch einmal ab und stimmt tatsächlich der defekten Benzinpumpe zu! Er war nett und arbeitet sehr zügig. Wolfi unterhielt sich nebenher mit ihm und machte ihm klar, dass wir nicht viel Geld ausgeben wollten. Wir fragten ihn, ob unsere Vorbesitzer davon auch schon etwas bemerkt und uns absichtlich verschwiegen haben könnten, aber er verneinte dies. Wir hatten einfach nur Pech und wie zwei andere Mechaniker zuvor erklärte er uns, dass wir da ein sehr taugliches, gutes Auto vor uns hatten. Hmmm… eben wirklich Pech! Kann man nicht vorhersehen! Binnen der nächsten eineinhalb Stunden baute der Mechaniker den gesamten Tank aus, entfernte die Pumpe, fuhr zurück um die neue zu holen und führte die komplette Reparatur schnell und vor Ort durch! Wir hatten schon die Befürchtung, dass uns die ganze Sache noch einige weitere Tage rauben würde… Doch zum Glück blieb uns ein kostspieliger Transport und langes Warten erspart! So etwas wäre in Deutschland laut Wolfi kaum möglich gewesen. War schon Wahnsinn, in was für einem Tempo das Auto hochgestemmt, auseinander- und wieder zusammengebaut wurde! Nebenher hatten wir Zeit uns an den Preis zu gewöhnen, sahen die ganze Sache immer positiver und freuten uns einfach nur darauf, das Auto endlich wieder starten zu hören und den Sportplatz fahrend zu verlassen! Als ich am Rande saß und zuschaute, kam plötzlich der eine der beiden Arbeiter langsam auf mich zu, drückte mir einen Zettel mit einer Adresse und Nummer in die Hand und sagte, dass wir ihn zuhause besuchen kommen sollen zum Barbecue und Bier! Ich war einfach nur baff!!! Wow, einfach so! Ich bedankte mich mehrfach verblüfft und annehmend! Er erklärte mir, dass der Ort 50km von Auckland entfernt liegt. Nachdem ich Wolfi das berichtete und er ebenso erstaunt war, durchwanderte ich den umliegenden Park und besorgte in einem Shop Pasteten, Getränke und Cookies. Unterdessen kam der Arbeiter noch einmal zu Wolfi um ihm beim Warten Gesellschaft zu leisten. Er wiederholte seine Einladung, schenkte Wolfi eine tolle Übersichtskarte von der kompletten Nordinsel und malte Orte ein, dir wir unbedingt besuchen sollten. Er offenbarte Wolfi auch noch, dass er ein Maori sei! Dann fuhr er mit seinem LKW davon… Ja, wir werden ihn wiedersehen! Wir konnten nicht fassen, aus welchen unschönen Situationen sich hier immer wieder tolle Momente, Chancen und Möglichkeiten ergeben! Schon komisch manchmal oder eher unglaublich… Witzig ist, dass der Vorbesitzer uns mit seinem Auto die Straßenkarten von Auckland und Südinsel überlassen hat und das einzige, was uns fehlte eine Karte der Nordinsel war… :-)
Als plötzlich ein komplettes Startgeräusch unseres Autos erklang, waren wir überglücklich. Schnell packten wir alles zusammen und erwarteten ängstlich die Summe des Mechanikers. Taktisch klug bot ich ihm schnell noch ganz nett einen Cookie an als er seine Handschuhe ablegte. Er sagte, er liebe Cookies und als er den Mund so richtig voll hatte, fragte Wolfi ihn ganz lieb nach einem Backpacker-Rabatt. Er kaute unseren Cookie fertig, überlegte und sagte, dass er schon einen sehr günstigen Preis im Kopf hat und diese Reparatur sonst mindestens 200 NZD teurer wäre… Cookie hat scheinbar geschmeckt und da wir kein Bargeld dabei hatten, fuhr er von uns verfolgt zum nächsten Geldautomaten. 712 NZD standen auf der Rechnung. Wir zahlten jeder die Hälfte und alles in Zwanzig-Dollar-Scheinen (irgendwie gibt es hier keine großen Scheine) und in diesem Wust von Geld bemerkten weder wir noch der nachzählende Mechaniker, dass wir in Wirklichkeit nur 612 NZD hingeblättert hatten. Das fiel uns so richtig erst hinterher im Auto auf und wir müssen zugeben, dass wir darüber nicht allzu traurig waren. Der Mechaniker, der im Verkehrschaos noch auf der Nebenspur stand, hupte uns zum Abschied und wir freuten uns über das Glück im Unglück von heute und genossen eine Fahrt in Richtung Küste! Sonne pur und tolle Strände. An der Mission Bay sind