Lange Fahrten, Riesenbäume, wilde Meere, altes Auckland

Am gestrigen Donnerstag haben wir nach langer Foto-Upload-Nacht und einem nur langsamen Aus-dem-Knick-Kommen mit trockener Wäsche gegen 11.45 Uhr das Motorcamp verlassen. Eine langwierige Fahrt zog sich bis Rangiora, von wo aus wir nach 45-minütiger Wartezeit mit der Fähre in nur fünf Minuten über den Hokianga Harbour nach Rawene übergesetzt sind. Weiter ging es bis nach Opononi. Hier fanden wir einen tollen Picknickplatz mit Blick auf einen vor uns liegenden Strand sowie gegenüberliegende Riesensanddünen. In Opononi gibt es ein Museum, das wir zwar nicht besuchten, welches aber eine interessante Begebenheit ausstellt: Vor vielen Jahren soll eine liebe Delfindame ganz nah an den Strand Opononis geschwommen sein, hat dort mit Kindern gespielt und Kunststücke vorgeführt. Sie wurde Opo getauft, verschwand aber ein Jahr nach ihrem Erscheinen plötzlich und wurde nie wieder gesehen. Sie hinterließ aber so viel Eindruck, dass sie nie vergessen wurde und ihre Geschichte war angeblich der Anlass für die Produktion der Serie “Flipper”, der also neuseeländsiche Ursprünge hat… :-)
Kurz hinter Opononi hielten wir noch an zwei Aussichtspunkten, von denen aus man die Dünen und den Strand nochmals sehr schön betrachten konnte. Viele Kilometer oder zumindest gefühlte lange Zeit später erreichten wir endlich den Waipoua Forest mit seinen gigantischen Kauri-Bäumen. Kauris sind sehr alt und groß werdende Bäume, die früher weite Flächen Neuseelands bewaldeten, dann aber von Europäern im 19ten Jahrhundert in Massen gefällt wurden, weil deren Gum (harz-bernsteinähnliche Masse) sehr begehrt war. Heute findet man deshalb nur noch wenige Kauri-Gebiete, die unter strengem Schutz stehen. Bloß Maoris dürfen mit Genehmigung wohl noch einzelne Bäume fällen, um sie für ihre Kulturrituale zu nutzen. War schon lustig, wie da auf dem Waldweg plötzlich ein Fußabtreter angebracht war mit der Bitte, dass Spaziergänger ihre Schuhe von grobem Dreck befreien bevor sie zu den alten, dicken Bäumen mit den nur kleinen, sehr empfindlich Wurzeln gehen. Zuerst besuchten wir nach einer kurzen Urwaldwanderung entlang prächtigen Farnen sowie Moosen auf alten Bäumen begleitet von einem angenehmen urwaldigen Duft den Baum Tane Mahuta, der mit 51,5m Höhe der größte und mit seinen um die 2000 Jahren auf der Krone zudem einer der ältesten Kauri-Baum Neuseelands ist. Tane Mahuta gilt in der Maori-Kultur als Gott des Waldes. Er war einer der Söhne von Gotteltern, die immer zusammen standen und durch die deshalb kein Licht hindurch auf die Erde gelangen konnte. Tane Mahuta schaffte es jedoch, die Eltern zu trennen und gilt daher als Schöpfer allen Lebens. Wir machten nun vor dem überdimensionalen Stamm dieser Maori-Berühmtheit Fotos von uns und genossen einfach den Anblick dieses Riesen in seiner Urwaldumgebung. Einen Parkplatz weiter unternahmen wir noch einen zweiten, kleinen Waldspaziergang bis zu den Four Sisters, vier großen Kauris, die da richtig enge beieinander standen. Danach wollten wir noch das Kauri-Wald-Informationshäuschen besuchen, das aber schon seit halb fünf (auch typische Schließzeit der meisten neuseeländischen Geschäfte) geschlossen hatte. Auf der weiteren Fahrt kam uns endlich mal die Idee, den Radioadapter mit meinem Handy zu koppeln :-) Schöne Musik machte die lange, in der Sonne ziemlich anstrengende Fahrt um tausende Kurven angenehmer… obwohl wir auch sonst während der Fahrt meist ganz gute Musik von einem Sender namens “The Rock” hören. Als wir am Vormittag durch tolle Landschaften mit großen, weichen, saftigen Hügeln, klaren Bächen, grauen Felsen und viel Wald fuhren, kam plötzlich “Brothers In Arms” und passte in dem Moment irgendwie sehr gut zu Allem…
Gegen Abend erreichten wir tatsächlich unser Tagesziel Dargaville, eine bissl wild-west-ähnelnde Stadt. Wir kochten uns Fertig-Carbonara-Nudeln auf einem nicht allzu hübschen Parkplatz mit gar nicht allzu feinem Toilettenhäuschen an einem braunen-Hafen-Flussarm und Wolfi entschied (er legt immer sehr wert auf den Zustand der Toiletten), dass wir nach dem Essen noch weiterfuhren und woanders einen Schlafplatz suchten. Im benachbarten Warehouse kauften wir uns schnell noch einen Quirl und einen Messbecher, der neben den hier gebräuchlichen Cup-Einheiten sogar die uns vertrauten Milliliter anzeigt! Nun müssen wir nächstes Mal die Carbonara-Suppe nicht mit extra Käse zum Andicken bringen :-D