wir sogar durchs Meer gewatet, war gar nicht so kalt und alles sah fantastisch aus. Das Meer hat hier ein ganz besonders tolles Türkis und die Muscheln im Sand waren der Wahnsinn – immer im Hintergrund Rangitotos großer Vulkan. Wir wollten danach nun endlich die Matratze holen, doch als wir ankamen, war leider zu. Ich ging kurz an eine Tankstelle, während Wolfi zwei noch weit herausragende, allzu hartnäckige Nägel aus dem Bett entfernen wollte. Als ich zurückkam, war da aber nicht Wolfi sondern zwei nette Jungs am Werk. Sie gingen mit unserem Bett überhaupt gar nicht vorsichtig um, entfernten jedoch in Windeseile die Nägel und entsorgten auch gleich noch unser überschüssiges Holz. Wer waren die denn? Wolfi hatte zufällig eine benachbarte Bettbaufirma gesehen, deren Werkshalleneingang offen stand. Er ging hinein und sagte zu den Arbeitern: Hey, wir haben was gemeinsam. Wir bauen beide Betten! :-D Dann schilderte er denen unser Nagelproblem und schon hatte es sich gelöst :-) Waren sehr witzig, die beiden! Jippi, danke!
Halb verhungert fuhren wir in die Straße unseres alten Hostels, weil es da irgendwo Riesenpizzen gab und wir die uns heute verdient hatten nach dem großen, gelösten Autoproblem. Im alten Hostel erkundigte ich mich gleich nach Post, aber von den Steuernummern war noch keine Spur. Pizza haben wir nicht gefunden und sind in eine andere Pizzeria. Das war echt saugut!!! Zwei vor Acht kamen wir im Hostel an und bangten schon um unseren Rausschmiss, da wir unsere neuen Schlüssel für das Luxusdoppelzimmer noch nicht abgeholt hatten. Doch die wussten ja alle vom Autoproblem und das Zimmer war für uns frei :-) War das beste, das wir bisher je hatten, aber vor der ersten Autonacht darf man sich das gönnen ;-) Sind nach Zehn noch einmal los ins Rieseneinkaufscenter und haben für nur 160 NZD Lebensmittel gekauft als würden wir in den kommenden 100 Tagen keine Zivilisation mehr erleben… Schnell sind wir noch bei dem Typen (Craig oder Greg?) vorbeigefahren, der unserem Autopechsplatz gegenüber wohnte und so super zu helfen versucht sowie Security für unser Autochen bestellt hatte und haben ihm auf die Mülltonnen ein Sixpack deutsches Bier mit einem netten Dankesbrief gestellt. Vielleicht schreibt er ja mal was auf unsere Blogseite, die haben wir ihm nämlich drauf geschrieben…
Nach einem großen Abwasch unserer Reise-Ess-Besteck-Koch-Utensilien, netten Gesprächen mit anderen Hostelbewohnern und Telefonaten nach Hause sind wir nach Zwölf erledigt ins bequeme Bett gefallen. Hab ziemliche Halsschmerzen bekommen und leider nicht gut geschlafen, dafür aber fast zu lang dann am Morgen! Schnell haben wir noch geduscht, alles kreuz und quer ins Auto geschmissen, in Ruhe noch einmal lecker gefrühstückt und sind nach einigen netten Verabschiedungen gestartet! Zum ungefähr vierten Mal ging unsere Tour zum Warehouse (so ‘n Laden, in dem es alles gibt – wir brauchten noch ‘nen Topf und Gardinenmaterial), zum Stammbaumarkt und zum Matratzenladen. Ein letztes Mal haben wir unser gesamtes Hab und Gut auf dem Baumarktparkplatz verteilt, gestaunt, wie wir das unterbringen sollen im Auto, haben viele Boxen gekauft, alles kategorisch einsortiert und wow: Es passte perfekt!!! Ein Mann, der uns beobachtet hatte, fragte ob wir Hilfe bräuchten. Haben kurz mit ihm geplaudert und erklärt, was wir vorhaben, und prompt hatten wir zwei Minuten später eine Adresskarte inklusive Essenseinladung von unserem zweiten Pete (der erste von gestern hieß auch Pete!). Unglaublich! Nur leider findet Wolfi bisher die Adresskarte nicht wieder…
Freudig fuhren wir zu den Matratzen, nahmen die größte, pressten sie rein, ließen sie kurz etwas beschneiden, damit Wolfis Sitz ganz weit zurück konnte, und bezogen vor Ort noch unser neues Bett. Wir waren sehr stolz auf dieses tolle Auto mit durchdachtem Boxensystem und klasse Bett! Passanten warfen uns anerkennende Blicke zu :-)