Während ich mit Thomas telefonierte und ihn von seiner Arbeit abhielt, fand Wolfi in Ruawai tatsächlich noch einen guten Parkplatz mit annehmbaren Toiletten inklusive Blick auf einen superklaren Sternenhimmel über einem Meerarm. Hier blieben und schliefen wir nach absolvierten, anstrengenden 250km Autofahrt. Kalt war die Nacht, immer mal hielten Autos, fuhren wieder und ich konnte nicht allzu gut schlafen… Doch mit der Aussicht auf leckere, frische Pancakes zum Frühstück und mit kitzelnden Sonnenstrahlen im Gesicht fiel das Aufstehen gegen Neun gar nicht schwer. Die Pancakes aus der Schüttelflasche, die Wolfi liebevoll goldbraun briet, waren eine gelungene Abwechslung zu dem Wabbeltoastbrot jeden Morgen. Haben entdeckt, dass gesüßte Milchpaste aus der Tube lecker auf Pancakes schmeckt. Anderer Frühstückstipp: frische Kiwischeiben auf Toast mit Erdbeermarmelade – passt bestens… :-)
Auf dem Rückweg nach Auckland gab es heute einen kurzen Zwischenstopp in Helensville, wo wir geschmückt mit rosa Schleifchen und Luftballon als Zeichen des Brustkrebstages mal wieder Lebensmittel kauften – aber dieses Mal nur, was wirklich fehlte! Kurz vor Auckland machten wir noch einen spontanen Abstecher an den Muriwai Beach. Im wilden Wasser der Tasmanischen See nutzen wir die Chance uns zu reinigen und über die Kraft von Wellen und Strömungen zu staunen. Stand noch in einer Minute das Wasser bis zum Bauchnabel, zog es uns kurz darauf beinah die Beine weg und Sekunden später befanden sich unsere Füße auf purem Sand, von dem sich das Wasser vollständig zurückgezogen hatte! Kein Wunder, dass ein richtiger Schwimmgang hier lebensgefährlich werden kann! Luftgetrocknet und frisch wanderte ich danach die Felsen hinauf. An diesem Strandteil sollte es neben Meer nämlich auch eine einzigartige Tölpelkolonie zu sehen geben. Oben angekommen sah ich drei Felsspitzen bedeckt von weißen Punkten, die sich beim näheren Betrachten als wunderschöne Vögel mit gelber Haube zu erkennen gaben. Wow, wie sie um die Felsen segelten und mit den Windböen hinauf und hinab getragen wurden… Ihr ganzes Leben hing, wenn man den Schildern glaubt, vom Wind ab, mit welchem sie zwischen Australien und diesen Felsen am Muriwai Beach hin und her flogen. Unbeschreiblich faszinierend, wie diese schönen Geschöpfe da saßen, schauten, aufflogen und segelten! Stunden hätte ich zusehen können, doch da wir weiter wollten und die Mägen knurrten, ging es zurück zu Wolfi und Joy. Auf dem Weg machte sich eine Hochzeitsgesellschaft bereit für eine Hochzeit direkt auf den Felsen vorm Meer. Nicht übel, was da aufgefahren wurde! Nach kurzem Picknick fuhr Wolfi mich und Joy wieder auf den Highway und wir erreichten nach einem kleinen Tankstopp in Kumeu (bei den vielen, vielen Kurven und Bergen schafft man hier nur 400 bis 450km auf eine Füllung :-/) das uns wohlvertraute Auckland. Wolfi bezeichnte es schon fast als Zuhause ;-) Er freute sich sehr, es wiederzusehen. Ab ging es auf die K’Road, wo ich mir in einem Elektronikladen für einen Batzen Geld eine ganz kleine, portable Festplatte für all unsere Fotos kaufte. Seit zwei Tagen quoll die Kamera-Speicherkarte bereits über und wir konnten nur fotogafieren, indem wir ältere, entbehrliche Bilder löschten. Eigentlich wollte ich einfach eine neue Karte kaufen, doch da ich davon dann noch mindestens zwei bis fünf während unserer Reise benötigen würde, hätte ich letztlich damit viel mehr Geld zu investieren als in eine Festplatte, zu deren Kauf mir Wolfi schon längst riet! Na hoffentlich klaut die nicht mal einer! In unserem Start-Hostel holte ich auch noch schnell die richtige Briefe mit unseren Steuernummern in Schwarz-auf-Weiß ab und Wolfi besuchte erneut den Gitarrenladen nebenan. Mehr Platz haben wir ja doch so langsam im Auto, aber ganz zum Kauf entschließen konnte er sich vorhin noch nicht… Vielleicht bekommen wir doch irgendwo eine gebrauchte Gitarre her.
Nun sind wir hier an unserem Schlafplatz angekommen, der ca. 25km hinter Auckland in Richtung Coromandel am Omana Beach liegt. Momentan ist die von uns bereits besuchte Vulkaninsel Rangitoto mal wieder in unserer Sichtweite! :-) Wir haben unser Hotdog-Dinner verspeist und sind dabei zum Entschluss gekommen, so schnell nicht wieder neuseeländische Würstchen aus der Dose zu essen, denn dann kann man sich auch gleich Hundefutter in Aspik kaufen…
Da Wolfi mein Getippe langweilt, steht er nun im Dunkel auf einem nahegelegenen Steg, von wo aus er Fischen Wabbeltoast am Haken anbietet. Mal schauen, ob was anbeißt. Der letzte Fang in Form eines kleinen Köderfisches in Russell hat, nachdem er in einem neuen Klippdöschen mehrere Tage mit uns reisen durfte (Wolfi war sicher, dass die Zeit die Qualität des Köders steigerte), unserer guten Joy eine ordentliche Duft-Eigennote verliehen, die bis jetzt noch nicht ganz gewichen ist… Zusammen mit dem zerstückelten Fisch musste auch gleich die neue Dose in den Müll wandern… Bäh!
Werde nun auch mal zum Steg gucken und Meerluft schnuppern, sind ja nun wieder an pazifischen Gewässern unterwegs… Gute Nacht von uns und euch einen schönen Freitag mit gutem Start ins Wochenende :-)

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