Übrigens hatte Wolfi mir nach Verlassen des Hostels noch eine von den Grape-Orangen gepflückt, da ich diese ja unbedingt noch kosten wollte. Hab sie hier vom Matratzenshop gegessen und fand sie lecker, gar nicht zu bitter!
Frisch aufgetankt sind wir noch einmal kurz in die Innenstadt um Jelle zu verabschieden! Wir haben ausgemacht, dass wir sie treffen werden, wenn sie ihre Bustour begonnen hat, denn dann sollten wir auch vom Northland zurück sein.
Danach ging unsere Fahrt um 16 Uhr nun wirklich richtig los. Noch einmal sind wir ein Stückchen Highway gefahren, das Wolfi vor einigen Tagen unbeabsichtigt und noch ganz unsicher schon mal befahren hatte, und sind dann auf die östliche Küstenstraße abgebogen. Auckland ist wahnsinnig riesig und unsere erste Station war nur ca. 10km entfernt in einem zugehörigen Vorort namens Takapuna. Hier haben wir uns noch eine ganz tolle, aktuelle Straßenkarte mit allen Campingplätzen ganz Neuseelands geleistet und etwas für die Stromversorgung (hat Wolfi besorgt, er ist der Technikmann, ohne den ihr nie sowas hier alles mitverfolgen könntet). Haben den Strand von Takapuna (Meer gehört zum Hauraki Gulf) besucht und auch den Lake Pupuke dort. Gab da interessante schwarze Schwäne, ganz anders als unsere zuhaus! Weiter ging es in Richtung Norden und es dunkelte schon fast. Die Parkplatz-zum-Übernachten-Suche gestaltete sich schwieriger als erwartet und wir sind hin und her, doch irgendwann erreichten wir leicht genervt einen Stellplatz. Sind hier irgendwo an der Straße zwischen Orewa und Hatfields Beach und haben vorhin verspätet zu Abend gegessen, mit Bier (wollten eigentlich Sekt) angestoßen und das alles direkt auf einer Holzbank am Meer! Die Wellen rauschen, die Lichter funkeln und es ist bis auf ein oder zwei Autos pro halbe Stunde ziemlich ruhig hier! Merkwürdig wie wir hier so abgelegen und weit weg sind und trotzdem per Internet und Kreditkarte unsere Handys aufladen, nach Hause skypen und Mails abrufen. Wir waren überrascht von euren vielen Kommentaren und Zuschriften und danken euch sehr! Ist schön zu wissen, dass ihr bei uns seid! Leider wird es aber in nächster Zeit nicht allzu viele Bilder geben, da Wolfi nur den Stick hat und die Internetnutzung sehr begrenzt ist. Aber schreiben werden wir… und wenn es nicht gleich kommt, dann wird es gesammelt hochgeladen! Verzeiht uns jedoch das eine oder andere Fehlerchen mehr und schaut ruhig ab und an mal alte Artikel durch. Eventuell werden wir, wenn sich die Möglichkeit bietet, im Nachhinein Bilder hochladen oder Fehler korrigieren.
So, liegen jetzt in unserem Bettchen in Joy und ich tippe die letzten Zeilen. In Auckland, der Stadt die uns so lange nicht loslassen wollte, kam uns alles noch gar nicht richtig wie eine halbe Welt weit weg vor! Es wirkte sehr europäisch-amerikanisch und Wolfi stellte richtig fest, dass alles enorm sauber ist. Außerdem hatten wir viel zu tun und erledigen, also kaum Zeit nachzudenken. Wir fühlten uns einfach nicht fremd und weit weg… Heute haben wir im Vorbeifahren Landschaften sich wandeln gesehen, haben kein Bettchen mehr in einem festen Haus mit Bad und Toilette, dafür aber Strand, viel Grün und etwas Einsamkeit. Schon irgendwie weit weg so langsam…

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2 Antworten auf Endlich los und weit weg :-)

  1. Susanne Fritzlar sagt:

    Uiii, nun habt ihr es doch noch geschafft Auckland hinter Euch zu lassen. Es ist einfach toll, dass Ihr dort sooo viele nette und hilfsbereite und gastfreundliche Menschen trefft. Hoffentlich erfriert Ihr nicht über Nacht in Eurer Joy.
    Bei uns wird es nachts schon empfindlich kalt. Jetzt wünsch ich Euch noch eine schöne, störungsfreie Zeit in den Northlands, viele tolle Landschaften und ab und an auch mal ne feste Unterkunft mit Dusche, Bett und Zudecke.LG MAMA :-)

  2. Peter sagt:

    Hey ihr Zwei,

    weiterhin alles Gute auf eurer Reise.

    Grüße aus Erfurt

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